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Gerhard Collini aus Wurzen steht auch mit fast 90 noch auf der Bühne

Nur donnerstags frei Gerhard Collini aus Wurzen steht auch mit fast 90 noch auf der Bühne

Fit wie ein Turnschuh und fast täglich auf Achse: Gerhard Collini ist ein Phänomen. Obwohl er fast 90 ist, steht der Musiker aus Wurzen regelmäßig auf der Bühne und unterrichtet den Nahwuchs. Nur am Donnerstag hat er frei.

Steht auch mit fast 90 auf der Bühne: Gerhard Gigi Collini.

Quelle: Thomas Kube

Wurzen. Wer Gerhard Collini sieht, möchte auch so fit sein. Im Alter, mit 70 vielleicht. Der Mann ist ein Energiebündel. Für den gebürtigen Wurzener scheinen die Gesetze der Biologie nur bedingt zu gelten. Am Heiligen Abend feiert er seinen 90. Geburtstag. Dass der Mann noch derart in Form ist, hat seinen Grund: Es ist die Musik.

Gerhard Collini ist ein viel beschäftigter Musiker. Seit mittlerweile mehr als sieben Jahrzehnten. Da hatte er nach einer Ausbildung als Saxophonspieler und Klarinettist, die er 1942 als 14-Jähriger an einer privaten Musikschule in Naunhof begann, eine gute Grundlage für eine Karriere, die ihn in zig Formationen führte. Die Kriegsgefangenschaft bei den Amerikanern erweiterte das musikalische Weltbild des jungen Mannes, der dort verstärkt mit Glenn Miller und Benny Goodman in Berührung kam, den Großen der klassischen Swing-Ära in den 30er- und 40er-Jahren.

Doch auch in Deutschland und im Raum Leipzig waren die Weichen musikalisch längst für die neue Zeit gestellt. Gerhard Collini schloss sich einer Formation mit dem Namen Horst-Wendler-Bigband an, spielte viermal in der Woche in ganz Sachsen und verdiente 370 Mark – „mehr Geld als mein Vater bekam“. Es waren die Nachkriegsjahre, die Leute waren hungrig nach Tanzmusik. Selbst Tanzveranstaltungen an Montagabenden waren brechend voll.

Selbst der Mitteldeutsche Rundfunk, bis zur Zentralisierung des DDR-Rundfunkwesens in Berlin 1952 in Leipzig, öffnete seinen großen Sendesaal. „Tanzmusik vor Mitternacht“ hieß die Sendung, in der Gerhard Collini mit seinen Kollegen spielte, selbstverständlich live wie alles, was damals über den Sender ging.

In den 50er-Jahren kam der Blasmusiker viel herum. In der DDR mit verschiedenen Orchestern, auch mit Kurorchestern an der Ostsee. Und auch im Westen. „Wir haben in Hamburg und auch in Österreich gespielt.“ Als die Mauer gebaut wurde, war Gerhard Collini in Bremen. Dass er wieder zurückging ins heimische Wurzen, hatte einen einleuchtenden Grund. „Ich hatte Familie.“

1970 dann ein Formationswechsel der besonderen Art. Gerhard Collini wurde Mitglied des Polizeiorchesters Leipzig, zog eine Uniform an und spielte neben Marschmusik, natürlich das, was er immer gespielt hatte – die ganze Bandbreite dessen, was es an Noten für Bläser gibt. Das Polizeiorchester verstummte im Zuge der Wiedervereinigung, für einen Mann wie Gerhard Collini konnte das natürlich nicht gelten. Er spielte weiter in diversen Gruppen. Seit 2001 unterrichtet er an einer Musikschule in Brandis und er ist auch heute noch ständig unterwegs. Sein Terminkalender ist voll. „Donnerstag ist ein einziger freier Tag.“ So steht er mit den Old Fair City Stompers auf der Bühne, tritt als Solist bei Familienfeiern auf und gehört zur Bläserformation der Wurzener Musikschule „Theodor Uhlig“, die von Roland Krause geleitet wird. Nach wie vor übt er täglich – und bei allem Können bleibt er bescheiden, wenn er gefragt wird, wie gut er sein Instrument beherrscht. „Beherrschen? Paganini hat sein Instrument beherrscht.“

Und so freut sich Gerhard Collini auf eine Session, zu der er Freunde und Bekannte an seinem 90. Geburtstag in den Landgasthof Deuben einlädt. Sein Name ist kein Künstlername. Collini ist echt, „mein Vater kam aus Südtirol“. Dass er sich seit einigen Jahren gar Gigi Collini nennt, hat er Peter Degner, dem Erfinder der Classic Open in Leipzig zu verdanken. Der kündigte ihn einst bei einen Soloauftritt so an – als Gigi Collini. Was folgte, war stürmischer Applaus des Publikum. Auf Gerhards Collinis Frage, warum er das gemacht habe, antwortete Degner glasklar: „Glaubst du, die Leute hätten gejubelt, wenn ich dich als Gerhard Collini aus Wurzen angekündigt hätte!“

Von Nikos Natsidis

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