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Feinschliff fürs Gotteshaus: Glocken und Turmuhr werden jetzt per Elektrik gesteuert

Kirche Sachsendorf Feinschliff fürs Gotteshaus: Glocken und Turmuhr werden jetzt per Elektrik gesteuert

24 000 Euro hat die Kirchgemeinde Kühren-Burkartshain in die neue Steuerungstechnik für die Glocken der über 300 Jahre alten Sachsendorfer Kirche und die Turmuhr investiert. Ein Großteil des Geldes kam dabei durch Spenden zusammen. Zu Ostern schlägt das Läutwerk erstmals mittels elektrischem Antrieb.

Per Kran wurde der 5,30 Meter lange Eichenbalken für den Glockenstuhl in den Turm gehievt. Ebenfalls neu sind die Läuteräder, allein das größte misst im Durchmesser 1,80 Meter.

Quelle: Sven Heinze

Wurzen/Sachsendorf. Zu Ostern ist Premiere. Dann erfolgt der Glockenschlag im über 300 Jahre alten Turm der Kirche Sachsendorf erstmals nicht per Muskelkraft, sondern dank moderner Steuerung. Und selbst die Zeit wird im Wurzener Ortsteil auf die Minute genau gehen.

Bereits im Februar, berichtet Sven Heinze beim Vorort-Termin, begann das aktuelle Projekt der Kirchgemeinde Kühren-Burkartshain mit dem Verputzen der Wände im Glockenturm. Seither hat sich viel getan. So ruht ein 5,30 Meter langer Eichenbalken auf dem Glockenstuhl. Dieser wurde unlängst von einem Kran in die Höhe gehievt und durchs Turmfenster ins Innere gewuchtet, um den alten aus Nadelholz zu ersetzen. Die Läuteräder sind neu, allein das größte misst im Durchmesser 1,80 Meter. Farbe sorgt außerdem für frischen Glanz der drei Stahlglocken. Der Koloss des Klangtrios, gestiftet von der Kirchgemeinde, wiegt circa anderthalb Tonnen und stammt aus dem Jahre 1924. Die mittlere Glocke spendeten die Herrschaften der Rittergüter Sachsendorf und Wäldgen, den kleinsten Bruder im Bunde finanzierte einst die Bauernfamilie Hofmann.

Darüber hinaus reparierte die Leipziger Firma Bernhard Zachariä GmbH aus Leipzig den gut 100 Kilogramm schweren Klöppel und sorgt mittels Elektrik für eine „schonende Anziehtechnik“, wie der stellvertretende Kirchenvorstand Heinze sagt. Ihm zur Seite stehen an diesem Tag Andreas Kühne vom Bauausschuss der Kirchgemeinde mit 800 Gemeindegliedern sowie René Sieber, Monteur der Zachariä GmbH. Das Unternehmen mit Sitz in der Heiterblickstraße ist die älteste noch bestehende Turmuhrenfabrik Deutschlands. Zum Lieferprogramm des 1808 gegründeten Betriebes gehören neben Turmuhren auch elektrische Glockenläuteanlagen. Apropos Uhren: Das ebenfalls aufgearbeitete Chronometer des Gotteshauses in Sachsendorf zeigt trotz seines historischen Räderwerks die Zeit so genau wie eine Funkuhr an und muss nicht mehr aufgezogen werden. Denn die Mechanik aus Serienproduktion um 1900 treibt mittlerweile ein Motor an, während ein Elektromagnet die Pendelbewegung korrigiert, falls die Uhr vor- oder nachgehen sollte, berichtet Fachmann Sieber.

„Die Planungen unseres jüngsten Vorhabens unter Regie von Bauleiter Christian Kupsch haben übrigens schon im Sommer 2016 begonnen“, freuen sich Heinze und Kühne auf den Abschluss. Doch vor allem wollen sie den Spendern sowie freiwilligen Helfern aus der Kirchgemeinde danken, die das Restaurieren des Glockenstuhls und der Turmuhr erst ermöglichten. Immerhin kostete die Modernisierung 24 000 Euro. Veranschlagt waren zunächst 21 000. Davon übernahm die Landeskirche 10 000 Euro, 6000 flossen aus den Rücklagen der Kirchgemeinde und den nicht unerheblichen Rest trugen eben jene Spender bei. „Im August zum Parkfest in Sachsendorf dürfen sich alle Neugierigen von den Neuerungen bei einer Turmbesichtigung überzeugen“, kündigen Heinze und Kühne schon einmal vorm österlichen Glockenschlag des weithin sichtbaren Gotteshauses mit der wechselvollen Geschichte an.

Eingeweiht wurde die Kirche am 14. November 1698 – fünf Jahre nach dem Brand des Vorgängerbaus. 1724 erhielt das Gebäude seine barocke Ausstattung und acht Jahre später die Patronatsloge für die Rittergutsbesitzer von Sachsendorf. Um 1900 fand die Umgestaltung des Kircheninneren im Sinne des Jugendstils statt. 1986 erfolgte ein Silikatanstrich der Außenfassade in leuchtendem Gelbton. Anfang der 90er-Jahre widmete sich die Kirchgemeinde schließlich der Restaurierung von Apsis, Kirchenraum, Empore sowie Patronatsloge und 2010 der Reparatur des Daches inklusive Dachstuhl.

Von Kai-Uwe Brandt

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