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Gutachten warnt: Brandiser Ratskeller ist eine tickende Zeitbombe

Abriss unausweichlich? Gutachten warnt: Brandiser Ratskeller ist eine tickende Zeitbombe

Der bauliche Zustand des Brandiser Ratskellers hat sich laut Stadtverwaltung dramatisch verschlechtert. Aus Sicherheitsgründen wurden die Rathausgasse und Teile des Marktes gesperrt. Es drohe akute Einsturzgefahr, warnt ein Gutachten.

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Gutachter warnen vorm drohenden Einsturz des Ratskellers.

Quelle: Foto: Thomas Kube

Brandis. Bauzäune umzingeln seit Wochenmitte den Brandiser Ratskeller. Grund: Es droht akute Einsturzgefahr. Das Gutachten eines von der Stadt beauftragten Büros nimmt Freunden des historischen Gemäuers die letzte Hoffnung: „Das Gebäude ist eine tickende Zeitbombe“, holen die Sachverständigen der Bürogemeinschaft Prof. Schubert – Jablonowski die große Keule raus. „Das Haus ist in höchstem Maße einsturzgefährdet“, warnt das Ingenieur- und Planungsbüro aus Markkleeberg.

Die Stadtverwaltung als Eigentümer reagierte unverzüglich: Die unmittelbar angrenzende Rathausgasse und Teile des Marktes wurden für den Verkehr gesperrt, um dem Wackelkandidaten jede noch so kleine Erschütterung zu ersparen.

Der Ratskeller, eines der geschichtsträchtigsten Gebäude am Brandiser Markt und das älteste noch erhaltene Rathaus der Stadt, befindet sich seit Jahren in desolatem Zustand. Im Innern wurden zwar Maßnahmen ergriffen, um den Verfall aufzuhalten. Doch die Gutachter senken jetzt den Daumen: „Eine Instandsetzung des Ratskellers ist praktisch und nach geltendem Recht nicht durchführbar, da alle tragenden Bauteile – Dach, Geschossdecken, Wände – so stark geschädigt sind, dass nur ein Rückbau und Neuaufbau in Frage kommen.“ Die Stadt als Eigentümer bemüht sich seit längerem, das Problem zu lösen. „Schon lange war klar, dass das Gebäude wirtschaftlich nicht gerettet werden kann. Jetzt geht es auch baulich nicht mehr“, erklärt Bürgermeister Arno Jesse (SPD), der auch auf die ergebnislose Suche nach einem Investor verweist.

Wer das Gutachten liest, wundert sich, dass die alte Dame überhaupt noch steht. „Ohne die von uns vorgenommenen Notsicherungen läge der Giebel schon längst auf dem Marktplatz“, hatte Bernd Ertel, zuständiger Rathaus-Mitarbeiter, bereits im Vorjahr erklärt. Inzwischen hat sich der Zustand weiter verschlechtert. „Es ist Gefahr im Verzug“, heißt es an mehreren Stellen des Gutachter-Urteils. Die Saaldecke drohe einzustürzen, die Wand zur Marktseite hin ist offenbar nur noch ein Schatten ihrer selbst. Zudem hat sich der Trotzkopf eingenistet – eine lästige kleine Insektenart, die den betagten Holzkonstruktionen mächtig zusetzt. Auch äußerlich treten die Schäden immer mehr zu Tage. Mit Gipsmarken an den vorhandenen Rissen zur Rathausgasse hin wurde dem Gebäude schon eine spezielle Überwachung verpasst. Reißen diese Marken auf, läuten die Alarmglocken, weil sich das Gebäude dann wieder ein Stück mehr der Schwerkraft ergeben hat. Steine könne man aus dem Mauerwerk schon mit der Hand entfernen, heißt es weiter. Im Innern sind zwar vor Jahren Vorkehrungen getroffen worden, um das Haus zu stabilisieren. Aber die könnten dem Gebäude keinen Halt mehr geben. Die Statik lässt sich nun mal nicht überlisten.

Eine Sperrung der angrenzenden Bereiche soll Schäden verhindern und Erschütterungen vermeiden

Eine Sperrung der angrenzenden Bereiche soll Schäden verhindern und Erschütterungen vermeiden.

Quelle: Thomas Kube

Wann es zum Einsturz kommt, könne niemand vorhersagen. „Die Gefahr wächst aber täglich “, warnen die Gutachter. Sie prophezeien, dass beim ersten Nachgeben von Gebäudeteilen der Rest gleich mit zusammenkracht. „Insofern haben weder einschränkende Maßnahmen wie Verkehrsberuhigung noch Absperrungen am Gebäude auf Grund der engen Bebauung Sinn, da sich der Schuttberg nicht auf ein, zwei Meter oder hinter einem Bauzaun begrenzen ließe.“ Schon aus Haftungsgründen haben die Experten nachgelegt und die Stadt zur Gefahrenabwehr für Leib und Leben sowie Sachwerte aufgefordert – was in ihren Augen letztlich nur eins heißen kann: Abriss.

Um den haben sich die Stadtväter auch schon bemüht. Nachdem die Investorensuche für das einstmals erste Haus am Platze ergebnislos verlief, sei man schon länger in Kontakt mit dem Denkmalschutz und der Bauordnungsbehörde, um eine Abrissgenehmigung zu erwirken. „Bisher vergebens“, bedauert Jesse. Nachdem sich die Situation dramatisch zugespitzt habe, hoffe man, nach jahrelangen Bemühungen zu einer Lösung mit dem Denkmalschutz zu kommen.

Die Alternative wäre in Jesses Augen wenig verlockend: „Wer will jahrelang mit hässlichen Absperrungen leben, die dem Stadtbild, dem Marktleben wie dem Einzelhandel schaden?“

Historie

Historisch gesehen handelt es sich beim Markt 9 um das älteste noch erhaltene Rathaus der Stadt. Schon die verheerenden Stadtbrände des 17. Jahrhunderts musste es über sich ergehen lassen, berichtet Frank Schimpke in der Brandiser Chronik. Mit viel Elan bauten es die Brandiser Bürger 1697 wieder auf, nachdem es bis auf die Grundmauern niedergebrannt war. Bis 1884 residierte hier der Bürgermeister. Nach verschiedenen Eigentümern beziehungsweise Gastwirten ging das Grundstück 1948 in städtischen Besitz über. Wie in der Chronik weiter nachzulesen ist, kam der Gaststättenbetrieb kurz darauf zum Erliegen. 1954 wurde der Tanzsaal zu einem Sitzungs- und Versammlungsraum umgebaut. In den Folgejahren nutzten zahlreiche Arbeitsgemeinschaften von Kindern und Jugendlichen das in „Haus der Jugend“ umbenannte Domizil. Auch eine Heimatstube wurde zeitweilig beherbergt. Zuletzt war eine Gaststätte am Markt beheimatet.

Von Simone Prenzel

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