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Wurzen Flugplatz Waldpolenz wird entsiegelt
Region Wurzen Flugplatz Waldpolenz wird entsiegelt
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00:17 14.08.2018
Noch immer harren alte Gebäude auf dem ehemaligen Flugplatz des Abrisses. Quelle: Ines Alekowa
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Brandis/Waldpolenz

Der ehemalige Flugplatz Waldpolenz liegt nicht gerade unmittelbar im Blickfeld der Brandiser, schon deshalb, weil er teilweise eingezäunt ist. Trotzdem lohnt es sich, ab und zu hinzuschauen, denn auf dem etwa 360 Hektar großen Areal, von dem das Solarkraftwerk circa 110 Hektar einnimmt und das Biomassekraftwerk rund fünf Hektar, gibt es Veränderungen, wenn auch in kleinen Schritten. Im Juli hat die Großpösnaer Firma Caruso Umweltservice hier wiederholt Abbrucharbeiten vorgenommen – eine Bilanz mit Bürgermeister Arno Jesse (SPD) und ein Ausblick auf weitere Vorhaben.

Nach welchen Kriterien werden abzureißende Objekte ausgewählt?

Grundsätzlich steht das Gebiet des alten Flugplatzes für mehrere Kompensationsvorhaben zur Verfügung. Insbesondere werden dort die Flächen für Leipziger Bebauungspläne zugeordnet, allen voran die Vorhaben des Güterverkehrszentrums (GVZ) Leipzig sowie Porsche. So kam es im Zuge des B-Planes Nr. 383 „Industriegebiet östlich der Radefelder Allee“ (Porsche) zum Abriss von zehn Gebäuden und zur Entsiegelung angrenzender Flächen sowie zur Aufforstung von sieben Hektar. Im Zuge vom B-Plan 245 „GVZ Süd III“ wurden neun Gebäude und angrenzende Flächen rückgebaut sowie 3,5 Hektar aufgeforstet beziehungsweise begrünt. Ganz aktuell arbeiten wir gemeinsam mit der Stadt Leipzig an einer städtebaulichen Vereinbarung zur Kompensation im Zuge des B-Planes 236 „Radefelder Allee Südost“ (Porsche), dessen Umsetzungen wahrscheinlich 2019 kommen. Dabei geht es um Abriss von vier Gebäuden und angrenzenden Flächen sowie Aufforstung von insgesamt circa zwei Hektar. Die Kosten trägt natürlich der Vorhabensträger. Die Vergabe der Arbeiten erfolgt über Ausschreibungen.

Es gibt also keinen Masterplan?

Nein, wir bieten sukzessive Flächen an, daher vermeintlich schrittweise. Dabei kommt uns das Interkommunale Kompensationsflächenmanagement des Grünen Ringes sehr zu Gute.  

Selbstverständlich waren auch wir selbst schon in Eigenverantwortung aktiv: 2014 wurden drei WBS 70 (Wohnungsbauserie 70, ein in der DDR verwendeter Wohnhaustyp in Plattenbauweise –Anm. d. Red.) sowie ein historisches Gebäude abgerissen. Insgesamt konnten wir inzwischen circa 40 Prozent der Flächen entsiegeln und circa sechs Hektar neu aufforsten. Dafür haben wir im Übrigen 2015 den Sächsischen Waldpreis bekommen.

Wie umfangreich waren die jüngsten Arbeiten?

Ganz aktuell sind die Aktivitäten der DFMG Deutsche Funkturm GmbH. Diese muss Ausgleichsmaßnahmen für die Errichtung eines Funkturms in Machern und eines in Wurzen erbringen und hat der Stadt Brandis Flächenentsiegelungen angeboten. Wir haben darüber zwei Verträge abgeschlossen. Der Umfang der Maßnahmen orientiert sich an der Größe des Bauvorhabens. Der erste Vertrag beinhaltet Rückbau und Entsorgung von 150 Quadratmeter Asphalt- und 90 Quadratmeter Betonfläche, eines Schornsteinfundamentes, von Straßenlaternen und eines Beton L-Elementes – die jüngsten Arbeiten haben diese Leistungen erfüllt. Der zweite Vertrag umfasst Rückbau und Entsorgung einer Betonfläche von 300 m². Es handelte sich quasi um eine Nachlese. Bei den vorangegangenen Abrissen blieben diese Flächen unbeachtet.

Das heißt, diesmal ging es nicht um Gebäude. Welche Objekte mussten der Abrissbirne in den vergangenen Jahren denn bereits weichen?

Mehrere Mannschaftsunterkünfte, zwei Offiziershäuser, die Kommandantenvilla, drei Wohnblocks, das Mannschaftskasino, das Offizierskasino, eine Sporthalle, das Wasserwerk, eine Fahrzeughalle und mehrere Gebäude in der Nähe des Flugfeldes. Außerdem wurden vor längerer Zeit bereits mehrere Leichtbaubaracken und ähnliche Gebäude abgerissen.

Fledermausbestände haben bei früheren Arbeiten das Zeitfenster bestimmt. War das auch diesmal so?

Die derzeitigen Maßnahmen sind so kleinflächig, dass die Naturschutzbehörde von derartigen Auflagen abgesehen hat. Bei größeren Abrissen wird das allerdings wieder zum Thema werden.

Ein Blick zurück in den Januar: Sturm Friederike hatte auch in Waldpolenz gewütet. Sind diese Schäden schon beseitigt?

Der Sturm hat auch unseren Wald nicht verschont. Wir müssen den Windbruch zu gegebener Zeit noch bergen. Allerdings ist auf Grund des angefallenen Holzes in Folge des Sturms der Holzpreis am Markt eingebrochen, so dass es derzeit schwierig ist, das Holz abzusetzen. In diesem Fall ist es besser das Holz am Stock zu belassen. Wenn geerntetes Holz lange auf Polter liegt und dem Wetter ausgesetzt ist, würde es blau anlaufen und in eine niedrigere Preisklasse rutschen.

Besteht die Absicht, von Betonflächen und Ruinen beräumtes Areal irgendwann öffentlich zugänglich zu machen? Im Moment ist es ja noch eingezäunt.

Für die Waldfläche existiert derzeit eine behördliche Waldsperrung durch die Forstbehörde, weil die Verkehrssicherheit auf dem Gelände nicht gewährleistet ist. Für den Fall dass alle Baulichkeiten auf der Waldfläche zurückgebaut sind, hat der Stadtrat schon vor längerer Zeit die Nutzung der Fläche als Wald beschlossen. Dann kann auch die Einfriedung zurückgebaut werden.

Von Ines Alekowa

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