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Wurzen Neues Baugebiet und Straßentaufen in Altenbach
Region Wurzen Neues Baugebiet und Straßentaufen in Altenbach
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08:06 06.12.2018
Im Beisein von Susanne und Stefan Kolditz (2.u.3.v.r.) weihten Investor Thomas Müller (4.v.r.) und Bürgermeister Bernd Laqua (r.) das neue Baugebiet ein. Quelle: Ines Alekowa
Bennewitz/Altenbach

Sektlaune am Dienstag in Altenbach-West: Die TM Grundstücksentwicklungsgesellschaft und die Gemeindeverwaltung Bennewitz hatten künftige Bauherrn und Altenbacher zur Einweihung des Baugebietes zwischen Altenbach und Neualtenbach eingeladen. Auf drei Hektar werden 20 Einfamilienhäuser auf 900 bis 1200 Quadratmeter großen Grundstücken entstehen. „Wir wollen ländliches Wohnen ermöglichen“, sagte Investor Thomas Müller. Nur noch sechs Grundstücke sind zu vergeben.

„Ein Baugebiet mit Seeblick“, schaute Bürgermeister Bernd Laqua aufs Schachtloch gegenüber. Die alte Tongrube bot ihm Anlass, in die Geschichte des Ortes zu blicken. 1421 habe dieser gerade mal 14 Einwohner gehabt, sei lange von Leulitz abhängig gewesen, einmal völlig abgebrannt. Noch weiter zurück ging Müller, der sich bei der Gemeinde für die freundliche Unterstützung des Vorhabens bedankte.

Grabungen verzögerten Bauplanung

Regisseur Gottfried Kolditz (links) bei den Dreharbeiten zu "Ulzana". Quelle: DEFA-Stiftung, Eberhard Daßdorf

Trotzdem vergingen seit dem Ratsbeschluss im Herbst 2015, einen Bebauungsplan aufzustellen, bis Erschließungsbeginn im Sommer drei Jahre. Nicht zuletzt hatten archäologische Grabungen viel Zeit in Anspruch genommen. „Mehrere Kisten Scherben wurden aus dem Boden geholt. Es waren die teuersten Scherben meines Lebens“, scherzte Müller und fügte in Richtung der Bauinteressenten hinzu: „Sie sind also nicht die ersten, schon vor 3000 Jahren, in der Eisenzeit, wurde an dieser Stelle gesiedelt.“

Höhepunkt war die Namensgebung für die beiden Straßen. Das war auch für Laqua eine Premiere. Er freute sich, hier nicht den x-ten Amselweg freizugeben, sondern „eine Straße mit dem Namen einer Person, die aus Altenbach kommt und in dessen Geschichte eingegangen ist“ – Gottfried Kolditz. Der spätere Defa-Regisseur wurde am 14. Dezember 1922 in der Pausitzer Straße 2 (früher Nr. 15) als Sohn des Gerichtsschreibers Alfred Kolditz und der Näherin Frieda geboren.

Filmregisseur Gottfried Kolditz

Gottfried Kolditz zählt zu den vielseitigsten Regisseuren seiner Generation. In den 1950er-Jahren arbeitete er zunächst an den Bühnen in Rostock, Dresden, Karl-Marx-Stadt (Chemnitz), bevor er 1956 zum Film und zur DEFA wechselte, wo er 1961 fest angestellt wurde.

In seinem 20-jährigen Schaffen finden sich fast alle Genres des populären Kinos: Zu seinen bekanntesten Werken zählen die Indianerfilme mit Gojko Mitić („Apachen“, „Ulzana“), Märchenstreifen wie „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ und die Science-Fiction-Filme „Signale – Ein Weltraumabenteuer“ und „Im Staub der Sterne“. Kolditz war außerdem als Drehbuchautor tätig – so stammt von ihm beispielsweise die Idee zur Heinz Erhardt-Komödie „Drillinge an Bord“.

Populäre DDR-Filme von Gottfried Kolditz

„Kolditz hat die kleine DDR mit seinen Filmen in der Welt bekannt gemacht“, erinnerte Laqua an Indianerfilme wie „Ulzana“ oder Märchen wie „Frau Holle“. „Es war richtig von der Initiativgruppe Dorfkirche, nicht locker zu lassen“, sagte er. Diese hatte nach Entdeckung des berühmten Namens in Aufzeichnungen schon vor Jahren angeregt, Kolditz' mit einer Straße zu gedenken.

Kinder von Kolditz als Ehrengäste

Zur Enthüllung des Schildes waren Kolditz’ Kinder Stefan und Susanne gekommen. „Ich hoffe, dass Sie ein persönlicheres Gefühl für den Weg haben werden, wenn sie nach Hause gehen“, leitete Stefan Kolditz eine kurze Betrachtung zu seinem Vater ein. „Ich war fünf, als ich das erste Mal ins Kino gehen durfte“, erzählte er – zur Premiere von Schneewittchen. „Nach dem Film trat ein Mann auf die Bühne, der fast zwei Meter groß war – mein Vater.“ Das war 1961. „Er war damals keine 39 Jahre alt. Und er hatte nur noch 20 Jahre zu leben.“

Trotzdem sei Kolditz einer der produktivsten Regisseure seiner Zeit gewesen. Auch seine Komödien und Science Fiktion-Filme seien „in das kollektive Gedächtnis von zwei oder drei Generationen eingegangen“, sagte er. „Susanne und ich freuen uns sehr, dass es diese bleibende Ehrung unseres Vaters im Ort gibt und bedanken uns dafür ausdrücklich.“

In der Pausitzer Straße 2 befindet sich das Geburtshaus von Gottfried Kolditz. Sein Großvater, Richard Mengewein, hatte das Haus und die Gastwirtschaft vermutlich 1913 übernommen. Quelle: Postkarte von 1926

Weitere Straße nach Marcel Proust benannt

Auch Stefan Kolditz (62) hat einen künstlerischen Beruf gewählt – im zweiten Anlauf. „Es war nicht so, dass mein Vater mich angeregt hätte, in die Filmbranche zu gehen. Er hat mich auch nie ans Set mitgenommen.“ Erst nach einem abgebrochenen Mathestudium habe er begonnen, Drehbücher zu schreiben. „Das war definitiv die bessere Entscheidung.“ Aus seiner Feder stammt unter anderem das Skript zu „Unsere Mütter, unsere Väter“ (2013).

Die zweite Straße wurde nach dem französischen Schriftsteller Marcel Proust („Suche nach der verlorenen Zeit“) benannt. Als der 1922 starb, wurde Kolditz geboren. „Die Straßen sollen die Brücke schlagen zwischen Vergangenheit und Zukunft, die hier für 20 Familien liegt“, wünschte sich Müller. Ariane und Johannes Busch greifen als erste zum Spaten, am Nikolaustag. Die Wurzener kehren nach zehn Jahren in Leipzig wieder zurück ins Muldental. „Bennewitz ist eine schöne Gemeinde mit vielen jungen Familien“, begründeten sie ihre Wahl.

Die neue Straße im Baugebiet zwischen Altenbach und Neualtenbach erhielt den Namen des Defa-Spielfilmregisseurs. Quelle: Ines Alekowa

Von Ines Alekowa

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