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Wurzen „Foodsharing“: Kanthaus-Bewohner retten Lebensmittel
Region Wurzen „Foodsharing“: Kanthaus-Bewohner retten Lebensmittel
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00:19 02.02.2018
Ein Tisch voller Lebensmittel, die normalerweise im Müll gelandet wären. Die Bewohner des „Kanthaus“, unter anderem Janina Abels (links), Matthias Larisch (Mitte) und Björn Wulf (hinten rechts) wollen ihre Philosophie nach Wurzen bringen. Quelle: Foto:
Wurzen

„Ungefähr 1,4 Millionen Kilogramm Lebensmittel werden allein in Wurzen jedes Jahr weggeschmissen – obwohl sie noch genießbar wären“, hat Janina Abels grob mal durchgerechnet. Sie gehört zu einer Gruppe junger Leute, die ihre Lebensphilosophie den Menschen in Wurzen näher bringen wollen. Seit Sommer vergangenen Jahres ist der Verein „Wandel würzen“ Eigentümer der beiden Häuser in der Kantstraße 20 und 22. Und dort wollen Janina Abels und ihre Mitstreiter nun die Türen öffnen. Für all diejenigen, die neugierig sind, sich für eine bewusste Lebensweise interessieren und gegen die Verschwendung von Lebensmitteln vorgehen wollen.

Seit Sommer beleben sie die Häuser. Jeder kann kommen und gehen, wann er möchte. Das Haus ist ein offenes. „Das Wichtigste ist, dass es Menschen mit Ideen sind, die zu uns kommen“, erklärt Janina Abels. Ein paar Monate brauchten sie, um anzukommen, sich wohnlich einzurichten. Jetzt wollen sie endlich loslegen. Und das tun sie auch – mit einem Aktionsmonat. „Uns geht es jetzt darum, präsent zu werden. Wir wollen uns den Wurzenern vorstellen. Unsere Türen öffnen“, betont Björn Wulf, der selbst seit Ende letzten Jahres im Haus wohnt. Ursprünglich wollte er nur eine Woche in Wurzen sein, doch es gefiel ihm, also blieb er. Der Februar steht unter dem Motto „Foodsharing-Februar“. Vom 1. bis 24. Februar sollen die Aktionstage laufen. Geplant sind unter anderem sogenannte Foodsharing-Treffen in der Kantstraße. Was erwartet die Besucher dort? „Wir wollen ein Netzwerk aufbauen, um Lebensmittel in Wurzen zu retten. Dafür braucht es Ideen“, erklärt Matthias Larisch. Er und seine Mitstreiter wollen Hilfestellung geben und zeigen, wie genau das funktionieren könnte. Erklärtes Ziel ist, in Wurzen einen sogenannten „Fairteiler“ aufzubauen. Also einen Umschlagplatz, wo gerettete Lebensmittel gesammelt und verteilt werden können. In Großstädten wie Leipzig gibt es so etwas schon. Teil dieser Idee ist es auch, einen Freeshop zu eröffnen. „Dort werden die geretteten Lebensmittel verschenkt, jeder kann vorbei kommen.“

Der Aktionsmonat soll vor allem dazu dienen, Hemmschwellen abzubauen und Kontakte zu knüpfen. „Wir werden auf den Straßen präsent sein, an Knotenpunkten stehen und Lebensmittel verteilen“, sagt Björn Wulf. Auch von Tür zu Tür wollen er und seine Mitstreiter gehen. „Wir wollen mit den Menschen in Kontakt treten.“

Dafür hat ab sofort jeden Dienstag, ab 17 Uhr, der Reparier- und Techniktreff geöffnet. Eine Herzensangelegenheit für Matthias Larisch, der selbst gern handwerklich tätig wird. „Es soll ein Treffpunkt für Leute werden, die gern reparieren, etwas zu reparieren haben oder Hilfestellung leisten können. Verbunden mit guten Gesprächen und neuen Kontakten“, sagt er.

Ein Highlight des Aktionsmonats ist der Foodsharing-Mitbring-Brunch am 11. Februar. Jeder bringt mit, was er noch zuhause hat. Ob die angerissene Milchpackung oder der zur Hälfte schon verspeiste Käse. „Es geht darum, Lebensmittel aufzubrauchen. Niemand soll extra etwas für diesen Brunch kaufen“, betont Janina Abels. Die Chance, sich untereinander kennen zu lernen. Den Abschluss bildet am 24. Februar die „Küche für Alle“, bei der gemeinsam gekocht wird. Mit – logisch – Restern und all dem, was man noch zu Hause hat. Auch die ersten geretteten Lebensmittel könnten dort schon dabei sein. Denn auch das steht auf der Agenda der Lebensmittel-Retter: Bei Bäckern, Supermärkten und kleineren Geschäften anfragen und Verbindungen herstellen. „Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Ladenbesitzer froh sind, wenn es jemanden gibt, der die sonst im Müll landenden Lebensmittel abholt und weiter nutzt“, weiß Janina Abels. Genau dort wollen sie ansetzen.

Von Stephanie Helm

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