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Gerichshainer testen, was auf die Äcker kommt

Gerichshainer testen, was auf die Äcker kommt

Es kreucht und fleucht am Rande des Gerichshainer Gewerbegebietes. Im modernen Labor- und Untersuchungsgebäude der BioChem agrar GmbH wird an hochsensiblen Kleinstlebewesen getestet, ob landwirtschaftliche Präparate nach Jahren der Forschung zugelassen werden können.

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Musterung: Regenwürmer eignen sich als Testorganismus besonders gut, da sie auf Schadstoffe im Boden sensibel reagieren.

Quelle: Andreas Röse

Machern/Gerichshain. "Regenwürmer werden von uns als Testorganismus bevorzugt", berichtet Joachim Winkler, technischer Geschäftsführer der Firma. Sie würden besonders sensibel auf Schadstoffe reagieren. Deshalb sind die glitschigen Probanden ein guter Gradmesser, um zu beurteilen, ob etwa ein neues Pflanzenschutzmittel die Freigabe erhält. "In unserem Haus werden international standardisierte Tests durchgeführt", erklärt Winkler weiter. Der Bedarf an Umweltverträglichkeitsprüfungen, einem Hauptstandbein von BioChem, habe dabei in den vergangenen Jahren stetig zugenommen.

Die Voraussetzung, dass in Gerichshain auf international hohem Niveau analysiert wird, versteckt sich im Keller. In vier Klimakammern laufen parallel Testreihen, alle genauestens überwacht und protokolliert. In den hermetisch abgeriegelten Zellen herrschen konstante Bedingungen: "Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Beleuchtung - all diese Parameter können wir über Wochen auf gleichem Niveau halten." Mit der Ausstattung, die allein rund 300 000 Euro kostete, sei man der Konkurrenz ein gutes Stück voraus.

In einer der vier Kammern tummeln sich Regenwürmer. Für vier Wochen heißt es für die grau-braunen Probanden: ab ins Einweckglas. Hier wird das Prüfmittel des jeweiligen Auftraggebers in verschiedenen Konzentrationen getestet. Bei der anschließenden Wurm-Musterung wird festgestellt: Ist der kleine Erdling agil? Hat etwa seine Fortpflanzungsfähigkeit gelitten? "Denn bei den Tests spielt auch eine Rolle, ob die nächste Generation noch fidel ist", wie der Firmenchef erläutert. Die Probanden überstehen das Prozedere in der Regel gut. "90 Prozent der Tiere verlassen unser Haus lebend." Sie werden auf dem firmeneigenen Kompost ausgesetzt oder einfach in die freie Natur entlassen.

Seit Jahrzehnten im Geschäft, kann der Großsteinberger beurteilen, was auf den Äckern landet: "Pflanzenschutzmittel", ist er überzeugt, "sind die am besten untersuchten Substanzen, die in die Umwelt ausgebracht werden."

Die meisten ihrer Versuchstiere züchten die Gerichshainer selbst. Marienkäfer, Florfliegen, Laufkäfer und Kurzflügler werden aufgepäppelt, auch Springschwänze und wannenweise Regenwürmer. Bei der Aufzucht der anspruchsvollen Marienkäfer haben die Mitarbeiter ein ganz eigenes Rezept entwickelt: "Die Käfer können sehr mäkelig sein, deshalb züchten wir extra Blattläuse - das ist ihre Lieblingskost", weiß der diplomierte Agraringenieur.

Dass sich das Unternehmen einmal so erfolgreich entwickeln würde, habe anfangs niemand zu hoffen gewagt. "Die meisten von uns waren früher in Cunnersdorf beschäftigt. Als es dort keine Perspektive mehr gab, sind wir einfach ins kalte Wasser gesprungen und haben 1991 unsere eigene Firma gegründet", blickt der 63-Jährige zurück. Mit Walter Massmann von der BioChem in Karlsruhe habe man damals als Partner einen Glücksgriff getan. Im Jahr 1999 folgte die Gründung der BioChem agrar als eigenständige GmbH. Für die Zukunft sei die Errichtung einer Stiftung geplant, um die weitere erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens zu garantieren.

Mittlerweile hat sich die Zahl der Mitarbeiter von anfangs 20 auf über 80 erhöht. Zum Stamm gehören Biologen, Chemiker, Laboranten, Techniker und Agraringenieure. Erst vor zwei Jahren übernahmen die Gerichshainer einen weiteren Standort mit zehn Beschäftigten am Niederrhein. Zu den Auftraggebern zählen Chemie-Multis, die international agieren. Deshalb kommen Aufträge zum Beispiel auch aus Amerika, Kanada oder Israel.

Und auch diese Zahl nennt Joachim Winkler mit Stolz: "2011, im Jahr unseres 20-jährigen Bestehens, konnten wir erstmals die Umsatzgrenze von fünf Millionen Euro überschreiten. Im Vorjahr wurde der Umsatz auf fast zehn Millionen verdoppelt." Um weiter wachsen zu können, erwarb die Firma eine angrenzende Fläche im Gerichshainer Gewerbegebiet. Voraussichtlich 2014 sei hier die Errichtung weiterer Laborgebäude geplant.

 

 

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.10.2013
Simone Prenzel

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