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Wurzen Geopark-Bahnhof Wurzen: Neue Pläne für das Eingangstor
Region Wurzen Geopark-Bahnhof Wurzen: Neue Pläne für das Eingangstor
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10:30 06.12.2016
Ein neues Projekt für den Bahnhof Wurzen sieht Potenzial für den Präsentationsstandort für den Geopark. Quelle: Foto: Kai-Uwe Brandt
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Wurzen

Geopark-Portal Bahnhof Wurzen – so könnte in Zukunft das Eingangstor des öffentlichen Personennahverkehrs heißen. Was sich hinter dem Projekt verbirgt, erfuhren erstmals die Mitglieder des Technischen Ausschusses zu ihrer jüngsten Sitzung im Stadthaus. Und dafür stand den Volksvertretern ein Trio Rede und Antwort, welches bereits seit gut einem Jahr an den Plänen eines attraktiven Bahnhofs schmiedet: Sabine Heymann vom Leipziger Büro LE-Regio und der Initiative Tourismuszentrum, die Deubener Ideenmeisterin Katrin Hussock sowie Stephan Wilhelm, Geschäftsführer der Agentur Bahnstadt aus Berlin.

Wie Oberbürgermeister Jörg Röglin (parteilos) gleich zu Beginn erläuterte, fuße das aktuelle Vorhaben auf drei Säulen und verknüpfe damit den Personennahverkehr, wirtschaftliche und touristische Interessen an einem Ort. Den eigentlichen Stein ins Rollen brachten private Akteure, darunter die ehemalige Stadtmarketingkoordinatorin Hussock und die „Anno dazumal“-Bäckerei Fischer aus Kühnitzsch. Im Spätsommer 2015 beauftragte dann schließlich der Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) die Agentur Bahnstadt mit einer Vorab-Analyse der Wurzener Haltestelle.

Wilhelm zufolge frequentieren im Durchschnitt über 2000 Fahrgäste pro Tag die Station. Trotz einiger Erhaltungsarbeiten zeige sich das Bahnhofsgebäude jedoch in einem „sanierungsbedürftigen Zustand“. Besitzer der 1450 Quadratmeter großen Immobilie ist Utz Leischnig. Der Wurzener Marktleiter erwarb im April 2013 das zweigeschossige Haus zur Frühjahrsauktion der Karhausen AG. Damals reiste sogar Stadtoberhaupt Röglin mit einem parlamentarisch legitimierten Limit von 63 000 Euro nach Berlin-Tegel, um in die Versteigerung einzusteigen, sobald Leischnig aussteigen würde. „Ich bin froh über den Ausgang, der Bahnhof bleibt in Wurzener Hand“, sagte seinerzeit der Stadthauschef. Seit einiger Zeit betreibt Leischnig im Objekt an der 1839 fertig gestellten Bahnstrecke Leipzig – Dresden einen kleinen Kiosk und ein Reisecenter mit Postfiliale. Es gibt ferner die Bahnhofshalle, Lagerräume, eine Wohnung sowie einen Technik- und Pausenraum fürs Personal der Deutschen Bahn.

Anhand von Beispielen aus anderen Kommunen verdeutlichte Wilhelm dem Gremium die möglichen Varianten einer Neugestaltung. Zum Beispiel der Nationalpark-Bahnhof Bad Schandau. Hier befinde sich Deutschlands erster Biomarkt mit Bistro. Oder Haldensleben. Die dortige Wohnungsbaugesellschaft erwarb den Bahnhof, der mittlerweile eine Physiotherapie beherbergt, einen Telekom-Shop, Rad- und Elektroauto-Verleih. In Lübbenau locke sogar eine Erlebnispension und in Naunhof mieteten sich der Kreissportbund und die Bäckerei Wolf ein. „Vom tristen Bahnhofsgebäude zum zentralen Marktplatz“ könnte eben auch die Devise in Wurzen sein – unter anderem mit einer Tourismus-Information als Präsentationsstandort für den Geopark, das sächsische Burgenland und Wurzener Land. Vorstellbar, so Wilhelm weiter, seien eine Raststation, Fahrradverleih und ein Markt für regionale Angebote. Bis es aber soweit ist, bedarf es zunächst einmal eines Nutzungskonzeptes inklusive einer Machbarkeitsstudie – Kostenpunkt 27 400 Euro. Der ZVNL sicherte schon zu, 44 Prozent der Summe, also 10 850 Euro, zu fördern. Zehn Prozent hiervon und folglich 1085 Euro müsste die Stadt Wurzen beisteuern und den Rest von 16 550 Euro der Eigentümer.

Einen Vorgeschmack darauf, welches Potenzial der Bahnhof hat, konnten Besucher am 14. August zur Aktionstagspremiere erleben. Der Geopark Porphyrland und das Sächsische Burgenland warben wie der Aktionsraum „Wurzener Land“ mit Infomaterial. Envia M stellte das Model S von Tesla mit vollelektrischem Antrieb vor und die Große-Fahrradhandel  GmbH aus Markkleeberg ihre Elektrofahrräder. Bio-Backwaren von Fischers Bäckerei aus Kühnitzsch, das saisonale Gemüse vom Biohof Müller aus Röcknitz oder Produkte von Klaus Fruchtsäfte & Fruchtweine aus Wurzen erfreuten sich regen Zuspruchs.

Das Bahnhofsgebäude geht übrigens auf einen Vorgängerbau zurück, der 1838/39 fertiggestellt wurde. Ein erster Umbau machte sich 1888 notwendig und die Erweiterung 1911 mit dem Neubau des Güterbahnhofs. Erst 1923 bis 1928 erhielten Bahnhof und Vorplatz das heutiges Aussehen.

Von Kai-Uwe Brandt

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