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Gerichshain: Diskussion um Lärmschutz und Stadtvillen

Gerichshain: Diskussion um Lärmschutz und Stadtvillen

Volles Haus im Macherner Gemeinderat: Die Behandlung des Bebauungsplanes für das Wohngebiet Am Sportplatz in Gerichshain stieß am Montagabend auf unerwartet große Resonanz.

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Wird kräftig abgespeckt: Das Wohngebiet Am Sportplatz in Gerichshain soll um rund vier Hektar verkleinert werden. Mit neuen Regelungen will man den heutigen Bedürfnissen von Bauherren besser Rechnung tragen. Plan: Dr. Paatz und Partner

Quelle: Dr. Paatz und Partner

Machern/Gerichshain. Beinahe hätten die Zuhörer allerdings auf dem Absatz kehrtmachen müssen: Das Ortsparlament war nicht beschlussfähig.

Auf Vorschlag von Vize-Bürgermeister Klaus Zaspel (CDU), der die Sitzung leitete, gab Planer Wolfgang Paatz dennoch Erläuterungen und stand für Fragen der Einwohner zur Verfügung. Doch zuvor griff die Einsicht um sich, dass ein Beratungstermin in den Ferien durchaus ins Auge gehen kann.

Eigentlich gehören dem Macherner Gemeinderat einschließlich Ortschefin Doreen Lieder 17 Mitglieder an. Zwölf davon waren am Montagabend anwesend, fünf entschuldigt - was die Beschlussfähigkeit noch nicht tangiert hätte. Doch bereits im Vorfeld der Sitzung hatten sich drei Abgeordnete beim einzigen zu verhandelnden Tagesordnungspunkt für befangen erklärt. Zwei weiteren fiel ihre Befangenheit am Montag noch ein, so dass sich die Reihen weiter lichteten. Fünf Räte mussten schließlich im Zuschauerraum Platz nehmen.

Ferien-Termin geht ins Auge

"Somit", stellte Tagungsleiter Zaspel fest, "sind wir heute leider nicht beschlussfähig." Mindestens die Hälfte des Parlaments ist laut Gemeindeordnung für eine Abstimmung nötig. Ein kurzer und heftiger Wortwechsel entbrannte darüber, ob man dennoch auf Grund der zahlreich erschienenen Bürger wenigstens über die angedachte Änderung des B-Planes informieren sollte. "Wenn man die Ratssitzung in die Ferien legt und so viele Leute befangen sind, muss man sich dieses Risikos bewusst sein", argumentierte Gemeinderat Uwe Richter (Freie Wählergemeinschaft). Er verwies auf die Gemeindeordnung, die in so einem Fall die Einberufung eines neuen Beratungstermins zwingend vorschreibe. "Selbst auf die Gefahr hin, dass ich mir eine Dienstaufsichtsbeschwerde einhandele, bin ich dafür, dass wir den Punkt wenigstens informativ behandeln - schon aus Rücksicht auf die vielen Bürger, die heute erschienen sind." Planer Wolfgang Paatz erhielt schließlich grünes Licht für seine Erläuterungen und ging ausführlich auf die angedachten Änderungen im Gerichshainer Wohngebiet ein. Der Beschluss, hieß es, werde nachgeholt.

Der Gemeinderat hatte das Verfahren bereits zu Jahresbeginn neu aufgerollt. "Neben den Trägern öffentlicher Belange haben sich vor allem Bürger aus der bereits bestehenden Volkshaussiedlung zu Wort gemeldet", so Paatz. Weite Teile des Areals zwischen Bahnlinie und alter B 6 sind bereits mit Einfamilienhäusern bebaut. Um die Vermarktung der restlichen Flächen zu forcieren, sollen künftig auch neun zweigeschossige Stadtvillen erlaubt sein. "Zum anderen wird die bebaubare Fläche im Vergleich zum bisherigen Plan deutlich reduziert", erläuterte Paatz weiter. Dazu habe es im Vorfeld Gespräche mit Landesdirektion, Landratsamt und Planungsverband gegeben. Demnach werden im südwestlichen Teil 4,06 Hektar nunmehr nicht versiegelt und fallen aus dem Geltungsbereich des B-Planes heraus.

"Vor allem die neue Firsthöhe hat zahlreiche Kritiker auf den Plan gerufen", gab der Vertreter des Planungsbüros Dr. Paatz und Partner Auskunft. Bisher dürfen die Bauten nur bis zu einer Firsthöhe von 8,50 Meter reichen. Die neue Planung hingegen sah 11,50 Meter vor. "Dadurch befürchteten Nachbarn eine Verschattung ihrer Grundstücke und eine Wertminderung." Diese Bedenken habe man aufgegriffen und schlage eine maximale Firsthöhe von neun Metern vor. Dadurch werden die neuen Häuser nur bis zu einem halben Meter höher. "Das geht ja", raunte es zustimmend von den Bänken. Auch die Stadtvillen sollen nicht wie ursprünglich geplant in den Himmel wachsen. Auch sie wurden nach Protesten auf neun Meter First beschränkt. Laut Paatz würden die Stadtvillen, die bisher nicht zulässig waren, das Wohngebiet bereichern und seien auch stark nachgefragt. Man habe sie bewusst in einem Bereich angeordnet, wo das Gelände ohnehin etwas abfalle.

Gutachten zu Lärmschutz geplant

Für Diskussionen sorgte vor allem das Thema Lärm. Zur ICE-Trasse hin grenzt ein Schutzwall das Wohngebiet ab, der der Siedlung den Namen "Wallhausen" eintrug. Der Wall sei bisher nur in Rudimenten vorhanden und müsse der neuen Situation angepasst werden, so der Planer. Die ursprüngliche Fassung aus den 1990er Jahren sah eine Fortführung der Erdbarrikade in Richtung S-Bahnhof Gerichshain vor, an der westlichen Bebauungsgrenze sollte der Wall dann im rechten Winkel nach Norden abknicken. "Welche Lösung nun die beste ist, muss ein Sachverständigengutachten zeigen", stellte Paatz in Aussicht. Eventuell müsse der Plan dann noch einmal neu ausgelegt werden.

Abgelehnt wurde der Wunsch, eine zweite Straßenanbindung für das Wohngebiet mit insgesamt rund 200 Grundstücken zu schaffen. Dazu, so die Vorstellung einiger Bewohner, sollte der bereits existierende Pfad für Fußgänger und Radfahrer zur alten B 6 hin auch für Autos geöffnet werden. "Diesem Ansinnen können wir nicht entsprechen. Schließlich konnten die Bauherren davon ausgehen, dass vor ihrer Haustür keine Straße entsteht. Diesen Vertrauenschutz müssen wir beachten." Kein Weg führe auch am Lückenschluss des Johannesringes vorbei. "Die Schließung des Ringes war an dieser Stelle schon immer vorgesehen und wird so realisiert." Etwas nachgiebiger zeigt man sich bei der Zaunhöhe. Die soll künftig statt 1,20 Meter bis zu 1,40 betragen dürfen. Die Metallvariante bleibt allerdings weiter tabu.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.10.2013
Simone Prenzel

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