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Wurzen Feuerwehr mit Spezialauftrag: Elstertrebnitz baut an
Region Wurzen Feuerwehr mit Spezialauftrag: Elstertrebnitz baut an
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19:55 06.11.2018
Die Gemeinde Elstertrebnitz hat am Dienstag einen Fördermittelbescheid für die Erweiterung ihres Gerätehauses erhalten. Zum Fototermin stellten sich Kreisbrandmeister Nils Adam (v.l.n.r.), Bürgermeister David Zühlke, Landrat Henry Graichen und Marco Uslaub, stellvertretender Wehrleiter von Elstertrebnitz. Quelle: Simone Prenzel
Landkreis Leipzig/Elstertrebnitz

 Bei Gefahrguteinsätzen sind sie zur Stelle – die sogenannten ABC-Erkunder. Drei Fahrzeuge existieren im Landkreis. Allerdings gab es zuletzt Probleme, auch das nötige Personal vorzuhalten. „In den 90er-Jahren war fast jede Feuerwehr froh, zusätzliche Fahrzeuge des Katastrophenschutzes in den Gerätehäusern zu haben“, erinnert sich Landrat Henry Graichen (CDU). Mittlerweile habe sich das Blatt allerdings gewendet. „Jetzt wird es für die Wehrleiter immer schwieriger, die Kameraden für zusätzliche Aufgaben zu motivieren.“ So standen vor Jahresfrist auch zwei sogenannte CBRN-Erkunder quasi auf der Straße. Mit den Wagen werden chemische (C), biologische (B), radioaktive (R) und nukleare (N) Gefahren erforscht.

Erkunder von Elstertrebnitz sind Profis

Giftige Stoffe im Grundwasser oder austretende Gase bei einem Brand von verseuchten Materialien sind nur zwei Szenarien, denen sich die Elstertrebnitzer Kameraden im Ernstfall stellen müssen.

Sowohl die Wehren in Roda (Stadt Froburg) als auch Wurzen bedauerten, die Einsätze des Messwagens nicht mehr absichern zu können. „Um so dankbarer waren wir der Gemeinde Elstertrebnitz, bei der nun zwei Erkunder stehen“, verdeutlichte Graichen. In die Elsteraue wechselte inzwischen das Fahrzeug aus Roda. Auch für das Wurzener Gefährt fand sich eine neue Heimat. Gemeinsam mit den Elstertrebnitzern bilden die Kameraden der Feuerwehr Erlbach/Schönbach den neuen Erkundungszug des Landkreises. „Auch in der Stadt Colditz“, freute sich Kreisbrandmeister Nils Adam, „will man sich dieser neuen Aufgabe stellen.“

Wehren schultern zusätzliche Aufgabe

Sie rücken an, wenn es brenzlig wird: Die Gefahrgut-Erkunder, die für den ganzen Landkreis zuständig sind. Kameraden lassen sich eigens dafür ausbilden, um mit Stoffen umzugehen, die der Laie in aller Regel nicht mal als gefährlich erkennt.

Der Kreis kann sich glücklich schätzen, dass sich derzeit die Wehren Elstertrebnitz und Erlbach/Schönbach dieser Aufgabe stellen. Denn vor Jahresfrist standen zwei der Messwagen quasi auf der Straße, weil sich die bisher zuständigen Orte nicht mehr in der Lage sahen, mit der Technik auch vom Hof zu rollen.

Kein Wunder: Denn Vorfälle mit chemischen, biologischen oder anderen Risiko-Stoffen erfordern besondere Kenntnisse und zusätzliche Schulungen. Bei Unfällen mit Gefahrgut-Transportern lässt sich noch an der orangefarbenen Gefahrentafel erkennen, womit es die Einsatzkräfte zu tun haben. Hier geben Nummern Auskunft darüber, welche Materialien befördert werden. Heikler wird es schon, wenn die Experten zu mutmaßlichen Briefanschlägen oder anderen Ereignissen hinzugerufen werden. Dann beginnt oft das große Rätselraten: Mit welcher Substanz hat man es zu tun? Müssen Menschen etwa evakuiert oder andere Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden?

Um im Ernstfall richtig zu handeln, schultern die Kameraden in Elstertrebnitz und Erlbach jedenfalls eine weitere Aufgabe. Zusätzlich zu ihrem regulären Einsatz- und Ausbildungsgeschehen drücken sie aller zwei Wochen die Schulbank, um sich fit für den Umgang mit gefährlichen Stoffen zu machen. Der Landkreis dankt es den Einsatzkräften in der Elsteraue jetzt mit einem Zuschuss zum Gerätehaus-Anbau. Das ist mehr als nachvollziehbar und zeigt den Kameraden, wie sehr ihre Arbeit gebraucht wird. sp

Gerätehaus in Elstertrebnitz zu klein für die Flotte

Was Gefahrguteinsätze anbelangt, gelten die Elstertrebnitzer als alte Hasen. „Wir waren eine der ersten Wehren, die sich mit dem Thema befasst haben“, berichtete Bürgermeister David Zühlke, zugleich Zugführer im Katschutz. „Deshalb gab es für uns kein Zögern, als der Kreis nach einem weiteren Standort gesucht hat.“ Allerdings bescherte der zweite Erkundungswagen der Kommune ein Platzproblem. „Plötzlich war unser Gerätehaus zu klein, so dass wir jetzt anbauen müssen“, so Zühlke. Da Elstertrebnitz dem Kreis beim Katschutz hilft, kam Landrat Graichen am Dienstag nicht mit leeren Händen: Die Kommune erhält knapp 90 000 Euro, um ihr Feuerwehr-Domizil zu erweitern. Damit werden 75 Prozent der auf rund 115 000 Euro geschätzten Baukosten übernommen.

Dezentrale Standorte im Kreis Leipzig unproblematisch

Für das Engagement zollte den Ehrenamtlichen auch Jürgen Jubisch, Sachgebietsleiter für Brand- und Katastrophenschutz im Landkreis, Anerkennung: „Immerhin übernimmt die Wehr diese Aufgabe zusätzlich zum normalen Einsatzgeschehen.“

Rückten Zühlke und seine Mannen in der Vergangenheit zu rund zehn Gefahrgut-Einsätzen aus, so fuhren die Erkunder in diesem Jahr schon 24 Mal vom Hof. Zu den größten Einsätzen zählten die Brände bei der Recycling-Firma Plambeck im Industriegebiet Böhlen-Lippendorf. Aber auch ans andere Ende des Kreises – nach Kuckeland – verschlug es die Elstertrebnitzer bereits. Dass die Messwagen nicht gleichmäßig über den Kreis verteilt sind, sieht Graichen dabei nicht als Hindernis an: „Sie rücken ja nicht aus, um Feuer zu löschen. Als erstes ist immer die örtliche Feuerwehr zur Stelle, die dann von der Spezialeinheit unterstützt wird.“

Von Simone Prenzel

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