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Frieda Sternberg ist tot

Frieda Sternberg ist tot

 

Deuben. Mehr als ihr Name wird bleiben. Werte sind es, die sie nicht nur ihren Kindern und Enkeln vermittelt hat, die alle, die sie kannten mit Frieda Sternberg verbinden.

Ehrlichkeit, sich für andere einsetzen, Rückgrat zeigen, sich nicht entgegen eigener Überzeugung verbiegen lassen – das machte Frieda Sternberg als Mensch der Öffentlichkeit und ganz privat aus. Frieda Sternberg? Das war doch die sozialistische Vorzeigebäuerin aus Bennewitz. Die mit Beziehungen bis ganz nach oben, bis nach Berlin? Die, die mit im Zentralkommitee saß. Die Rote. Stimmt. Die Bennewitzer LPG „Ernst Thälmann“ gehörte zu den ersten, die in der DDR gegründet wurden, und Frieda Sternberg leitete als erste Frau in der Republik ein solches Landwirtschaftsunternehmen. Stimmt. Frieda Sternberg kannte die Führungsriege der DDR und bekannte Persönlichkeiten nicht nur aus den Medien. Sie stand zum Beispiel bereits 1968 mit Anna Seghers im Rampenlicht, als beider Leistungen mit dem Karl-Marx-Orden geehrt wurden. Helmut Sakowski setzte ihr in „Wege übers Land“ und „Daniel Druskat“ ein literarisches Denkmal. Stimmt. Von 1954 bis 1958 und 1963 bis 1989 war Frieda Sternberg Kandidat des ZK der SED. Aber: Eine von „oben“ war Frieda Sternberg jedoch nie. „Sie war immer Mensch, in allem, was sie tat“, sagt Gerhard Sternberg, eines ihrer vier Kinder. Er gewährt einige Einblicke in das private Leben der Deubenerin. In Ostpreußen, in der Nähe von Trakhenen, wurde sie 1920 geboren. Eine kleine Landwirtschaft ernährte die Familie. Der Vater arbeitet als Zimmermann in den Kohleschächten des Ruhrpotts, kam nur in Abständen nach Hause. Dieser Fakt ist nicht unerheblich für die weitere, vor allem politische Entwicklung Frieda Sternbergs. Denn der Vater knüpfte im Ruhrgebiet erste Kontakte mit der kommunistischen Arbeiterklasse. Deren Ideen brachte er mit, ins ländliche Ostpreußen. Dort war er für die kommunistische Partei aktiv und vermittelte Werte, die auch Tochter Frieda nie in Frage stellen sollte. Gerechtigkeit war es insbesondere, für die sie sich lebenslang einsetzte. Macht und Status waren ihr fremd. Gerhard Sternberg erzählt von Canitz.

Dort landete die Familie, nachdem sie rund 5000 Kilometer Flucht hinter sich hatte. Im Ratsgut fand Frieda Sternberg Arbeit. Es machte sie wütend, dass nur Flüchtlinge, die in der Stadt lebten, mit Lebensmittelkarten versorgt wurden. Dabei hungerten auch Vertriebene auf dem Land. Frieda Sternberg setzte sich ein. Beharrlichkeit und Verantwortung machten sie seit der Jugend aus. „Ihre Mutter starb, da war sie gerade 19“, erklärt der Sohn. Frieda Sternberg habe nie anders gekonnt, als sich zu engagieren. Aufgaben gab es reichlich. Beruflich fanden die sich ab 1952 in Bennewitz. Der Schönemannsche Landwirtschaftsbetrieb brauchte eine neue Leitung. Frieda Sternberg traute sich, baute Landwirtschaft neu auf und krempelte den bäuerlichen Alltag beispielgebend für das ganze Land um.

Es war ihr wichtig, dass auch Bauern nicht unter dem Sieben-Tage-Arbeitsdruck standen. In der Neugestaltung landwirtschaftlicher Produktionsprozesse, im Angleich an die Arbeitsbedingungen der Industrie sah sie Lösungen. Die Nähe zur Natur oder zum Tier mussten nicht verloren gehen, wenn auch Bauern ein gesichertes Einkommen, einen Acht-Stunden-Tag und regelmäßig Urlaub hatten. Theorien stand die Sternberg skeptisch gegenüber. Sie traute sich zu diskutieren, ganz gleich an welcher Stelle. Für sie mussten Erkenntnisse praktisch funktionieren. Vielleicht waren ihre Erwartungen an die neue Gesellschaft auch daher eher gering. Sie analysierte unideologisch und nüchtern. Und da sie sich stets der Sache verpflichtet sah, ward sie auch nach 1989 nie ihres Ansehens beraubt. Trotz des beruflichen und gesellschaftlichen Engagements sei sie als Mutter immer nah gewesen, betont der Sohn. War sie selbst nicht vor Ort, wurde so organisiert, dass es flutschte. Nachdem sie 1987 aus dem Berufsleben ausschied, blieb mehr Zeit für daheim. „Ich möchte nicht wissen, wie viele Leute gestrickte Socken von ihr haben. Und freitags gab’s Kartoffelpuffer. Immer, nicht nur für die Familie. Wer kam, wurde versorgt. So war sie eben. Nie nur für sich, immer auch für andere.“  

Conny Hanspach

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