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Großzschepaer Glocke: Bronzegreis muss zum Röntgencheck

Dorfkirche Großzschepaer Glocke: Bronzegreis muss zum Röntgencheck

Der Dachstuhl des Kirchturmes in Großzschepa ist verwaist. Denn die neun Zentner schwere Bronzeglocke musste aufgrund eines Risses zum Röntgencheck und zur Reparatur. Bei der Inspektion im Vorab entdeckte Pfarrer Marin Carlitz sogar, dass das Geläut weitaus älter ist als bisher angenommen – nämlich fast 600 Jahre.

Innenraum der Dorfkirche Großzschepa: Der Vorgängerbau des Gotteshauses entstand im 11.Jahrhundert, wie Funde einer Suchgrabungen 1992 ergaben.

Quelle: Foto: Kai-Uwe Brandt

Lossatal/Grosszschepa. Wie alt die Kirche in Großzschepa ist, weiß Heimatchronist Gerold Aé nicht zu sagen. Die Anfänge liegen jedenfalls im 11. Jahrhundert. Dass die Glocke im Turm des Gotteshauses aber 55 Jahre mehr auf dem Buckel hat als bisher angenommen, diese Entdeckung verdankt das Dorf dem Missklang des Geläuts – verursacht durch einen Riss im bronzenen Koloss. „Bislang sind wir immer von der Jahreszahl 1494 ausgegangen“, erzählt der 82-Jährige und fügt im gleichen Atemzug das neue Datum an: „Der Guss erfolgte jedoch schon eher. Nämlich 1439.“

Den Lapsus merzte übrigens Pfarrer Martin Carlitz bei seiner Inspektion des defekten Klangkörpers aus. Die von ihm entzifferte Inschrift lässt keinen Zweifel. Insofern gehört das neun Zentner schwere Stück mit beinahe 600 Jahren und den exakten Maßen von 74 Zentimetern in der Höhe und 95 Zentimetern in der Breite zu den ältesten Glocken im Muldentaler Raum. Und musste nun aber dringend zum Röntgencheck und zur Reparatur nach Franken.

Eigens hierfür wurde erst kürzlich ein Lastwagen mit Kranaufsatz nach Großzschepa beordert, um den Patienten aus dem gut 13 Meter hohen Dachstuhl des Turmes auf die Ladefläche zu hieven. Neben Aé verfolgte ebenso Jürgen Schmidt, Vorsitzender des Fördervereins Rittergut Großzschepa und Ex-Oberbürgermeister von Wurzen, das Geschehen vor Ort. „Das ist schließlich eine einmalige Gelegenheit, die Glocke im Ganzen zu betrachten, die ja nun seit über zwei Jahren schweigt“, begründet er seine Neugierde. An und für sich, erzählt Schmidt weiter, sei der Glockenstuhl für drei Glocken vorgesehen gewesen und zeigt dabei auf die Kerben auf dem Glockenjoch. Die beiden Kleineren verschwanden 1864, die Große überstand die Wirren der Zeit und beide Weltkriege wohl wegen ihres greisen Alters. „Obwohl sie 1916 beschlagnahmt wurde und 1942 gerade so dem Einschmelzen entging“, fügt Fachmann Aé an.

Heute schmückt die Stundenglocke des ehemaligen Rittergutsturmes unweit vom Schallloch das Gebälk. „Wir retteten sie mit dem Abbruch des Herrenhauses Ende 2013/Anfang 2014 und brachten sie hierher“, berichtet Schmidt.

Die Untersuchung des Großzschepaer Schatzes durch den Glockensachverständigen des Regionalkirchenamtes Leipzig, Roy Kreß erfolgte unter anderem bereits im Juli des Vorjahres. Januar 2015 lag dann seine Expertise vor, welche einmal mehr die kunsthistorische Bedeutung unterstrich. Insbesondere deshalb, weil die Zahl der erhaltenen vorreformatorischen Glocken in der Region durch den Verlust während der beiden Weltkriege sehr gering ist.

Reparatur kosten circa 18 000 Euro

Laut Pfarrer Carlitz betrage das Kostenangebot für Röntgen und Reparatur derzeit 18 000 Euro. Die Landeskirche bezuschusst das Vorhaben mit 8000 Euro und über die Denkmalpflege des Landkreises soll gleichfalls Geld fließen. Wie viel, könne er momentan nicht sagen. Auf jeden Fall läge eine Zusicherung vor. Zur Gesamtinvestitionssumme gehöre überdies die Erneuerung des Glockstuhles und des Fußbodens mit Holzbohlen. Darüber hinaus, so Carlitz, sorgten Spender für 880 Euro. „Der Eigenanteil wird aber sicherlich 5000 bis 6000 Euro betragen.“

Von Kai-Uwe Brandt

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