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Gründer einer Feuerwehrdynastie

Gründer einer Feuerwehrdynastie


Brandis. Er hat Feuer gelöscht und verhindert, sich in unzähligen Einsätzen bewährt, war insgesamt 30 Jahre lang Wehrleiter und ist seit 70 Jahren Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Brandis: Gerhard Germer hat viel erlebt, viel gemeistert und war dabei stets mit Leib und Seele Feuerwehrmann.

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Sieben Jahrzehnte bei der Feuerwehr – eine so lange Mitgliedschaft ist selten und wurde deshalb auch besonders gewürdigt: Gerhard Germer erhielt von Sachsens Landespolizeipräsident Bernd Merbitz für 70 Jahre Dienst in der Ortswehr Brandis das Ehrenkreuz des Kreisfeuerwehrverbandes Landkreis Leipzig. Der 85-Jährige Germer erinnert sich noch an die ersten Jahrzehnte: Als erwachsene Männer auf Befehl in den Krieg zogen, wurden in der Feuerwehr tüchtige junge Leute wie der damals 15-jährige Gerhard gebraucht. „Hugo Schmidt hat mich damals zum Feuerwehrmann gemacht. Er war mein Ausbilder." Mit nur 24 Jahren wurde Gerhard Germer selbst Wehrleiter. Natürlich war die Ausrüstung in den Fünfzigern mehr als mangelhaft. „Teilweise hatten wir nur ein Löschfahrzeug." Überhaupt sei es schwierig gewesen, die notwendige Technik zu beschaffen. „Es fehlte an allen Ecken und Enden. Ausgerückt sind wir dennoch immer pünktlich. Besonders zu Bränden an den Bahnstrecken wurden wir oft gerufen. Kam der Funkenflug der Dampfloks und lange Dürre auf den Feldern oder in den Wäldern zusammen, entstanden oft Brände. Das konnte schnell gefährlich werden: Feuer kann ja unterirdisch weiter laufen." Auch an das Hochwasser von 1954 kann sich Gerhard Germer noch gut erinnern: „Wir waren nicht darauf eingestellt, aber was wir tun konnten, wurde gemacht. Schwere Verkehrsunfälle hatten wir damals so gut wie keine. Dennoch hat es Einsätze gegeben, die an die Grenzen unserer Kräfte gingen."

Und sicher hat Feuerwehrmann Germer auch oft „mit nur einem Ohr geschlafen". „Ging dann die Sirene, standen wir drei Kinder schon bereit", erzählt Tochter Renate Heide. „Einer von uns holte die Kombi, der zweite die Stiefel. Vater brauchte nur noch reinzuschlüpfen. Und das Fahrrad stand auch schon parat. Dauerten die Einsätze länger, haben wir Getränke rausgeschafft. Zusammen mit unserer Mutter Ruth waren wir eine richtige Feuerwehrfamilie. Mutter hat sich in der Frauengruppe für den vorbeugenden Bandschutz engagiert. Die Frauen haben sich Wohnungen angesehen und beispielsweise darauf geachtet, dass immer ein Blech vor den Öfen lag und Wäsche nicht direkt über ihnen getrocknet wurde. Verantwortliches Handeln und gute Kameradschaft ist für unseren Vater sehr wichtig: ,Man muss für die Gesellschaft auch etwas tun. Dabei könne man nicht immer einer Meinung sein, aber es muss vorwärts gehen.’ Diese Haltung hat uns Kinder sehr geprägt", ist sich Renate bewusst. Und so ist es kein Wunder, dass die von Gerhard Germer begonnene Feuerwehrdynastie von Kindern und Enkelkindern fortgesetzt wird.

Renate, die Mathematikerin, hilft bei Verwaltungsarbeiten und unterstützt die Öffentlichkeitsarbeit der Feuerwehr; Karsten Germer, der Sohn, ist technischer Angestellter und in seiner Freizeit ebenfalls in blauer Uniform unterwegs; ebenso wie Enkel Alexander Germer, der als stellvertretende Wehrleiter für Ausbildung verantwortlich ist. Ihre Ehefrauen, Christine und Stefanie, sind selbstverständlich ebenfalls aktiv dabei und haben schon viele Pokale und Urkunden im Feuerwehrsport nach Brandis geholt – mit den Urenkeln wird die nächste Generation der Floriansjünger heranwachsen. Pflegt Gerhard Germer noch eine andere Leidenschaft neben der Feuerwehr? „Der Garten, wenn es geht krabble ich dort rum", sagt der 85-Jährige ehemalige Gärtner auf Anhieb. Und Tochter Renate fügt lachend hinzu: „Wenn wir früher spazieren gingen und irgendwo in der Stadt Unkraut stand, hat er es rausgezupft." Ganz so aktiv ist der verdiente Kamerad naturgemäß nicht mehr. „Aber er verfolgt das Geschehen", berichtet Renate Heide. „Wenn wir bei ihm sind, bittet er: ,erzählt doch von der Feuerwehr. Was gibt’s Neues?’"

Redakteur Muldentalzeitung

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