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Wurzen Gesetzeshüter urteilen im Schloss
Region Wurzen Gesetzeshüter urteilen im Schloss
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16:14 18.01.2013
Katja Kohlschmid ist die neue Direktorin im Grimmaer Amtsgericht. Von ihrem Büro im Schloss blickt sie auf die Mulde Quelle: Frank Schmidt
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Grimma

Wie ihre Kollegen vom Amtsgericht Wurzen und Grimma steckt der einst in Oschatz tätigen Juristin der Umzug noch in den Knochen. „Jetzt müssen wir zusammenwachsen", so die neue Chefin im Amtsgerichtes.

Obwohl die 47-Jährige ohne Zweifel einen der schönsten Arbeitsplätze in der Muldestadt hat, ist ihr Büro schlicht eingerichtet. Helles Mobilar und dunkle Stühle dominieren auf rund 20 Quadratmetern. Sensationell der Blick aus den Fenstern, die am Giebel des Schlossflügels zahlreich sind. Das Auge schweift über die Dächer der Altstadt, nimmt die Strömung der Mulde auf und hält erst wieder an der Pöppelmannbrücke inne. Noch stapeln sich die Akten nicht auf dem Schreibtisch, wie es Bilder aus dem Fernseh-Tatort suggerieren. „Wir sind gerade erst angekommen" erklärt Kohlschmid. Sie habe zwar schon jeden Mitarbeiter begrüßen können. „Aber wir sind noch in der Findungsphase."

Die Fusion der Amtsgerichte und die Konzentration der Behörde in Grimma ist eine Konsequenz aus der Strukturreform in der Justiz. Die Standortscheidung für Grimma erleichterte eine Immobilie, die im Besitz des Freistaates ist – das Schloss. Seit 2010 sanierte der Staatsbetrieb Sächsisches Bau- und Immobilienmanagement (SIB) das Gebäude. Rund 14,5 Millionen Euro flossen in die Ertüchtigung der denkmalgeschützten Gemäuer und in die Ausrüstung als moderne Justizbehörde.

Noch stapeln sich die leeren Umzugskartons auf den Fluren im Schloss. Aber die 65 Mitarbeiter des Amtsgerichtes, darunter zehn Richter und sechs Gerichtsvollzieher, sind bereits zum Tagesgeschäft übergegangen. So auch Katja Kohlschmid, die künftig zwei Aufgaben übernimmt. Sie wird als Richterin urteilen und verurteilen. Parallel dazu erledigt sie die Aufgaben, die mit der Leitung des Amtsgerichtes anfallen. Erfahrungen bringt sie mit. Die ehemalige Direktorin im Amtsgericht Oschatz ist mit der Führung eines Gerichtes vertraut. Als Wegbereiterin der Zusammenlegung von Oschatz und Torgau weiß sie um die Gemütslage der Mitarbeiter, die sich verändern müssen. „Eine Herausforderung ist jetzt, die Wurzener zu integrieren", sagt die gebürtige Hessen. Aber sie sei zuversichtlich, dass dies gelinge.

Während der eine oder andere Mitarbeiter ihres Hauses jetzt einen Fahrtweg zur Arbeit auf sich nehmen muss, ist Kohlschmid ihrem Traumjob ein ganzes Stück näher gekommen. Nachdem sie sich in Oschatz selbst abgewickelt hat, schrieb die seit 1993 in der sächsischen Justiz tätige Richterin Bewerbungen. „Grimma war immer meine erste Wahl", sagt die gebürtige Hessin. Seit vielen Jahren fühle sie sich mit ihrem Lebenskameraden in Wetteritz bei Mutzschen zu Hause. „Man ist mit der Region stärker verbunden, wenn man dort auch arbeitet", so die schlanke Frau.

Der neue Justizbau an der Mulde ist ihr inzwischen vertraut. „Mit dem historischen Sitzungssaal verfügen wir über einen äußerst repräsentativen Raum", stellt Kohlschmid fest. Hier agiert sie jeden Montag, ihrem Sitzungstag, in der Richterrobe. Für die Richterin hat Unabhängigkeit Priorität. „Ich bin eher geneigt, Sachen vollständig aufzuklären", sagt sie in Hochdeutsch. Wenn es dazu beitrage, dann höre sie liebe mehr, als weniger Zeugen.

In der Rolle als Schlossherrin hält sich Kohlschmid dagegen zurück. Sie schwärmt zwar von architektonischen Details wie dem Kreuzgewölbe in der Bibliothek. Aber zum Repräsentieren im Haus bleibt vorerst kaum Zeit. „Als Amtsgericht wollen natürlich wir auf die Region ausstrahlen", versichert die adrett gekleidete Richterin. Eine Gelegenheit dazu bietet spätestens die offizielle Übergabe des Schlosses, möglicherweise durch Finanz- und Justizminister des Freistaates im Frühjahr.

Birgit Schöppenthau

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