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Wurzen Genial Sozial: Schüler im Landkreis Leipzig arbeiten für Spendengelder
Region Wurzen Genial Sozial: Schüler im Landkreis Leipzig arbeiten für Spendengelder
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06:00 21.06.2017
Max Lorenschat vom Freien Gymnasium Borsdorf hat in der Sparkasse in Grimma fleißig Archivordner durchforstet. Quelle: Foto: Nathalie Helene Rippich
Landkreis Leipzig

Bevor es am Freitag endlich die langersehnten Zeugnisse gibt, haben sich Dienstag im Landkreis Leipzig hunderte Schüler beim 13. sachsenweiten Aktionstag Genial Sozial – Deine Arbeit gegen Armut engagiert. Einen Tag lang bieten die Mädchen und Jungen hierfür ihre Arbeitskraft an, das verdiente Geld wird direkt an den Initiator, die Sächsische Jugendstiftung, überwiesen und für internationale sowie lokale Hilfsprojekte verwendet. „Darüber wo genau das Geld für internationale Hilfen hingeht, entscheiden die Schülervertreter aller teilnehmenden Schulen gemeinsam“, so Andreas Mierisch vom Gymnasium Brandis. Der 59-Jährige unterrichtet dort die Fächer Gemeinschaftskunde, Recht und Wirtschaft (GWR) sowie Geschichte und engagiert sich als Vertrauenslehrer. An seiner Schule ist es den Schülern von der siebenten bis zur elften Klasse freigestellt, am Aktionstag teilzunehmen. „Etwa 50 Schüler von uns sind für den guten Zweck unterwegs“, sagte er am Morgen des Einsatztages. Dabei sei die Art der Arbeit querbeet verteilt. „Der eine ist im Altenheim, der andere hilft Privatpersonen im Haushalt, wieder andere sind auf dem Pferdehof oder beim Tierarzt. Einen Schüler habe ich morgens beim Bäcker getroffen“, zählt Mierisch auf.

Fast 20 Schulen aus dem Landkreis haben sich an der Aktion beteiligt. Letztes Jahr waren aus dem Landkreis Leipzig 6395 Schüler aus der Region im Einsatz – wie viele es dieses Jahr insgesamt waren, ist noch nicht ermittelt.

Die Pestalozzi-Oberschule aus Wurzen war mittlerweile zum vierten Mal mit allen Schülern der Klassen fünf bis neun dabei. „Der Kerngedanke ist natürlich, Geld zu verdienen für das Projekt und sich zu überlegen, wem die Hilfe zukommen sollte“, sagt Denise Krohn, Schulsozialarbeiterin an der Schule. Denn 30 Prozent der von den Schülern erarbeiteten Summe kann die Schule für lokale Projekte anfordern. „Es geht auch darum, Not im Umfeld zu erkennen. Zum Beispiel das Geld für Schüler zu nehmen, die sich sonst keine Klassenfahrten leisten können“, so Krohn. Oder für das örtliche Tierheim. Denn an dieses konnten Krohn und ihre Schüler einen Gutschein von 600 Euro und einen Präsentkorb überreichen – das Geld vom letzten Jahr.

Auch das Freie Gymnasium Borsdorf hält alle seine Schüler zur Teilnahme an Genial sozial an. Max Lorenschat geht dort in die neunte Klasse und hat sich für die Arbeit in der Sparkasse Muldental in Grimma entschieden. „Ich habe mein Schulpraktikum schon hier absolviert und es hat mir gefallen, also wollte ich wieder herkommen“, erklärt der 15-Jährige, der trotz morgendlichem Schwimmtraining in der Stadt Leipzig pünktlich um 9.30 Uhr auf der Matte stand, um bis 15 Uhr im Archiv auszuhelfen. „Erst habe ich mit einigen Kollegen ein paar Schränke aufgeräumt. Im Archiv geht es darum, zu gucken was noch gebraucht wird und was vielleicht sogar in das Sparkassenmuseum gehört“, so der Leistungsschwimmer, der für seine Arbeit sechs Euro pro Stunde bekommt.

Für die Schüler steht der soziale Gedanke klar im Vordergrund. Mierisch und Krohn sehen aber noch einen weiteren Vorteil an der Aktion: Die Schüler würden zu Selbstständigkeit angeregt. „Sie werden natürlich von Lehrern und Eltern unterstützt, aber ihren Arbeitgeber sollen sie sich selber suchen, das Gehalt aushandeln und die Arbeitszeiten“, so die Schulsozialarbeiterin. Der Vertrauenslehrer ergänzt: „Und sie lernen viel wichtiges in Sachen soft skills, also wichtige Fähigkeiten wie insbesondere Verantwortungsgefühl und den Umgang mit anderen Menschen“.

Wie viel Geld Sachsens Schüler unter fleißiger Beteiligung der Kinder und Jugendlichen aus unserer Region am Aktionstag erwirtschaftet haben, wird erst in den nächsten Wochen zu sehen sein. Nämlich dann, wenn alle Gelder überwiesen wurden. Im vergangen Jahr erwirtschafteten die Kinder und Jugendlichen für internationale und lokale Projekte 660 000 Euro.

Von Nathalie Helene Rippich

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