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Wurzen Fitness im Landkreis: „Die klassische Mucki-Bude ist passé“
Region Wurzen Fitness im Landkreis: „Die klassische Mucki-Bude ist passé“
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00:21 23.10.2017
Ron Haferkorn (37), Studioleiter des „MFC Top Fit“ bei Grimma unterweist Sportlerin Diana (27) an der Bankdrückmaschine. Quelle: Christian Neffe
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Landkreis Leipzig

Die Fitnessbranche boomt. Vor allem im Internet, wo diverse Programme unter prominenter Schirmherrschaft schnelle Erfolge prophezeien. Eine professionelle Betreuung hingegen bekommt man nur im guten alten Fitnessstudio – den großen Studio-Ketten attestierte die Stiftung Warentest Anfang September jedoch eine unzureichende Betreuungsqualität. Die Studios profitieren dennoch vom Trend. Der Grund: „Wir leben in einer bewegungsarmen Zeit“, meint zumindest Thomas Reißinger (52), Leiter des Bornaer Fitnessstudios „Fit und Fair“. Büroarbeit, Schule, Fernseher, Computer: Die moderne Welt verlocke oder verdamme viele zur Passivität, stundenlanges Sitzen belastet den Rücken, Übergewicht ist zur Volkskrankheit geworden.

Da die großen Ketten in Ballungszentren wie Leipzig mit Kampfpreisen um möglichst viele Kunden buhlen, können und müssen sich die Studios in kleineren Ortschaft anders profilieren: durch Qualität, eine individuelle Betreuung und eine familiäre Studioatmosphäre, so Reißinger. Das Studio müsse eine Insel sein – was bereits am Tresen beginnt: In Borna wie auch bei „MFC Top Fit“ nahe Grimma muss man seinen Spindschlüssel noch ganz traditionell an der Theke abholen und wird mit einem freundlichen Spruch begrüßt. Man kennt sich eben. Persönlicher Kontakt statt Massenabfertigung.

Ergänzt wird das Portfolio vielerorts durch Entspannungs- und Wellnessangebote. In Borna wird mit einer Salzgrotte geworben, durch regelmäßige Aktionen wie Radtouren und Parties wird die Kundschaft bei Laune und im Studio gehalten. Das „MFC Top Fit“ hat sich das Thema Gesundheit sogar ganz groß die Fahnen geschrieben: Studioleiter Ron Haferkorn (37) arbeitet mit Orthopäden und Kardiologen zusammen und lockt mit einem „Rückentempel“, der einzig für Dehnübungen bei Gelenk-, Rücken- und Kopfschmerzen bei entspannender Musik ausgelegt ist. „Unsere Mitglieder sollen ein gesundes, ausbalanciertes Leben führen“, so sein Credo. Auch Thomas Reißinger ist überzeugt: „Die klassische Mucki-Bude ist passé.“ Zumindest scheint sie zur Ausnahmeerscheinung geworden zu sein.

Was wohl auch ein Grund dafür ist, dass die Kundschaft der Studios in den vergangenen Jahren immer vielfältiger wurde. Sämtliche Altersschichten sind vertreten: Von Schülern über Berufstätige bis hin zu Senioren. Im „Fit und Fair“ machen besonders letztere die Stammkundschaft aus, die älteste Sportlerin hier ist stolze 83 Jahre alt und topfit. „Die Senioren nutzen vor allem unser Kursangebot, weil ihnen nicht nur der sportliche, sondern auch der soziale Aspekt wichtig ist“, erklärt Reißinger. Auf der anderen Seite des Spektrums: Schüler. Das Bornaer Studio arbeitet mit Schulen zusammen, damit der Nachwuchs Alternativen zu den Schulsport-Klassikern Fußball und Handball kennenlernt. Dazwischen tummeln sich jene, die sich nach Feierabend entspannen oder auspowern wollen – und natürlich auch die klassischen Pumper.

Alexandra Arbeit (31, Trainerin) und Thomas Reißinger (52) Leiter des Fitnessstudios Fit und Fair in Borna. Quelle: Christian Neffe

Wie jede Branche ist auch der Fitnessbereich geprägt von Trends. Einer davon: die Elektro-Myo-Stimulation (EMS). Dabei soll die Muskulatur mithilfe von Stromstößen stimuliert werden, was zu schnellen und effektiven Ergebnissen führen soll. „Ein 20-minütiges Training pro Woche ersetzt rund sechs Stunden Hanteltraining“, erklärt Toni Hempel (28), Leiter von zwei „BodyLounge“-Studios. Während jenes in Wurzen auch auf klassische Angebote – Hanteln, Kurse, Wellness – setzt, ist das Grimmaer Studio einzig auf EMS spezialisiert. Die Methode kommt aus der Physiotherapie und wird im Fitnessbereich gegen Rückenbeschwerden sowie für Muskelauf- und Fettabbau genutzt. Gänzlich unumstritten ist sie allerdings nicht: Für Schwangere und Herzkranke ist EMS ohnehin tabu, doch auch bei fitten Menschen kann es bei falscher Anwendung zur Überbelastung des Körpers kommen. Wichtig ist daher ein entsprechend geschultes Personal sowie eine nachträgliche ärztliche Kontrolle nach den ersten Trainingseinheiten. Die Krankenkassen bieten dafür, wie auch für Angebote in anderen Studios, finanzielle Zuschüsse an.

Man müsse zwar modern bleiben, nicht aber auf jeder Welle mitschwimmen, meinen sowohl Thomas Reißinger als auch Ron Haferkorn. Bereits aus finanziellen Gründen. Woran aber kein Weg vorbeiführt, das ist die Digitalisierung. Trainingspläne via Smartphone-App kämen bei Jung und Alt gleichermaßen an, Fitnessuhren geben Auskunft über die körperliche Verfassung, Studios und Geräte werden immer vernetzter und die Übungen damit immer effizienter – Stichwort: Zirkeltraining. In einigen Belangen aber setzen die Betreiber noch immer auf Bewährtes: Wenn ein Mitglied länger nicht im Studio war, dann werde ganz altmodisch zum Telefon gegriffen und durchgeklingelt. Denn an einer Sportler-Weisheit hat sich nach wie vor nichts geändert: Erfolg hat nur, wer dran bleibt.

Von Christian Neffe

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