Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wurzen Gedenktafel für das kleine Fräulein Doktor
Region Wurzen Gedenktafel für das kleine Fräulein Doktor
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:39 15.04.2018
Petra Lau vom Förderverein Dr. Margarete Blank tourte bereits mit einer Ausstellung zum Leben der Panitzscher Ärztin durch die Region. Quelle: Foto: André Kempner
Anzeige
Borsdorf/Panitzsch

Was lange währt, wird endlich gut: In der Borsdorfer Straße 21 in Panitzsch enthüllt die Gemeinde am Sonnabend, 10 Uhr, eine Gedenktafel. Die güldene Metallplatte soll an die von den Nazis hingerichtete Ärztin Margarete Blank erinnern, die bis zu ihrer Verhaftung durch die Gestapo im Juli 1944 im Erdgeschoss dieses Hauses praktizierte.

Zeitzeugen erzinnern sich an die engagierte Frau

Architekt Roland Bartsch, damals Gemeinderat, hatte die Ehrung vor geraumer Zeit angeregt. Umso mehr freute er sich, als er dieser Tage die Einladung zur Einweihung in den Händen hielt: „Ich komme gern. Margarete Blank war unsere Hausärztin.“ Noch gut erinnere er sich an ihren Dienstwagen, einen grünen DKW mit Holzkarosse und Kunstlederbespannung. Er selbst sei Jahrgang 1937, habe Margarete Blank noch persönlich kennengelernt, sagt der Architekt. „Mein zwei Jahre älterer Bruder war etwas zu schnell gewachsen. Also ließ sie ihn röntgen. Bei der Gelegenheit sollte ich mich auch gleich unter das Gerät stellen.“

Das Ergebnis sorgte zunächst für einige Aufregung, Margarete Blank vermutete gar eine schlimme Tuberkulose. Doch am nächsten Tag stellte sich heraus, dass die Aufnahme nur verwackelt war. „Ich war damals noch ganz klein, entsinne mich aber, dass in einem Zimmer der Praxis lauter Blumen standen und es irgendwann hieß, Frau Blank sei eine russische Agentin und deshalb abgeholt worden.“

Gäste reisen aus Australien an

Bartsch wird am Sonnabend nicht der einzige Zeitzeuge sein. Auch Helga Wächtler und Rosemarie Cohan werden aus Köln beziehungsweise Tasmanien (Australien) anreisen. Als Kinder lebten die beiden Schwestern im Haus der Großeltern und waren ebenfalls kleine Patienten von Margarete Blank.

Das Porträt von Margarete Blank. Quelle: Repro Petra Lau

Blank trat 1930 in Panitzsch die Stelle einer niedergelassenen Ärztin an und bewohnte mit ihrer Schwester und deren Mann ein abgelegenes Holzhaus. Zwar begegneten ihr, der aus Russland Zugereisten, die Menschen anfänglich eher distanziert, doch wurde sie von den Einheimischen schon bald liebevoll das kleine Fräulein Doktor genannt. Sie hisste keine Hitlerfahne. Den Hitlergruß verweigerte sie. Und sie half den Kriegsgefangenen. Rund um die Uhr war sie für ihre Patienten da. So rettete sie auch den vier an Keuchhusten erkrankten Kindern eines Borsdorfer Oberstabsarztes das Leben. Während dieser an der Front war, beruhigte Blank dessen Frau. Der Krieg sei bald vorbei, soll sie ihr gesagt und hinzugefügt haben, dass man die Russen nicht fürchten müsse.

Diese zum Trost gedachten Worte wurden der Panitzscher Ärztin zum Verhängnis. Der Oberstabsarzt machte Meldung und lieferte Blank dadurch – bewusst oder unbewusst – ans Messer. Die Ärztin wurde verurteilt und am 8. Februar 1945 in Dresden per Fallbeil hingerichtet.

Tafel wird an der Arbeitsstätte der Ärztin angebracht

Bürgermeister Ludwig Martin (CDU) unterstützte das Anliegen, an der einstigen Arbeitsstätte der Ärztin eine Tafel anzubringen. Die Gemeinde finanzierte das Projekt und nahm auch den Kontakt zum Eigentümer der Immobilie auf: „Das hatte sich alles ein wenig verzögert, da es einen Besitzerwechsel gab. Inzwischen aber liegt das Einverständnis des neuen Inhabers Stefan Knauer vor“, so Martin.

Auch Petra Lau vom Förderverein Dr. Margarete Blank lädt für Sonnabend in die Borsdorfer Straße ein. Als ehrenamtliche Leiterin der Panitzscher Margarete-Blank-Gedenkstätte, die sich im ehemaligen Wohnhaus der Ärztin befindet, engagiert sie sich seit Jahren für die Sanierung des Holzhauses. Aus Kostengründen sind die Arbeiten jedoch ins Stocken geraten, die Gedenkstätte bleibt vorerst weiter geschlossen.

Von Haig Latchinian

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Beim Reit- und Fahrverein in Altenbach findet am Wochenende das 25. Hallenturnier statt. Über 350 Starter, mehr als je zuvor, gehen die Spring- und Dressurprüfungen an. Die Besucher dürfen aber nicht nur auf sportliche Leistungen, sondern auch auf den Nachwuchs auf dem Reiterhof gespannt sein.

15.04.2018

Die Diskussion um den Regionalplan wird verschoben. Der Brandiser Stadtrat wird sich erst in der April-Sitzung mit dem Entwurf beschäftigen.

14.04.2018

Grünes Licht für die Fortführung der Vereinbarung der Kommunen in der Leader-Region Leipziger Muldenland gab jetzt der Haushalts- und Finanzausschuss von Wurzen. Der Beitrag an die Lokale Arbeitsgruppe wird auch künftig fließen.

11.04.2018
Anzeige