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Flugmotor aus Wurzen gelangt auf Umwegen in Berliner Militärmuseum

Abenteuerliche Reise Flugmotor aus Wurzen gelangt auf Umwegen in Berliner Militärmuseum

Erst sorgte der Fund eines alten Flugzeugmotors auf einer verwilderten Parzelle der Kleingartensparte Sonnenblick in Wurzen für Aufsehen und jetzt dessen fragwürdige Bergung, die wohl illegal war. Ein Berliner Militärmuseum holte sich nun das Fundstück aus dem Zweiten Weltkrieg von einer Privatperson zurück.

Beweisfoto: Mit der Handykamera konnte ein Augenzeuge die private Bergungsaktion in den Morgenstunden des 21. Mai dieses Jahres dokumentieren.

Quelle: Privat

Wurzen. Das Ereignis, welches sogar ein Kamerateam des Mitteldeutschen Rundfunks an die Mulde lockte, liegt nun schon gut zweieinhalb Jahre zurück. Damals, im März 2013, entdeckten die Laubenpieper bei Aufräumarbeiten das Wrackteil aus dem Zweiten Weltkrieg, versuchten per Spaten und Trennschleifer den aus dem Erdreich ragenden Propeller zu entfernen.

Vereinsmitglied Jürgen Ullmann stoppte das Unterfangen und erklärte sich bereit, den Kontakt zum Militärhistorischen Museum in Dresden herzustellen. Im Mai reiste schließlich eine Expertengruppe an – vom Militärhistorischen Museum Flugplatz Berlin-Gatow – und begutachtete das Fundstück. Seither ist es um den Fall still geworden. Zumindest nach außen hin, weiß Ullmann. Heute lagert der stark korridierte Motor vom Typ Daimler Benz 605 D, der vor allem das Jagdflugzeug Messerschmitt Bf 109 antrieb, in Berlin-Gatow. Dorthin, so der pensionierte Lehrer, kam er jedoch auf eher fragwürdigen Wegen. So informierte Sonnenblick-Vereinschef Frank Lichtenberger, der zugleich Präsident des Regionalverbandes der Kleingärtner im Muldental ist und mittlerweile als Pächter den einst leer stehenden Fundgarten bewirtschaftet, „ganz beiläufig zur Hauptversammlung am 7. Februar dieses Jahres“, dass der Motor bald gehoben werde.

„Seltsamerweise machte sich dann im Mai ein Zivilist im Garten mit Ausgrabungen bemerkbar, wo im wahrsten Sinne des Wortes bereits Gras über die Sache gewachsen war – diesmal ohne Reporter, TV-Leute, Vertreter der Stadt, die ja Eigentümer des Grund und Bodens ist, oder interessierte Einwohner“, berichtet Ullmann. Eine Nachfrage beim Militärhistorischen Museum ergab, dass die Einrichtung keinerlei Personen damit beauftragt hatte und auch selbst niemanden vor Ort entsandte. Tatsächlich fuhr am 21. Mai gegen 9.30 Uhr ein Laster mit Kranausleger vor und hievte den Zwölfzylinder auf die Ladefläche, um auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Nach gerade einmal dreißig Minuten sei der „heimliche und illegale Coup“ vorbei gewesen.

Ullmann spricht sogar von Täuschung durch den Vereinschef. Denn wie seine Recherchen ergaben, wurde die „heimliche Bergung schon im September 2014 vorbereitet“ und ließe sich sogar dokumentieren. In Zusammenarbeit mit dem Museum in Berlin gelang es ihm außerdem, den Standort des geborgenen Motors zu ermitteln, sodass eine Prüfung durch einen Sachverständigen beim Privatmann erfolgte. „Mit einem Bundeswehrfahrzeug konnte der Motor danach vom Lagerort im Norden Leipzigs nach Berlin-Gatow gebracht werden.“

Aussagen des Museums zufolge hätten für die Bergung gleich drei Zustimmungen vorliegen müssen, welche jedoch fehlten: die des Grundeigentümers, der Stadt Wurzen, die des Museums mit dem Kampfmittelräumdienst sowie die der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. „Alle deutschen Waffen aus Kriegszeiten waren Reichseigentum, und somit ist die Bundesrepublik der Rechtsnachfolger solcher Funde. Was mit derlei Objekten geschieht, entscheidet übrigens nicht das Museum, sondern die Bundesanstalt im Auftrag des Bundesfinanzministeriums.“ Zur Auskunft erhielt Ullmann ferner: „Haben Dritte ein wie auch immer geartetes Interesse an der Bergung, dann müssen sie die Kosten für die Bergung tragen und die geborgenen Objekte an den Bund übergaben.“ Dies bedeutet, schlussfolgert Ullmann und schließt damit das Kapitel Flugmotor ein für alle Mal, „dass allein Frank Lichtenberger die Kosten der Bergung zu begleichen hat und nicht der Verein“.

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