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Flüchtlinge wollen nach Überfall weg aus Wurzen

OB entschuldigt sich Flüchtlinge wollen nach Überfall weg aus Wurzen

Erstmals redet eines der vier Opfer des Überfalls auf eine Flüchtlingswohnung in der Kleiststraße am 13. und 14. Januar über seine Ängste. Der 24-jährige Binyan E.* (*Name von der Redaktion geändert) aus Eritrea fürchtet mehr denn je um sein Leben und will jetzt weg aus Wurzen.

Die Kleiststraße in Wurzen: Nach dem Zwischenfall am 13./14. Januar fürchten die Flüchtlinge aus Eritrea um ihr Leben. Die Ermittlungen hat das Operative Abwehrzentrum übernommen.
 

Quelle: Kai-Uwe Brandt

Wurzen.  Für Binyan E. (Name von der Redaktion geändert) steht die Entscheidung nach den jüngsten Vorfällen vom 13./14. Januar in der Kleiststraße fest: Er will weg aus Wurzen – „nach Leipzig“. Der 24-jährige Flüchtling aus Eritrea, der seit August 2015 in der Muldestadt lebt und eine Aufenthaltsgenehmigung besitzt, ist eines von vier Opfern, die Fremdenhass hautnah erleben mussten und jetzt sogar um ihr Leben fürchten.

Wie berichtet, drangen in der Nacht von Freitag zu Sonnabend zwei Männer in den Hausflur der Kleiststraße ein, klingelten Sturm, grölten Parolen und traten mit den Füßen gegen die Tür der Parterrewohnung, in der Binyan mit drei Landsleuten untergebracht ist. „Ich redete mit ihnen und gab viele Antworten auf ihre Fragen.“ Vergebens. Schließlich rief der zierliche junge Mann die Polizei aus Angst vor körperlicher Gewalt. Die Beamten nahmen noch vor Ort die Personalien auf und verwiesen das Duo aus dem Gebäude. Kurz darauf, am Sonntagmorgen gegen drei Uhr, riss das Bersten einer Fensterscheibe Binyan und seine Mitbewohner aus dem Schlaf. Sie brachten sich sofort in Sicherheit.

Unbekannte hatten mit einem Verkehrsschild das Glas zertrümmert und hernach einen Böller ins Zimmer geworfen, der auf dem Bett landete und ein Kissen in Brand setzte. Es dauerte diesmal aber fast eine Stunde bis die Polizei eintraf, obwohl Binyan nur eine Minute nach dem Anschlag den Notruf wählte. Danach telefonierte er mit Freunden, die Minuten später an den Tatort eilten und gegen halb Vier noch einmal die Polizei informierten. „Die Kripo wurde verständigt und Spuren gesichert“, erinnerte sich ein Augenzeuge, den der Eritreer um Hilfe bat. Mittlerweile hat sich Oberbürgermeister Jörg Röglin (parteilos) persönlich bei den Betroffenen entschuldigt.

„Die vier jungen Asylbewerber sind geschockt und traumatisiert. Und ich als Oberbürgermeister dieser Stadt und mit mir die Mehrzahl der Wurzener Einwohner schämen sich und sind zugleich wütend. Solche Taten verurteile ich aufs Schärfste“, sagte das 46-jährige Stadtoberhaupt. Außerdem versicherte Röglin, dass solche Straftaten nicht geduldet werden und Gewalt nicht die Sprache ist, die wir hier verstehen. „Ich setze mich deshalb persönlich dafür ein, dass dieser Angriff auf Leib und Leben aufgeklärt und mit aller Härte der gesetzlichen Möglichkeiten geahndet wird.“ Ob seine Worte an Binyans Entscheidung, Wurzen zu verlassen, etwas ändert, scheint ungewiss.

„Wir waren sehr geduldig. Eigentlich dachte ich immer, am nächsten Tag wird’s besser“, erzählt der 24-jährige Christ, der stolz ein Kreuz als Symbol seines Glaubens trägt. Doch sei zu viel passiert „in dem demokratischen Land der Dichter und Denker“ und eben in der Stadt, die ihn aufnahm. Von Beginn an, erzählt Binyan, „gab es Probleme – auf der Straße, im Supermarkt“. Woran das liegt, könne er nur vermuten. „Vielleicht an unserer Hautfarbe.“ Jedenfalls sei er unter anderem immer wieder auf dem Nachhauseweg vom Beruflichen Schulzentrum in der Straße des Friedens von jungen Männern angepöbelt worden, so dass deutsche Freunde ihn begleiten mussten. Einmal drängte ihn und seine Kameraden abends ein Auto in der engen Jacobsgasse regelrecht an die Hauswand. Von den Insassen hagelte es dann eine Litanei an Beleidigungen. Bei alledem, sagt Binyan, der in Grimma einen Integrationskurs besucht, sehr gut Deutsch spricht und gern Veterinärmedizin studieren möchte, habe er auch viel Unterstützung von „lieben Menschen“ erfahren. Doch nach dem Zwischenfall am Wochenende überwiegt bei ihm die Angst.

Von Kai-Uwe Brandt

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