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Wurzen Grünes Kraftwerk in Brandis am Netz
Region Wurzen Grünes Kraftwerk in Brandis am Netz
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15:55 19.05.2015
Genug Vorrat: In fünf Fahrsilos lagert das grüne Input, mit dem die Fermenter zweimal täglich gefüttert werden. Quelle: Klaus Peschel

Von hier wird aufbereitetes Biogas direkt ins Erdgasnetz eingespeist. Derartige Anlagen haben noch Seltenheitswert. Es handelt sich um die erste ihrer Art im Landkreis und nach Firmenangaben um eine der größten bundesweit.

Im April vorigen Jahres war der Spatenstich für das grüne Kraftwerk erfolgt. Wo noch vor Monaten alte Militärbauten standen und der Boden mit Kerosin verseucht war, wuchsen riesige Fermenter in die Höhe, in denen Bakterien inzwischen ganze Arbeit leisten. "Seit Juli läuft die Anlage tadellos", erklärte Projektleiter Marco Mittner bei einem Rundgang. Täglich 150 Tonnen Substrat sind nötig, um den Appetit des Kolosses zu stillen. Verwertet werden bislang ausschließlich nachwachsende Rohstoffe, die Landwirte und andere Partner liefern. In fünf riesigen Fahrsilos liegen Mais, Pflanzensilage und Zuckerrüben bereit, um den Gärprozess am Laufen zu halten. "Gefüttert", erklärt Mittner, "wird die Anlage zweimal am Tag."

Firmengründer Fred Jung erinnerte vor geladenen Gästen aus Wirtschaft und Politik an die Anfänge der Zusammenarbeit mit der Stadt Brandis, von der der Projektentwickler die einstigen Militärflächen gepachtet hat. "Damals", so Jung, "konnte man auf den Rollwegen noch mühelos von null auf hundert beschleunigen."

Ähnlich rasant hat Juwi seitdem die Entwicklung des Standortes vorangetrieben. "Brandis spielt in unserem Firmenkonzept eine wichtige Rolle", betonte der Firmenchef. In Waldpolenz stampften die Branchenpioniere nicht nur das 2008 weltgrößte Solarkraftwerk aus dem Boden. Am Rande der ehemaligen Landebahn errichtete Juwi außerdem eine hochmoderne Niederlassung, von der aus über 50 Mitarbeiter Projekte in den gesamten neuen Bundesländern vorantreiben. Gestern nun kam mit der Biogasanlage ein weiterer Baustein hinzu.

Juwi-Vorstand Jochen Magerfleisch sagte, solche Vorhaben seien wichtig, um eines Tages unabhängig von Gas- und Kohleimporten zu werden. Vorwürfe, die Energiewende sei schlicht nicht bezahlbar, hielt er entgegen: "Wenn es richtig gemacht wird, kommen wir mit den erneuerbaren Energien dauerhaft günstiger." Und es sei allemal besser, auf sauberen Strom zu setzen, als der Nachwelt atomaren Müll und einen kaputten Planeten zu hinterlassen.

Es sind entscheidende Wochen für die Firma Juwi, die ihr Schicksal an das Gelingen der Energiewende geknüpft hat. Der Ausgang der Bundestagswahl ist für den Projektentwickler aus dem rheinhessischen Wörrstadt von so großer Bedeutung, dass Firmengründer Matthias Willenbacher der Kanzlerin ein, wie er selbst es formulierte, "unmoralisches Angebot" unterbreitet hat. Schafft es Angela Merkel, die Stromversorgung bis zum Jahr 2020 komplett auf erneuerbare Energien umzustellen, will Willenbacher seine Unternehmensanteile verschenken. Der Wert der in Aussicht gestellten Summe wird auf mehrere Millionen Euro geschätzt. Profitieren sollen Energiegenossenschaften, in denen Bürger gemeinsam Wind- oder Solaranlagen betreiben. Von einigen Kritikern als PR-Gag abgetan, unterstellen andere dem Juwi-Eigner, der gestern nicht persönlich anwesend war, durchaus Ernsthaftigkeit.

Während die Bundespolitik derzeit heftige Debatten zum Thema führt, versicherte die lokale Ebene der Firma bei der gestrigen Einweihung ihre Rückendeckung. "Juwi ist international, deutschlandweit und in der Region ein Begriff", zollte Gesine Sommer, Leiterin des Kreisentwicklungsamt, dem Projektentwickler ihre Anerkennung. Derzeit würden bereits 17,5 Prozent des Stromes im Landkreis aus erneuerbaren Energien erzeugt, daran habe Juwi einen beträchtlichen Anteil. Arno Jesse (SPD), neuer Bürgermeister der Stadt Brandis, schätzte sich ebenfalls glücklich, einen solchen Partner an der Seite zu haben. "Mein Vorgänger Andreas Dietze wird ausführlich darüber berichten können, welche Hindernisse es bei der Entwicklung des Geländes zu überwinden gab." Für Brandis sei die Inbetriebnahme der Biogasanlage ein weiterer Meilenstein bei der Revitalisierung der Militärbrache, schilderte das Stadtoberhaupt. Seit Beginn der Juwi-Aktivitäten seien bereits 170 Millionen Euro am Standort investiert worden. Und die Firma habe sich dazu bekannt, auch das Thema Windkraft weiter zu verfolgen. "Ich würde mir wünschen", so Jesse, dass Waldpolenz eines Tages auch Standort eines zukunftsweisenden Power to gas-Kraftwerkes wird." Dann könne Brandis zu einem wirklichen Schaufenster für das Thema erneuerbare Energien werden. Der Standort biete dafür beste Voraussetzungen. Und auch lange versprochene Erschließungsstraße werde die Stadt jetzt in Angriff nehmen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.09.2013

Simone Prenzel

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