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Frau Wolle von Wurzen spinnt und färbt ein naturbelassenes Garn

Handwerk Frau Wolle von Wurzen spinnt und färbt ein naturbelassenes Garn

Corina Domaschke ist die Frau Wolle von Wurzen. Seit 2009 hat die gelernte Agrotechnikerin selbst gesponnene und selbst gefärbte Naturfasern im Angebot. Private Schafhalter aus der Region versorgen die Frau am Spinnrad mit Nachschub.

Corina Domaschke betreibt in Wurzen eine Kreativ-Werkstatt.

Quelle: Haig Latchinian

Wurzen. Waltraud Förster ist noch heute stolz auf ihr Trachtenkleid, das sie in Kinderjahren aus Fahnenstoff genäht und mit Mustern bestickt hatte: „Ja, ja, wir konnten mit Nadel und Faden umgehen! Unser Knopf hat noch gehalten!“ Kein Wunder: Ihre Mutter war Handarbeitslehrerin und schaute Klein-Waltraud in der Schule genau über die Schulter. Und wehe, sie hatte den Fingerhut vergessen: „Dann musste ich das 50-mal aufschreiben.“ Waltraud Förster ist Stammkundin in Corina Domaschkes Wurzener Kreativwerkstatt. Ob Stricken, Spinnen oder Filzen – in der Wenceslaigasse wird sie garantiert fündig.

Corina Domaschke ist die Frau Wolle von Wurzen. Auch wenn die Beine der Ladenbetreiberin nicht mehr recht wollen, sind ihre Finger doch um so flotter. Seit 2009 hat die gelernte Agrotechnikerin selbst gesponnene und selbst gefärbte Naturfasern im Angebot. Private Schafhalter aus der Region, darunter auch Waltraud Försters Schwiegertochter, versorgen die Frau am Spinnrad mit Nachschub an reiner Schurwolle, die sie sortiert, wäscht, färbt, kämmt und vor den Augen der Passanten verspinnt. Das Garn ist rustikaler, frei von Chemie und löst keine allergischen Reaktionen aus: „Die Wolle der Schafe aus Liebhaberhaltung ist weicher. Es ist wie bei uns Menschen. Je wohler wir uns fühlen, desto weniger struppig das Haar“, sagt Domaschke.

Was tut Frau Wolle nicht alles, um Fasern und Fäden möglichst schonend zu tönen: Als die Birke im Dom nach den Festlichkeiten ausgedient hatte, nutzte die 55-jährige Wurzenerin deren Blätter, um die Wolle olivgrün zu färben. Überhaupt halte Mutter Natur für das Garn gleich eine ganze Palette an Farbnuancen bereit: Holunder sorgt für Grautöne. Efeu, Brennnessel und Schilfgras ergeben Grün, Gelb, Braun und Beige. Rotkraut mit Mango bringt Eisblau. Rote Beete sind für sattes Rosa gut. Und dann verfügt Frau Wolle auch noch über personifizierte natürliche Verbündete: Freundin Gabi Kläring liefert Walnussschalen (beige-braun), außerdem hängt Matthias Schkuhr, Nachbar und Macher der Gaststätte „First Diner“, regelmäßig Beutel mit Zwiebelschalen an die Ladentür. „Ich hatte schon Zwiebelschalen, die fast ein Orange zauberten“, schwärmt die Wollfrau. Nur bei Pink, leuchtendem Rot sowie Königsblau muss sie die Hände heben und Fabrikfarben zukaufen: „Da sind die Muldenwiesen machtlos.“

Wolle allein – das reiche nicht, sagt sie. Deshalb hat Corina Domaschke zusätzlich industriell, aber auch selbst gefertigte Schals, Mützen & Co. in den Regalen: „Man muss doch zeigen, was man aus Seide und Wolle, aber auch Hanf und sogar Hundehaaren machen kann.“

Margot Kowalschuk weiß um die Vorteile guter Wolle. Sie war wie viele Wurzenerinnen eine Meisterin darin, aus wenig viel zu machen: „Der Junge in gestrickten kurzen Hosen, die Tochter im gehäkelten Kleid – meine Kinder waren ausschließlich in selbst gemachten Sachen unterwegs.“ Nach einer Hand-OP ist die 80-Jährige nun gehandicapt, kauft für ihre dritte Urenkelin ein paar Söckchen. Natürlich bei Frau Wolle, steht für Margot fest: „Sie hatte mal einen Klöppelkurs organisiert und ist noch heute für mich eine vorzügliche Beraterin.“

Von Haig Latchinian

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