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Wurzen Geopark Porphyrland soll Teil des Unesco-Welterbes werden
Region Wurzen Geopark Porphyrland soll Teil des Unesco-Welterbes werden
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13:16 17.12.2015
Die Bergkirche Beucha. Quelle: Röse
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Lossatal/Paris

Die Bewerbungsunterlagen, die vor Thomas Pöge und Kerstin Fiedler auf dem Tisch liegen, sind druckfrisch. Hinter allen Beteiligten liegt ein enormer Kraftakt. Und in Gedanken sind der Thallwitzer Ortschef und die Geopark-Managerin noch immer im fernen Paris. Dort hat das Unesco-Hauptquartier seinen Sitz. Und dort wird vielleicht in zwei, drei Jahren die Entscheidung fallen, ob das Porphyrland in einem Atemzug mit so bedeutenden Stätten wie der Hamburger Speicherstadt, dem Speyerer Dom oder eben den Luthergedenkstätten genannt wird.

Um Gebiete mit landschaftlichen oder geologischen Besonderheiten zu bewahren, hat die Unesco erst vor wenigen Wochen eine neue internationale Schutzkategorie geschaffen – die der Geoparks. Was die Generalversammlung aller 195 Mitgliedsstaaten am 17. November beschlossen hat, wurde zwischen Röcknitz und Rochlitz aufmerksam registriert. „An diesem Tag ist die Entscheidung gefallen, dass Gebiete künftig den Titel Unesco Global Geopark beantragen können“, erläutert Geopark-Managerin Fiedler, selbst diplomierte Geologin.

Geopark-Managerin Kerstin Fiedler bereitete die Bewerbung mit vor. Quelle: Thomas Kube

Die Erdgeschichte hat der Mulde-Region ein Alleinstellungsmerkmal beschert. „Wir haben das größte Vulkangebiet Mitteleuropas unter unseren Füßen“, macht Thomas Pöge auf einen besonderen Schatz aufmerksam. „Nachdem wir bereits als nationaler Geopark anerkannt wurden, wollten wir bei diesem Prädikat nicht stehen bleiben“, begründet der Böhlitzer, einer der Vorkämpfer des Geotourismus in der Region, den aktuellen Vorstoß. Internationale Partner, die die Muldentaler gebeten hatten, bei der Unesco vorzufühlen, machten ihnen ausdrücklich Mut: „Wir haben das Signal bekommen, es auf jeden Fall zu versuchen.“ Am Rande der diesjährigen Unesco-Konferenzen in Finnland und Japan sei der Geopark Porphyrland schon Tuschel-Thema gewesen.

Dass der Geopark mit Besonderheiten glänzen kann, ist unbestritten. Was hier im höllischen Spiel von Feuer, Wasser und Eis vor Millionen von Jahren entstanden ist, lässt Geologen mit der Zunge schnalzen. Vulkane brachen aus, Lava schoss in die Höhe, die Erde brodelte. Später schürften gewaltige Eismassen die Berge ab. Zurück blieben Schleifspuren in den Hohburger Bergen, wissenschaftlich exakt als Gletterschliffe bezeichnet. Eiszeitforscher zählen sie heute zu den bedeutendsten Geotopen Deutschlands.

Der Bewerbungsmarathon für Paris hatte es schon mal in sich. Die Kommunen Thallwitz und Lossatal, beide Vorreiter des Geoparks und traditionelle Steinabbaudörfer, gingen in finanzielle Vorleistung. Jeweils 2500 Euro steuerten die Ortschefs Uwe Weigelt und Thomas Pöge aus ihrer Gemeindeschatulle bei. Die Gesellschaft für angewandte Geologie Freiberg (Geomontan) machte mit weiteren 5000 Euro die Bewerbung schließlich möglich. „Bereits im Juni schickten wir einen Letter of Intent an die Seine“, erzählt Pöge. „Dann hörten wir bis August erst mal gar nichts, weil ganz Frankreich am Meer war.“

Das Porphyrland ist einer von mehreren Geoparks in Deutschland, die vor Millionen Jahren ihren Ursprung fanden. Quelle: Privat

Inzwischen liegen die Unterlagen wohlbehalten auf den richtigen Schreibtischen. Samt beigefügten Empfehlungsschreiben von Geopark-Schirmherr Georg Unland (CDU), seinem sächsischen Kabinettskollegen Martin Dulig (SPD), Firmen, weiteren Politikern und Vereinen der Region.

Bereits die über 1000 Seiten Antragstext für die Unesco mussten in Englisch, der Amtssprache der Vereinten Nationen, verfasst werden. „Aber auch sämtliche Geoportale müssen künftig zweisprachig gestaltet werden.“ Eine weitere Aufgabe sei die Durchsetzung eines einheitlichen Erscheinungsbildes. „Da herrscht innerhalb des Geoparks noch viel Wirrwarr“, üben die Akteure Selbstkritik.

Angst, dass mit dem Unesco-Label Einschränkungen verbunden sind, müsse niemand haben. „Anders als etwa bei Biosphärenreservaten gehen von Geoparks keine Vorgaben für kommunales Handeln aus.“ Allerdings müsse man den Titel, einmal errungen, aller vier Jahre verteidigen. Dann würden Fortschritte in den Bereichen Umweltbildung, regionale Wertschöpfung oder naturnahe Erholung überprüft. Fürs Porphyrland kommt es hingegen erst einmal darauf an, den Erstkontakt mit den internationalen Inspektoren zu überstehen. „Dann muss sich zeigen, ob wir mit unserer spannenden Erdgeschichte punkten können“, so Geopark-Managerin Fiedler.

Von Simone Prenzel

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