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Gebt uns die Kugel!

Gebt uns die Kugel!

Wurzen/Dehnitz. Bei Feldarbeiten um Dehnitz kommt im Frühjahr eine alte Kanonenkugel zum Vorschein. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst untersucht das Fundstück und befindet es für harmlos, im Anschluss gelangt das Geschoss aber in den Fundus des Militärhistorischen Museums in Dresden.

rhistorischen Museums in Dresden. Jetzt möchte Wurzen die Kugel zurück – fürs Museum.

Das Geschütz richten, Lunte dran und – Peng! – Feuer. Kurz darauf pflügt sich das Geschoss auf einem Feld bei Dehnitz in den Boden. Vielleicht ist die Kanonenkugel auch einfach vom Protzwagen gefallen. Genau weiß keiner, was vor beinahe 200 Jahren im Oktober 1813 geschah. Damals liefern sich Franzosen und Verbündete im Vorfeld der Völkerschlacht rund um Wurzen Scharmützel, bald machen sich Napoleons Truppen aus dem Staub. Die Kanonenkugel dagegen bleibt im Erdreich – bis zu diesem Frühjahr.

Am 8. April dieses Jahres wird sie bei Feldarbeiten wieder zutage befördert. Ziemlich stark oxidiert, aber immer noch knapp zehn Zentimeter im Durchmesser und rund sechs Pfund schwer. Sicherheitshalber wird der Kampfmittelbeseitigungsdienst hinzu gerufen. Doch die Experten winken ab: Kein explosives Material mehr drin, wohl was ganz Altes.

Diesen Eindruck gewinnt auch ein Mitarbeiter des Militärhistorischen Museums in Dresden (MHM), der bald darauf die Bestände der Kampfmittelräumer auf Erhaltenswertes durchforstet. Fred Koch, Sachgebietsleiter für Militärtechnik am MHM: „Es handelt sich um eine gusseiserne Bombenkugel." Trotz des rostigen Zustands ein schönes Exemplar, Stahlguss mit einer Aussparung für eine Portion Schwarzpulver. „Die würde gewöhnlich beim Abschuss mit zünden und das Geschoss zerlegen." Warum es seinerzeit nicht dazu kam, ist ungewiss. Die Kosten für eingehendere Untersuchungen wären bei weitem zu hoch. „So etwas klappt nur bei CSI", sagt Koch lachend.

Anhand der Form und Verwendung lasse sich das Fundstück aber immerhin recht gut einordnen: „Die stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit aus den Befreiungskriegen." Und gerade diese Einordnung und der Regionalbezug zum Fundort machten die Kugel so interessant und erhaltenswert. Schon bald entsteht die Idee, das gute Stück ans Wurzener Museum abzugeben.

Doch da gibt es ein Problem: Denn im MHM wurde das Geschoss nicht nur fachmännisch begutachtet, sondern auch registriert – und somit Bundesvermögen. „Ein reines Versehen", so Koch. Aber die Rückgabe ist nicht mehr so ohne weiteres möglich. Vielleicht als Dauerleihgabe? Koch macht Hoffnung: „Wir haben der Stadt und dem Museum signalisiert, dass ein formloser Antrag auf Rückgabe der Kugel gestellt werden soll." Zu befinden habe darüber sein Abteilungsleiter. Und: „Ich würde diese Vorgehensweise auf jeden Fall unterstützen." Wünschenswert wäre es. Bis zur 200-Jahrfeier der Völkerschlacht könnte das Tässchen im Museum, aus dem Napoleon einst angeblich seinen Morgenkakao schlürfte, noch Gesellschaft gebrauchen.

Markus Tiedke

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