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Gegründet am Stammtisch: 90 Jahre Freiwillige Feuerwehr Röcknitz

Jubiläum Gegründet am Stammtisch: 90 Jahre Freiwillige Feuerwehr Röcknitz

Auch wenn die Freiwillige Feuerwehr Röcknitz quasi aus einer Bierlaune heraus entstand, feiert sie dieses Jahr zum 90. Mal ihre Erfolgsgeschichte. Wehrleiter Roland Tempel tut alles dafür, dass es so weitergeht.

Roland Tempel ist stolzer Wehrleiter der FFw Röcknitz. Das Feuerwehrauto ist alt aber leistet seinen Dienst - im Gelände ist es unschlagbar.

Quelle: Nathalie Helene Rippich

Röcknitz/Thallwitz. Die Freiwillige Feuerwehr Röcknitz ist quasi aus einer Bierlaune heraus entstanden. Denn vor fast einem Jahrhundert trafen sich ein paar Männer – unter ihnen die damaligen Bürgermeister von Röcknitz und Treben, ein Schornsteinfeger und ein Geschäftsmann – zum Stammtisch in einer Gaststätte. Gesellig und lustig soll es an diesem Abend zugegangen, einiges an Bier geflossen sein. Doch auch ernste Themen kamen auf den Tisch, so wurde etwa über Brände und Feuerwehren gesprochen. Der Bezirksschornsteinfeger Paul Mühlan schlug spontan vor, für den Ort eine eigene Feuerwehr zu gründen – der Rest ist Geschichte.

In diesem Jahr feiern die Kameraden den 90. Geburtstag ihrer Feuerwehr. An ihrer Spitze steht zurzeit Wehrleiter Roland Tempel, der mit Freude auf das Jubiläum blickt. „Ich bin seit knapp zwanzig Jahren dabei und wenn man guckt, was in dieser Zeit passiert ist, dann ist man schon stolz.“ Er sei zufrieden mit seinen Leuten. „Auch wenn das neben der Arbeit und mit Familie natürlich alles andere als einfach ist, sind alle sehr engagiert“, lobt er. Nachdem die Jugendfeuerwehr vor einigen Jahren kurz vor dem Aus stand, lobt er insbesondere die Arbeit von Jugendwartin Anja Voigtländer. Elf Jungen und Mädchen betreut sie derzeit – und das sehr erfolgreich. „Wir mussten sie damals ein bisschen dazu überreden, den Posten zu übernehmen. Das ist schon sehr viel Arbeit. Aber sie ist unheimlich engagiert und kümmert sich.“

Neben den Jugendlichen gehören 30 Aktive und etwa 20 Passive zur Freiwilligen Feuerwehr Röcknitz. „Unter den aktiven sind zehn Frauen“, betont der 35-Jährige. Er sei zufrieden mit der aktuellen Besetzung, hat aber stets den Nachwuchs im Blick. „Denn die Kinder sind die Zukunft, das muss allen klar sein.“ Zur Zeit kann man ab einem Alter von acht Jahren an der Ausbildung teilnehmen, mit 16 Jahren darf man in den aktiven Dienst übergehen. Doch Tempel liebäugelt mittelfristig mit einer Änderung dieser Regelung. „Es ist mittlerweile möglich, Kinder ab fünf Jahre aufzunehmen. Das würde ich gern angehen.“ Denn mit acht Jahren seien die meisten Kinder schon fest in Sportvereinen etabliert. „Die kann man da ja nicht einfach rausholen und zur Feuerwehr holen“, macht er deutlich. Außerdem seien viele jüngere Kinder begeistert von der Feuerwehr, würden gern mitmachen. Auch im vierjährige Sohn des Wehrleiters schlage ein Feuerwehrherz. „Aber natürlich braucht man dann jemanden, der sich um den Flohzirkus kümmert. Das ist schon etwas anderes als bei den Acht- bis 16-Jährigen“, so Tempel. Aber die Idee habe er und angesprochen habe er das Thema auch schon. „Kommt Zeit, kommt Rat.“

Im Vordergrund steht zur Zeit die Vorbereitung der Jubiläumsveranstaltungen. Für Anfang September ist eine große Festsitzung geplant, zu der allerhand lokale Prominenz geladen sein wird. Am Wochenende vom 16. und 17. September folgt dann die öffentliche Feierei. Am Samstag gibt es ein Programm in Zusammenarbeit mit dem gemischten Chor, der in diesem Jahr sein 150. Jubiläum begeht. Am Sonntag wartet auf groß und klein ein buntes Programm, „zum Beispiel eine Übung der Jugendfeuerwehr. Die löschen ein brennendes Haus, das wir extra dafür aus Holz bauen“, kündigt Tempel an. Außerdem wird es einen Fahrzeugumzug in Zusammenarbeit mit anderen Feuerwehren und dem Technischen Hilfswerk geben. „Besonders lustig wird das Quietschentenrennen“, freut sich Tempel. Im Vorfeld werde es die lustigen Plastiktierchen für einen Euro zu erstehen geben. Jede bekommt eine Nummer. „Die setzen wir dann in den Teich, schmeißen ein Gebläse an und gucken, welche als erste drüben ist“, sagt er mit einem schelmischen Grinsen. Natürlich gebe es für die Sieger verschiedene Preise.

Zur Geschichte

Nachdem die Herrschaften rund um die Bürgermeister Oswald Richter von Röcknitz und Oswald Werner von Treben sich auf die Einrichtung einer Feuerwehr in Röcknitz geeinigt hatten, bereitete der ebenfalls beim Stammtisch anwesende Curt Günther die Gründung vor. Diese folgte am 3. November 1927 und Günther selber wurde zum ersten Wehrleiter gewählt. 54 Kameraden konnten zur Gründungsveranstaltung gezählt werden.

Drei Jahre später spendete Bürgermeister Richter privat die erste motorisierte Motorspritze. Bisher war lediglich eine Spritze aus dem Jahre 1822 im Einsatz. Das erste Fahrzeug wurde Ende der 1930er Jahre angeschafft als Meister Kurt Schweingel einen Autoschlachthof in Leipzig besuchte. Dort fiel ihm ein großer Horch-PKW auf, der auf seine Ausschlachtung wartete. Kurzerhand erstand Schweingel das Fahrzeug, das fortan bis 1955 der Freiwilligen Feuerwehr von Röcknitz diente – auch wenn die Kameraden alle nur schwerlich Platz in dem zweckentfremdeten Fahrzeug fanden. Es folgten zahlreiche Einsätze bei Hochwassern und Bränden. Etwa 1944 als in Thammenhain mehrere Hausbrände wüteten nachdem Bomben eingeschlagen waren.

1959 wurde das heutige Gerätehaus errichtet, das 1997 durch einen Anbau erweitert wurde. In der Geschichte kam es zu zahlreichen schwierigen Einsätzen für die Kameraden. „Bis heute sprechen die Älteren von einem großen Feuer in den 70er Jahren“, sagt Wehrleiter Roland Tempel. Am 10. Mai 1971 verbrannten 14 Kühe bei einem verheerenden Brand einer Scheune. Tempel selber ist besonders das Hochwasser 2013 im Gedächtnis geblieben. „Das von 2002 war auch eine große Sache, aber 2013 gab es eine richtige Organisation, einen festen Plan. Und wir hatten schon eine gewisse Erfahrung.“

Mittlerweile verfügt die Feuerwehr über zwei Einsatzfahrzeuge. „Unser altes ist Baujahr 1986. Aber es leistet seinen Dienst, im Gelände ist er unschlagbar“, sagt Tempel, der auf viele weitere spannende Jahre bei seiner Röcknitzer Feuerwehr hofft.

Von Nathalie Helene Rippich

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