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Gymnasium bleibt Fass ohne Boden

Gymnasium bleibt Fass ohne Boden

Steffen Siegesmund greift zur Kettensäge und rückt dem hölzernen Unterbau des Dachterrassen-Geläufs zu Leibe. Viel ist davon nicht mehr übrig. Das Wetter hat an der Konstruktion genagt.

Wurzen. Sie ist morsch und vergammelt. Schon vor geraumer Zeit mussten die Terrassen an der Südseite des futuristischen gymnasialen Baukörpers für die Benutzung durch die Schüler gesperrt werden. „Da ist das völlig falsche Holz verbaut worden – billige Kiefer und Fichte. Hartholz wäre nötig gewesen“, kommentiert Dirk Reiter, der sich als Bauleiter vom Ingenieurbüro Kühn und Kewitz regelmäßig auf der Baustelle sehen lässt. Siegesmund macht auf einen weiteren Baufehler aufmerksam. „Die Abläufe, dort, wo das Wasser eigentlich vom Dach weggeführt werden soll, sind an den höchsten Punkten des Daches installiert worden. Da kann gar kein Wasser ablaufen“, schmunzelt er und schüttelt den Kopf. Erst mit der schrittweisen Demontage kommt das ganze Ausmaß der Fehlkonstruktion zum Vorschein. „Wir erleben auf dieser Baustelle immer wieder Überraschungen“, so Reiter. Insgesamt werden zunächst die beiden Terrassenkonstruktionen demontiert. Wie sie erneuert werden, ist noch unklar. „Es muss letztlich für die Stadt bezahlbar bleiben“, sagt Reiter (siehe Kasten). Seit Ende Januar 2008 arbeiten die Männer der Wurzener Bauelemente GmbH an der teuersten Baustelle Wurzens. In einem ersten Bauabschnitt sind rund 300 000 Euro verbaut worden. Die zweite Etappe läuft, eingesetzte Kosten rund 1,4 Millionen Euro, dem Konjunkturpaket II sei Dank. Die Sanierung konzentriert sich in erster Linie auf die Verbesserung der Wärmedämmung. So müssen in insgesamt rund 40 Räumen die großen, bis zu 220 Kilogramm schweren Fenster ausgetauscht werden. Die Männer um Eckhard Ruttloff – der Polier ist von Anfang an dabei – haben auch diesen Winter über gearbeitet. „Wenn es mal ganz kalt wurde, haben wir uns auf Innenarbeiten konzentriert“, so Ruttloff. Inzwischen sind die Fensterfronten in rund 30 Klassenräumen ausgetauscht. Lehrer und Schüler haben bislang übrigens bestens mitgespielt. Vor allem Lehrerin Ute Döbler habe als Raum-Koordinatorin ganz Arbeit geleistet. Dirk Reiter: „Die Kooperation klappt bestens.“ Die Bauteams liegen voll im Plan. „Die Truppe ist ein eingespieltes Team. Wir werden vermutlich bis Ende Mai/Anfang Juni alle großen Fassadenflächen saniert haben“, freut sich Dirk Reiter und präsentiert eine Aufnahme, die mit einer Wärmebildkamera geschossen wurde (siehe Foto). Deutlich ist zu erkennen, wie die Wärmeenergieverluste durch die Dämmung reduziert werden konnten. Die Verluste sind um 60 Prozent gesunken, sagt Reiter. Und wie geht es nach dem zweiten Bauabschnitt weiter? „Es wird ein dritter folgen“, so der Bauleiter und verweist auf den naturwissenschaftlichen Trakt des Gymnasiums, an den Hand angelegt werde müsse. Über Zeitschiene und Intensität des Eingriffs ist allerdings noch nicht entschieden. Bekannt sind die geschätzten Kosten für den weiteren Bauabschnitt: rund 600000 Euro. „Den Daumen hebt oder senkt der Stadtrat“, sagt Reiter. Er weiß, dass es eigentlich auch bei weiteren Dachbereichen Handlungsbedarf gibt und blickt vielsagend zu Siegesmund. Der hat sich mittlerweile mit seiner Kettensäge durch weitere Meter morscher Fichte gefressen. Inzwischen nehmen die Ideen, wie die beiden Dachterrassen künftig genutzt werden können erste Formen an. Wie Bauleiter Dirk Reiter auf Anfrage sagte, arbeite das Ingenieurbüro Kühn und Kewitz gegenwärtig an einigen Konzepten. „Wir sind dabei, die Wünsche der Realität anzupassen.“ Denn alles sei ein Frage des Geldes. Die kleinere der beiden nach Süden ausgerichteten Terrassen könnte ein begrüntes Dach erhalten, das ein kurzes Heraustreten ermöglichen soll. Zum Pausenaufenthalt ist es jedoch nicht vorgesehen. Die größere der beiden Terrassen könnte als offenes Klassenzimmer und damit für bestimmte Unterrichtsformen nutzbar gemacht werden. Die Vorschläge samt Kosten sollen demnächst Stadtverwaltung und Schulleitung vorgelegt werden. Reiter rechnet in den nächsten vier Wochen mit einer Entscheidung.

Drago Bock

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