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Wurzen Grüner Daumen: 60 Jahre im Wurzener Kleingarten
Region Wurzen Grüner Daumen: 60 Jahre im Wurzener Kleingarten
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00:18 23.07.2017
Walter Hohmanns Wein wächst und gedeiht – und wird im Anschluss zu leckerem Saft. Quelle: Thomas Kube
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Wurzen

Im Stechschritt marschiert Walter Hohmann durch die engen Wege des Kleingartenvereins Dehnitzer Weg. Der 81-Jährige ist fit wie ein Turnschuh und hat viel zu zeigen – und zu erzählen. Immerhin bewirtschaftet er seine 300 Quadratmeter-Parzelle seit mittlerweile 60 Jahren. „Als ich das Fleckchen am 1. Mai 1957 übernommen habe, war das ein Rübenacker. Nichts stand hier“, erinnert sich der rüstige Rentner. Heutzutage führt ein gerader Weg vom Gartentor vorbei an bunten Blumen und Stauden, gepflegten Beeten, einem Gewächshaus mit Tomaten und einem Teich, in dem die Frösche sich die Sonne auf den Rücken scheinen lassen, zu einer stabilen Laube. Das kleine Paradies haben Hohmann und seine Frau Irma sich selbst geschaffen. Auch das Häuschen selbst gebaut.„Erst war es nur ganz klein, dann habe ich drumherum ausgebaut“, so der studierte Ingenieur. Ein kleines Bad mit Dusche, ein Wohnraum und eine kleine Küche, dazu ein Schuppen und sogar ein Keller. „Ich habe die Grube selbst ausgehoben, sogar die Türen und Schränke selbst gemacht – nur die Scheiben habe ich gekauft“, sagt er stolz.

Idyllisch: Der Blick in Hohmanns grüne Oase mit Teich. Quelle: Thomas Kube

Zu DDR-Zeiten habe es kaum Baumaterialien gegeben, man musste erfinderisch sein. Dafür sei das Gemeinschaftsgefüge besser gewesen, das Interesse an den Kleingärten groß. „Hier war alles voll. Wir hatten Tanzgruppen, Kindergruppen, eine Kapelle, eine Kegelmannschaft. Für jeden war etwas dabei“, erzählt er etwas wehmütig. „Wir haben früher Feste gefeiert, da konnte man hier kaum gehen, so voll war es. So viele Menschen würde man heute nicht mal mehr auf dem Markt zusammen bekommen“, ergänzt Hohmann, der sich jahrelang aktiv im Verein engagiert hat und es noch immer tut.

Wenn der KGV am nächsten Wochenende sein 100-Jähriges Bestehen mit einem großen Fest feiert, stehen ein Viertel der Parzellen leer. „Das ist schon schade. Wenn man sieht, wie schön die meisten Grundstücke gepflegt sind und wie dort jetzt alles verwildert“, bedauert Hohmann. Seit den 1990er Jahren sei das Interesse an einer Parzelle im Kleingartenverein kontinuierlich zurückgegangen. Viele Ältere hätten ihre Gärten aufgeben müssen, es konnte kein Abnehmer gefunden werden. Doch es gibt auch erfreuliche Beispiele. So zeigt Hohmann stolz zwei nebeneinander liegende Grundstücke, die von jungen Familien gepachtet wurden. „Sehen sie sich das an. Alles bestens gepflegt. Die haben sich das ganz toll hergerichtet“, freut er sich und gesteht, dass die Regeln aus dem Bundeskleingartengesetz zwar befolgt würden, man den Pächtern damit aber nicht dauernd in den Ohren liege. „Wir freuen uns über die jungen Leute und sie kümmern sich sehr gut. Da müssen wir jetzt nicht mit dem Lineal kommen“, sagt er mit einem Augenzwinkern.
Auch Daniela Schwenn zählt mit ihrem Partner und den drei Kindern zum Kleingärtnernachwuchs. Die 30-Jährige hat ihre Parzelle im vergangenen Spätsommer übernommen, verbringt mit der Familie gerade den ersten Sommer dort. „Unser Garten zuhause ist sehr klein. Hier können sich die Kinder austoben, sie können im Sandkasten spielen oder im Pool planschen“, freut sich die junge Mutter. Dass es im Kleingartenverein Regeln gibt, der Garten stets gepflegt werden muss, stört sie nicht. „Die Kinder spielen und in der Zeit kümmere ich mich um die Pflanzen. Wenn man jeden Tag etwas macht, ist es nie zu viel auf einmal“, so Schwenn mit einem fröhlichen Lächeln.

Walter Hohmann freut sich über die neuen Vereinsmitglieder, wünscht sich auch für seinen eigenen Garten irgendwann einen Abnehmer, der die viele Arbeit, die er investiert hat, schätzt und sein Erbe weiterführt. Denn sein Kleingarten liegt ihm am Herzen. „Aber so lange ich noch stehen kann, möchte ich weiter machen. Und noch fühle ich mich gut“, sagt er kämpferisch.

Kinder- und Gartenfest zum 100-Jährigen

Am Wochenende vom 29. und 30. Juli findet auf dem Gelände des Kleingartenvereins „Dehnitzer Weg 1917“ ein großes Fest zum 100-jährigen Jubiläum statt. Am Samstag wird es beim Kinderfest für die Kleinen ab 15 Uhr eine Hüpfburg geben, Kinderschminken, eine Fahrt mit dem Feuerwehrtrabi, Torwandschießen, Kegeln und vieles mehr. Die Erwachsenen können sich auf leckeres Essen, Getränke und die Open Air Disco ab 19.30 Uhr freuen.

Der Sonntag beginnt ab 10 Uhr mit Frühschoppen, einer kleinen Versteigerung und einem Skatturnier. Die Muldentaler Musikanten sorgen dabei für Stimmung. Ab 11.30 Uhr wird die Gulaschkanone angeschmissen.

Von Nathalie Helene Rippich

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