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Wurzen Graffiti machen Brandis bunt
Region Wurzen Graffiti machen Brandis bunt
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22:05 05.11.2018
Schulzentrum Brandis: Kinder gestalten die Bushaltestellen mit Graffiti. Quelle: Ines Alekowa
Brandis

„Brandis wird bunt", freute sich Bürgermeister Arno Jesse (SPD), als er am Sonnabendvormittag an der Bushaltestelle am Schulzentrum vorbeischaute. Ein Dutzend Mädchen und Jungen, in schützende Regencapes gehüllt, behandschuht und mit Mundschutz, hatten sich mit Farbsprühdosen bewaffnet und gestalteten die drei Wartehäuschen. „Die Bushaltestellen werden immer wieder beschmiert, auch mit rechtsradikalen Parolen“, erklärte Jesse. „Wir hoffen, dass das aufhört, wenn sie gestaltet sind. Ganz davon abgesehen, dass das eine prima Aktion ist“, lobte er, dass die Sozialarbeiter die Stadt hier hilfreich zur Seite stehen.

Die Bushaltestellen am Schulzentrum Brandis sorgen jetzt für Aufsehen. Mit Hilfe eines Profis gestalteten Brandiser Schüler die Wände bunt.

Akteure kommen aus verschiedenen Netzwerken von Brandis

Die Stadt hatte alle Akteure in der Jugendsozialarbeit aufgerufen, zu überlegen, was man gegen die Schmierereien tun könnte. „In unserem Netzwerk entstand dann die Graffiti-Idee“, erzählten Julia Roth, die Leiterin des Arbeiterwohlfahrt-Freizeittreffs „Mauerwerk“, und Patrizia Hartmann, die das Projekt „Jugend bewegt Brandis“ koordiniert. In dem Programm „Jugend bewegt Kommune“ ist Brandis seit 2014 sächsische Modellkommune. Ziel ist hier unter anderem, die Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit bedarfsgerecht zu stärken und bestehende zu vernetzen.

Die Sozialarbeiter riefen in den Schulen, im „Mauerwerk“ und im Rathaus per Flyer zu einer Graffiti-Jam auf. „Und natürlich sind wir mit den Kindern und Jugendlichen auch über Facebook und Instagram im Kontakt und haben für die Veranstaltung geworben“, sagte Roth. Mit der Resonanz zeigte sie sich sehr zufrieden. „Das sind mehr Teilnehmer, als wir erwartet haben. Und auch die Mischung ist gut, unter den Zehn- bis 14-Jährigen sind Gymnasiasten, Oberschüler und auch Kinder, die wir im Mauerwerk betreuen. Das war auch das Ziel, die Haltestelle in einem schulübergreifenden Projekt zu gestalten, denn sie wird ja auch von allen Schülern des Schulzentrums täglich genutzt.“

Graffitikünstler steht den Jugendlichen zur Seite

Mit Lino Sayah hatten sie sich einen Fachmann für das von der Aktion Mensch geförderte Vorhaben an die Seite geholt. Der Ethnologiestudent ist freiberuflicher Graffitikünstler und hatte erst vor Kurzem mit einem Workshop an der Lernförderschule im Wurzener Ortsteil Burkartshain auf sich aufmerksam gemacht.

Drei Haltestellen – drei Themen

Los ging es bereits am Freitag nach der Schule. Nach einer Vor-Ort-Besichtigung brachte die Gruppe zunächst ihre Ideen zu Papier. „Wir haben dann mit den Kindern überlegt, welche davon wir umsetzen, und diese in drei Themenbereiche für die drei Unterstände eingeteilt“, so Hartmann – Schriftzug, Nintendo und Freestyle. Die groben Umrisse waren am Sonnabendvormittag schon gut zu erkennen. „Am Anfang sieht ein Graffito immer ziemlich chaotisch aus, aber jetzt wird es langsam“, freute sich Sayah. Schließlich sei es für einen Ungeübten gar nicht so einfach, aus der Armbewegung zu sprühen und einen Entwurf unter Beibehaltung der Proportionen zu vergrößern.

„Die Kinder wurden sozusagen ins kalte Wasser geworfen, aber sie zeigen Geschick“, lobte er. Fiona Junge und Lilly Stützke beispielsweise sprühten eine Notensammlung an die Wand. „Wir mögen beide Musik und tanzen auch“, erklärten sie. Linus Moske hingegen hat schon etwas Erfahrung. Der Siebtklässler war zwei Jahre lang Mitglied der ehemaligen AG Graffiti am Gymnasium. „Die Haltestelle sah wirklich nicht mehr schön aus“, begründete der Gymnasiast, der von hier jeden Tag nach Naunhof fährt, warum er mitmacht. Er hatte sich Motive aus dem Nintendospiel ausgesucht. „Die Charaktere sind nicht zu simpel, sie kennt und mag jeder“, meint er. Wenn die Schüler auf den Bus warten, haben sie so künftig etwas zu „gaffen“ – nicht ohne Absicht hält sich das „r“ in Graffiti zurück.

Von Ines Alekowa

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