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Gemeinde Bennewitz will den Saubach in seine Schranken weisen

Hochwasserschutzkonzept Gemeinde Bennewitz will den Saubach in seine Schranken weisen

Zweimal – 2002 und 2013 – hat der Saubach in Bennewitz seine nassen Spuren hinterlassen. Jetzt will ihn die Gemeinde in seine Schranken weisen. Das Ingenieurbüro Steinbacher Consult hat ein Hochwasserschutzkonzept erarbeitet, das in den vergangenen Monaten mehrfach diskutiert wurde.

Im Planitzwald bieten die topografischen Gegebenheiten Platz für mehrere Regenrückhaltebecken.

Quelle: Steinbacher Consult

Bennewitz. Als Anlieger der Bahnhofstraße in Bennewitz oder auch des Kleingartenvereins Amselgrund beim Junihochwasser 2013 erneut nasse Füße bekamen, lag das vor allem am Ottendorfer Saubach. Das sonst unscheinbare Gewässer, das es von seiner Quelle im Planitzwald bis zur Einmündung nordöstlich von Püchau in die Mulde auf eine Länge von 14,7 Kilometer bringt, wird von zahlreichen Zuläufen, wie dem Altenbacher Saubach, der Kleinen Zauche, Gottschalke und Tresenbach, gespeist; sein Einzugsgebiet in der 46 Quadratkilometer großen Gemeinde Bennewitz umfasst 27 km 2, in Machern sind es von 39 km 2 24. Die bei Starkregen anschwellenden Fluten des Saubachs zu beherrschen, ist das Ziel eines Hochwasserschutzkonzeptes. Im September vergangenen Jahres hatte der Bennewitzer Gemeinderat das Lützener Ingenieurbüro Steinbacher Consult (SC) mit dessen Erstellung für die Gemeinden Bennewitz und Machern beauftragt. In den vergangenen Monaten wurde das Konzept mit Vertretern beider Gemeinden, Wasserbehörde und Naturschutz diskutiert und optimiert. Zur Gemeinderatssitzung in dieser Woche stellte Bürgermeister Bernd Laqua (parteilos) die bisherigen Ergebnisse vor. „Das Gesamtpaket“, sagt SC-Mitarbeiterin Christin Heber, „könnte Schutz vor einem hundertjährigen Hochwasser bieten.“

Steinbacher Consult hatte zunächst eine terrestrische Vermessung des Einzugsgebietes vorgenommen, das heißt digitale Straßen- und Gewässerkarten herangezogen, Vorortbegehungen durchgeführt und 160 Bauwerke, zum Beispiel Durchlässe, vermessen. Hinzu kam eine Befliegung des Areals. Am Computer wurden dann die Hochwasserstufen 25, 50, 100 und 200 simuliert und daraus insgesamt 70 Maßnahmen, 30 davon in Bennewitz, abgeleitet, um das Wasser vorrangig im Entstehungsgebiet zurückzuhalten und gewissermaßen dosiert auf den Weg in Richtung Mulde zu schicken. „Das heißt nicht, dass wir auch alle umsetzen“, betonte Laqua, „aber das sind die, die sich anbieten.“

So habe man zusammen mit dem Förster mehrere Senken im größtenteils sehr ebenen Planitzwald erkundet, wo das Wasser mit Hilfe niedriger Verwallungen und kleiner Durchlässe temporär wie in Regenrückhaltebecken noch vor Wohnbebauungen zurückgehalten werden könnte, so Laqua. Demnach wären vier Becken südöstlich vom Solarpark Waldpolenz mit Fassungsvermögen zwischen 27 000 und 3200 Kubikmetern möglich sowie südlich vor Schmölen weitere vier zwischen 20 000 und 6000 m³. Von hier würden dann nur noch zwischen 0,20 und 0,35 m 3/s abgegeben werden.

Des Weiteren wurde die Möglichkeit des Wasserrückhaltes in der Fläche, also auf Äckern und Wiesen, gesucht. „Ein Beispiel, wo man das Wasser breit laufen lassen kann, wäre die Wiese neben dem Rathaus“, sagte Laqua. „Insgesamt gibt es 21 solche Flächen in beiden Gemeinden, acht davon in Bennewitz.“ Ins Auge gefasst sind auch zwei Felder südlich der Bahnlinie in Bennewitz. Die Flächen verfügen über das benötigte Höhenprofil, können durch Aushub vergrößert werden und hätten dann ein Rückhaltevolumen von 25 800 und 21000 m 3.

Ins Kalkül gezogen wurden auch die Aufnahmemöglichkeiten der vielen Teiche in Bennewitz wie Machern. „Wenn die im Amselgrund als so genannte Retentionsflächen genutzt werden, kann das Wasser nicht in dem Ausmaß wie 2013 den Amselgrund überschwemmen“, sagte der Bürgermeister. Anders bei der Teichkette am Forstweg. Hier habe sich der Naturschutz gegen ein Absenken des Wasserspiegels zur Schaffung einer Pufferzone ausgesprochen, weil sich sonst Flora und Fauna verändern. Schon jetzt habe der gefallene Wasserspiegel zu verstärktem Bewuchs am Ufer geführt. Eine andere Frage sei auch, wie ein Absenken mit Fischzucht, wie in Machern der Fall, vereinbar ist.

Die Palette reicht – immer unter Beachtung der Auswirkung auf die Unterlieger – weiter von Veränderung und Neubau von Durchlässen über die Mäandrierung im Laufe der Jahre begradigter Bäche und Gräben zur Reduzierung der Fließgeschwindigkeit bis zur Beseitigung hydraulischer Hindernisse und Wiederherstellung ehemals zur Entwässerung geeigneter Strukturen.

„Wenn alle Maßnahmen greifen würden, könnten wir das Wasser am Bennewitzer Durchlass durch die Bahnlinie Leipzig-Dresden von 3,63 auf 1,5 Kubikmeter pro Sekunde reduzieren“, stellte Laqua in Aussicht. Ein weiteres Nadelöhr sei das im Zuge des Deichbaus bei Püchau von der Landestalsperrenverwaltung geplante vollautomatische Schöpfwerk. „Hier kämen noch vier Kubikmeter an, eine Größe, bei der das Schöpfwerk im Hochwasserfall noch funktioniert.“ Das für ein HQ 25 des Baches und ein HQ 100 der Mulde berechnete Schöpfwerk ist – da der Saubach im Hochwasserfall der Mulde die gesamte Binnenentwässerung der westlichen Muldeanlieger gewährleistet - mit einem Durchlass von 9,6 M 3/s geplant.

Jetzt muss noch das Kosten-Nutzen-Verhältnis der einzelnen Maßnahmen betrachtet werden. Das soll in einer Beratung mit der Oberen Wasserbehörde am 27. Januar geschehen. „Es werden nicht alle Maßnahmen realisierbar sein, aber wir haben reduziert“, sagte Laqua. Dann müsse eine Prioritätenliste aufgestellt werden, welche Maßnahmen am effektivsten sind, und die Träger öffentlicher Belange beteiligt werden. „Nach der Beratung im Januar werden wir in einer Einwohnerversammlung für Bennewitz und Machern über den Stadt informieren“, kündigte Laqua an. „Sicherlich gibt es zu dem Thema viele Fragen, aber vielleicht auch Ideen, die das Konzept abrunden.“

Von Ines Alekowa

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