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Wurzen Fans besuchen Wasserturm in Beucha
Region Wurzen Fans besuchen Wasserturm in Beucha
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14:19 05.10.2018
Im Doppel: Bergkirche (r.) und Wasserturm (l.) spiegeln sich im Wasser des Kirchbruchs. Quelle: Ines Alekowa
Brandis/Beucha

„Huch, hier sieht’s ja aus!“ Als Barabara Wuytack (68), die stellvertretende Vorsitzende des Beuchaer Heimatvereins, die Tür zum Wasserturm öffnet, stieben Taubenfedern auf. Der Dreck der Vögel verkrustet die Holztreppe. Flügel wären wünschenswert. Aber die Besucher von der Deutsch Internationalen Wasserturm Gesellschaft (DIWTG) sind einiges gewohnt. Schließlich sind die wenigsten Türme, die sie besichtigen, heute noch genutzt und damit gepflegt.

Der Beuchaer Wasserturm bekam Besuch von der Deutschen Wasserturmgesellschaft. Diese dokumentiert die technischen Denkmäler und setzt sich für deren Erhalt ein.

Seit 2002 dokumentiert die DIWTG die technischen Denkmale – derzeit arbeitet sie an einer internationalen Bilder- und Datenbank, wirbt für Erhalt und Nutzung der Türme, hilft Eigentümern mit Kontakten. Vorsitzender Werner Langels hatte die markanten Wahrzeichen zunächst auf seinen Reisen fotografiert, dann begeisterte er andere dafür.

Wasserturmgesellschaft hat 60 Mitglieder

Heute zählt die Gesellschaft mit Sitz in Dorsten (Nordrhein-Westfalen) rund 60 Mitglieder. Das sind Privatpersonen und Vereine in ganz Deutschland, es gibt Kontakte nach Holland und Frankreich. Man trifft sich zweimal im Jahr – im Frühjahr zur Hauptversammlung und im Herbst zu Besichtigungstouren in wechselnden Orten, diesmal erstmals in Leipzig. Jens Jeschke und Andreas Rudolph hatten die Veranstaltung vor Ort organisiert. Auf dem Programm: 16 Türme in zwei Tagen.

Nun stehen etwa ein Dutzend Wasserturmfans in der ersten Etage des Turms. Es geht weiter hinauf, über die gewendelte Gusseisentreppe ins Obergeschoss. Unter den Hängeboden des Wasserbehälters dürfen die Besucher aus Sicherheitsgründen nicht. Dieser ist ein offener Stahlzylinder mit einem Durchmesser von 7,40 Meter und einer Höhe von 4,90 Meter, der einst 100 Kubikmeter Wasser fasste.

Wasserturm in Beucha versorgte umliegende Orte

Dafür hat Wuytack, die auch die Ortschronik führt, jede Menge Fakten parat und auf jede Frage eine Antwort. Der knapp 28 Meter hohe achteckige Turm wurde 1911 erbaut und versorgte Beucha, Kleinsteinberg, Wolfshain und Albrechtshain mit Wasser. Seit Mitte der 1950er-Jahre, als in Brandis auf dem Kohlenberg ein 1000 Kubikmeter fassender Hochbehälter errichtet wurde, ist der Turm außer Betrieb.

Der Beuchaer Turm gefällt DIWTG-Geschäftsführer Ulrich Rosenbaum aus Hattingen sehr gut. „Normalerweise sind Wassertürme fest verankert im Schaft. Dass dieser auf einem quadratischen Sockelgeschoss mit großer Tordurchfahrt aufgebaut ist“ – der Zugang zu Kirche und Friedhof –, „ist eine architektonische Besonderheit.“ Natürlich, sagt Rosenbaum, blute jedem Liebhaber das Herz, wenn ein Turm dem Zahn der Zeit preisgegeben sei. Lösungen wie im tags zuvor besichtigten Wasserturm Mockau, heute ein Kletterparadies, sind eher die Ausnahme, „denn eine Nachnutzung ist mit großem finanziellen Aufwand verbunden“.

Im Wasserturm Mockau kann man klettern. Thomas Elbert hängt hier in den Seilen. Quelle: Klaus-Dieter Gloger

Der Besitzer des Paunsdorfer Turms, Klaus Sittel, kann ein Lied davon singen. Das Wohnhaus, das er 2003 kaufte, gab’s nur im Paket mit Wasserturm und Betriebsgebäude. „Die Kommunalen Wasserwerke Leipzig wollten ihn damals loswerden. Visionen für das besondere Stück pflegt Sittel nicht. „Allein ein Gerüst aufzustellen, würde 50.000 Euro kosten.“

Ein Café im Wasserturm?

Die Beuchaer, erzählt Wuytack, hätten schon Ideen, könnten sich hier zum Beispiel ein Café vorstellen. Der Raum wäre auch geeignet für Buchlesungen des Heimatvereins. Sie weiß aber auch, dass die Stadt Brandis, seit 1992 Eigentümer, zu viele andere Baustellen hat. 2009 hatte der Verein schon mal alles schick gemacht und zum Tag des offenen Denkmals eingeladen.

Rund 300 Besucher zeugten vom großen Interesse der Beuchaer an ihrem „Dicken“. Bei der Vorbereitung der Veranstaltung war Wuytack auf die DIWG aufmerksam geworden. „Die hatte gerade den Originalbauplan unseres Turmes gefunden“, erinnert sie sich. „Der hing im Wasserwerk am Autobahnsee. Dort, in der Viehweide, sollte ursprünglich auch der Turm entstehen, aber der Untergrund war zu instabil.“

Anders auf dem Kirchberg. Weil ein rein funktionaler Hochbehälter hier aber die Ansicht der Bergkirche gestört hätte, gab es heftige Gegenwehr vom Sächsischen Heimatschutz. Akzeptiert wurde schließlich ein Entwurf des Brandisers Walter Gralapp. „Das konzipierte Ensemble aus Kirche und Wasserturm ist heute aus der Silhouette des Dorfes nicht mehr wegzudenken“, sagt Wuytack.

Von Ines Alekowa

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