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Wurzen Gastronom beklagt Informationsmangel zur Antifa-Demo in Wurzen
Region Wurzen Gastronom beklagt Informationsmangel zur Antifa-Demo in Wurzen
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00:19 28.08.2017
Eigentlich sollte am 2. September im Restaurant St. Wenzel/First Diner eine Geburtstagsfeier stattfinden. Doch der Jubilar sagte jetzt seinen Gästen ab – aus Angst vor Ausschreitungen. Quelle: Kai-Uwe Brandt
Wurzen

Wir richten uns danach, was der Buschfunk sagt und benutzen unseren gesunden Menschenverstand – den haben wir zum Glück noch nicht verloren.“ Mathias Schkuhr fühlt sich allein gelassen, wie viele andere auch. Denn aus seiner Sicht fließen die Informationen der Stadtverwaltung zur antifaschistischen Kundgebung des Bündnisses „Irgendwo in Deutschland“ am 2. September in Wurzen äußerst spärlich bis gar nicht.

„Ich habe darüber nur durch Zufall erfahren“, erinnert sich der Inhaber des Restaurants St. Wenzel/First Diner noch gut. Besucher des Freisitzes an der Postmeilensäule erzählten dem 58-Jährigen von der bevorstehenden Demonstration. Sie lasen darüber im Internet. Tags darauf rief er sofort das Ordnungsamt an. Doch die „zwar freundliche Mitarbeiterin“ blieb wortkarg – „vielleicht, weil sie selbst nichts Genaues wusste“. Jedenfalls hatte Schkuhr allen Grund zur Besorgnis, da am 2. September bei ihm eine Geburtstagsfeier stattfinden sollte. Der Gastgeber der 25-köpfigen Gesellschaft sagte zwischenzeitlich ab, obwohl er bei seinem Besuch im Stadthaus zur Antwort bekam, er könne getrost und ohne Angst die Familie einladen.

Doch gerade Ängste treiben Schkuhrs Nachbarn um. „Ich weiß von einigen Geschäftsleuten, dass sie ernsthaft nachdenken, am 2. September das Schaufenster zu vernageln oder schon dabei sind, Warenbestände aus dem Laden umzulagern.“ Die Reaktionen verwundern den Gastronomen keineswegs. „Wir alle haben noch sehr genau die Bilder des G 20-Gipfels in Hamburg vor Augen – geplünderte Supermärkte, brennende Barrikaden und Autos.“ Schon deswegen mahnt Schkuhr eine offensive Informationspolitik der Stadt für ihre Bürger an – mit Hinweisen zur Sicherheitslage oder der Route. Da bis dato die Nachrichtenlage dünn sei, beziehen er und andere die Fakten aus digitalen Quellen. So musste der Geschäftsmann zum Beispiel erfahren, dass es auf einschlägigen Seiten sogar Spendenaufrufe für die Demo-Teilnehmer gibt, die sich eine Fahrt nach Wurzen nicht leisten können.

Was ihn jedoch weitaus mehr aufbringt, sei der Inhalt des Aufrufes. Demnach wählt das Bündnis die Stadt ganz bewusst aus, weil sie ihrer Meinung nach „exemplarisch für rassistische Gewalt in Sachsen steht“. Schkuhr sieht darin eine Vorverurteilung aller Bürger. „Und das hat wahrlich nichts mit Demokratie zu tun. Ich lasse mir doch nicht von Krawalltouristen die Welt erklären.“ Bedenklich hält er zudem die Äußerung des Vereins Netzwerk für demokratische Kultur (NdK), sich möglichst am 2. September in die Demonstration einzureihen. „Die Frage ist doch, wenn sich das NdK mit viel finanzieller Unterstützung in Form von Fördergeldern hier seit Jahren gegen rechte Tendenzen aufopfert, warum es dann angeblich so schlimm um Wurzen steht und die Stadt vom Bündnis ausgesucht wurde.“ Für ihn wäre es außerdem interessant zu erfahren, inwieweit sich die Mitarbeiter des NdK auch außerhalb ihrer eigentlichen Tätigkeit und ganz privat für Flüchtlinge engagieren. „Ich betreue einen Libyer seit zweieinhalb Jahren.“ Von der Wohnungssuche und -einrichtung über Sprachkurse bis hin zum Kontakt mit Behörden. „Um alles habe ich kämpfen müssen, mich sogar viermal schriftlich direkt an die Ministerin für Gleichstellung und Integration, Petra Köpping, gewandt – ohne eine Antwort zu bekommen.“ Dem Bürgertreff am 31. August auf dem Marktplatz, das die Stadt organisiert, will Schkuhr fernbleiben. „Das ist doch wie eine Rechtfertigung auf eine Vorverurteilung hin, die ganz, ganz viele Einwohner Wurzens nun wahrlich nicht nötig haben.“

Mittlerweile reagierte das NdK per Erklärung auf die Unruhe in der Bevölkerung und rät darin zur Sachlichkeit. „Alle demokratisch und antifaschistisch gesinnten Wurzener sollten die Demonstration als Möglichkeit sehen, einmal mehr gegen Alltagsrassismus Gesicht zu zeigen, sich mit Opfern neonazistischer Gewalt zu solidarisieren und auf sachsenweit agierende Neonazi-Strukturen aufmerksam zu machen.“

Route für Veranstaltung steht fest

Das Landratsamt hat Freitag-Nachmittag erste Details zur geplanten Demonstration des Bündnisses „Irgendwo in Deutschland“ am 2. September in Wurzen bekannt gegeben. Demnach findet die Kundgebung von 15 bis 18 Uhr statt. Als derzeitiger Streckenverlauf sei geplant:

Auftakt und Ende am Bahnhof

Beginn 15 Uhr mit einem Auftakt am Bahnhof. Anschließend führt der Aufzug über die Bahnhofstraße, Beethovenstraße und Karl-Marx-Straße zum Wettinerplatz. Von dort geht es weiter über die Kantstraße, Walther-Rathenau-Straße, August-Bebel-Straße, Dresdener Straße, Goethestraße, Schillerstraße, August-Bebel-Straße, Martin-Luther-Straße und Kleiststraße. Auf der westlichen Seite des Bürgermeister-Schmidt-Platzes dann über den Kreisverkehr zur Friedrich-Ebert-Straße, Rudolf-Breitscheid-Straße, Straße des Friedens, Jacopsplatz und der Jacobsgasse zum Marktplatz. Im Anschluss bewegt sich der Zug durch die Wenceslaigasse über die Bahnhofstraße zurück zum Bahnhof. Hier endet die Versammlung 18 Uhr nach einer 20-minütigen Abschlusskundgebung.

Gewaltfreier Verlauf erwartet

Wie das Landratsamt außerdem informierte, gehen die Genehmigungsbehörde, die Polizeidirektion Leipzig und die Stadtverwaltung Wurzen von einer friedlichen Veranstaltung aus. Ebenso strebe der Versammlungsleiter einen gewaltfreien Verlauf an. Momentan gebe es keine „belastenden Hinweise auf mögliche Störungen“, teilte Brigitte Laux, Sprecherin des Landratsamtes, mit. „Die Polizei wird diese Versammlung mit einem angemessenen Kräfteeinsatz begleiten und stimmt ihre Maßnahmen mit der Stadt und der Ordnungsbehörde intensiv ab.“

Allerdings kann es aufgrund der Demonstration im Stadtgebiet zu Verkehrseinschränkungen kommen. Daher werden die Einwohner gebeten, ihre Fahrzeuge nicht im Bereich der Strecke abzustellen beziehungsweise die verkehrsrechtlichen Anordnungen zu beachten. „Eine kurzzeitige Sperrung der Bundesstraße 6 wird auf das nötigste Maß beschränkt“, so Laux.

Von Kai-Uwe Brandt

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