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Wurzen Gericht verhandelt Körperverletzung in Cannewitz
Region Wurzen Gericht verhandelt Körperverletzung in Cannewitz
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15:51 17.07.2015
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Nerchau/Mutzschen

Ein mehrfach vorbestrafter 23-Jähriger, der zuletzt als Baumfäller arbeitete, hatte seine rohen Kräfte nicht im Zaume.

Der Junge relativierte vor Gericht seine Aussagen, die er unmittelbar nach dem Übergriff gegenüber der Polizei gemacht hatte. Der Mann habe ihm zwar einen Schlag auf die Schläfe verpasst. Allerdings trug er nur eine leichte Schwellung davon. "Nein, Schmerzen im Genick hatte ich nicht, und ich bin auch nicht umgefallen." Der Junge sei völlig aufgelöst zu Hause angekommen, berichtete sein Vater, der damals Strafanzeige stellte und nun als Zeuge geladen war.

Der Täter fand keinerlei Worte der Entschuldigung. Im Gegenteil, er habe den Burschen lediglich geschubst: "Wir standen zu viert am Denkmal in Cannewitz. Plötzlich kommt ein Radfahrer ohne Licht vorbei. Was das soll, wollte ich wissen. Daraufhin beschimpfte der uns als Vollidioten." Mit dem Auto seines Kumpels nahm der Mann als Beifahrer die Verfolgung des Jungen auf. "Ich stieg aus und wollte ihn zur Rede stellen. Dabei habe ich gesehen, dass es sich noch um ein Kind handelt. Und ich vergreife mich grundsätzlich nicht an Kindern."

Haben Sie den Jungen nun geschlagen oder nicht, wollte Richter Jürgen Weise wissen. "Natürlich nicht. Ich habe ihn höchstens weggeschubst, angetatscht." Auf die Frage, warum er überhaupt jemanden antatsche, wiederholte der Angeklagte: "Er kam doch ohne Licht. Und er hatte uns beleidigt." Der Junge gab an, von seiner Freundin aus Zschoppach über Ragewitz, Gastewitz, Löbschütz und eben Cannewitz nach Fremdiswalde geradelt zu sein. Mit seinem Handy hörte er Musik, die bei der Denkmals-Clique offensichtlich nicht auf Gegenliebe stieß. Warum er bei der Polizeivernehmung etwas andere Aussagen gemacht hatte, wollte das Gericht wissen. "Hingefallen war ich nicht. Ich hatte das Protokoll wohl nicht richtig gelesen. Aber ich hatte Angst, hielt mich am Rad fest und duckte mich ab."

Während die Freundin des Täters wiederholte, der Junge habe die Vier vom Denkmal als Vollidioten beschimpft, konnte sich der Kumpane des Baumfällers, der das Auto fuhr, an nichts mehr erinnern. Nur eines stand für ihn felsenfest. Sein Kumpel habe den Jungen nicht geschlagen. "Er tut keiner Fliege was zu Leide. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer." Der Auszug aus dem Bundeszentralregister hörte sich da etwas anders an: Fahren ohne Fahrerlaubnis, Diebstahl, Beleidigung, Körperverletzung, versuchter Raub - insgesamt acht Delikte kamen zur Sprache. Zum Tatzeitpunkt stand der Angeklagte unter Bewährung.

Da jetzt keine Saison für Baumeinschlag sei, bemühe er sich um einen neuen Job, sagte der arbeitslose Mann, der sich selber als "stattlich gebaut" beschreibt. Das sah die Staatsanwaltschaft offenbar ähnlich: "Bei Ihrem Naturell wird es wohl nicht nur eine Watsche gewesen sein. Der Schlag auf die Schläfe ist nicht zu tolerieren." Obwohl der Verteidiger des Angeklagten nach der relativierten Aussage des Jungen auf Freispruch plädierte, beantragte der Staatsanwalt wegen vorsätzlicher Körperverletzung eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen á zehn Euro.

In seinem Urteil bestätigte Richter Weise das Strafmaß: "Nirgendwo wird so viel gelogen wie vor Gericht, hat mal ein schlauer Mensch gesagt." Ganz in diesem Sinne bezeichnete Weise vor allem die Einlassungen des Kumpanen am Steuer als wenig glaubwürdig. Nicht im Geringsten bezweifele er dagegen die Aussage des geschlagenen Jungen.

Haig Latchinian

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