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Wurzen Fanny Barthold aus Wurzen restauriert Naumburger Chorbücher
Region Wurzen Fanny Barthold aus Wurzen restauriert Naumburger Chorbücher
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14:15 25.09.2018
Aufmerksames Publikum: Restauratorin Fanny Barthold arbeitete als Studentin am Konzept für die Restaurierung der Naumburger Chorbücher. Eines der acht Prachtexemplare ist derzeit in der aktuellen Sonderausstellung "Mein Glaube, meine Macht" zu sehen. Quelle: Kai-Uwe Brandt
Wurzen

Gut und gern zehn Leute waren dereinst in der mittelalterlichen Klosterschreibschule – dem Skriptorium – an jenem Werk beteiligt, welches zu den bemerkenswertesten Exponaten der aktuellen Ausstellung „Mein Glaube, Meine Macht“ in der Wenceslaikirche gehört. Allesamt seien Spezialisten gewesen, erzählt Fanny Barthold. Während die einen die Noten auf das Pergament des rund 500 Jahre alten Chorbuches zeichneten, sorgten andere für die Schrift oder die reichen Verzierungen.

Jedoch offenbart der liturgische Koloss mit seinen circa 45 Kilogramm und 320 Blättern aus Tierhaut weitaus mehr, und Barthold kennt die Geheimnisse. Schließlich gehörte die gebürtige Wurzenerin zu dem achtköpfigen Team, welches zwei Jahre lang die bibliophile Rarität auf Herz und Nieren analysierte. Heute lebt und arbeitet die 29-Jährige in Köln, wo sie von 2012 bis 2017 am Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaften der Technischen Hochschule studierte. Dass sie dem Buch in ihrer Heimatstadt noch einmal begegnet, hätte die junge Frau selbst nicht geglaubt. Eben deshalb erklärte sie sich auf Bitten von Stadtsprecherin Cornelia Hanspach ohne zu zögern bereit, ihr Wissen mit den Gästen der Ausstellung zu teilen.

Bischof Johann  VI. von Salhausen (1444 – 1518), dessen Wirken die Schau in der Stadtkirche gewidmet ist, ließ Anfang des 16. Jahrhunderts das Chorbuch anfertigen. Heute existieren weltweit nur noch acht Exemplare davon. Durch die Ereignisse der Reformation gelangten sie in die Hände des Landesherren, der die wertvollen Handschriften 1580 an das evangelisch gewordene Domkapitel Naumburg verscherbelte. Bis in das 19. Jahrhundert fanden sie Verwendung für das nach wie vor abgehaltene Stundengebet. Allein schon dadurch, so Barthold, weisen die kunstvollen Werke „zahlreiche Gebrauchsspuren auf, insbesondere an den Ecken der Blätter“. Einige Chorsänger ritzten sogar ihren Namen in die kostbaren Miniaturen und Zierrahmen ein – „eine frühe Form des Vandalismus“.

Interessant macht die Bände vor allem ihr ungewöhnlich großes Format. Sie sind 74 bis 77 Zentimeter hoch sowie etwa 52 bis 55 Zentimeter breit, weisen zwischen 275 und 337 Pergamentblätter auf. „Die mehrschichtigen Holzdeckel sind in Schweinsleder eingebunden und besitzen Metallschließen.“ Der Deckel eines Chorbuches ging über die Jahrhunderte verloren. Allerdings haben die Restauratoren keineswegs nur mit geknickten oder verschmutzten Seiten zu tun. „Für Probleme sorgt ferner der Materialverschleiß.“ An einigen Stellen platzt die Gallustinte ab, teils wurden Zierseiten oder Miniaturen herausgerissen. Jenes Buch aber, welches Wurzen als Leihgabe erhielt, sei Barthold zufolge in einem „sehr gut erhaltenen Zustand“, da es um 1850 bereits restauriert wurde.

Im Anschluss ihres Vortrages beantwortete Barthold noch Fragen des begeisterten Publikums. Zum Beispiel, wie lange es für die Erneuerung der Bücher braucht? „Pro Blatt circa vier Wochen.“ Nach gut einer Stunde bedankten sich die Zuhörer mit reichlich Beifall und Oberbürgermeister Jörg Röglin (SPD) mit einem Blumenstrauß bei der Referentin. Übrigens läuft die Sonderausstellung „Mein Glaube, Meine Macht – Johann von Saalhausen, Bischof.Bauherr.Landesvater“ noch bis zum 3. Oktober. Dann muss auch wieder das Chorbuch nach Naumburg zurück.

Von Kai-Uwe Brandt

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