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Wurzen Händler beklagen Umsatzeinbußen durch Sperrung am Brandiser Ratskeller
Region Wurzen Händler beklagen Umsatzeinbußen durch Sperrung am Brandiser Ratskeller
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17:24 13.09.2016
Die Rathausgasse in Brandis fehlt als zentrale Zufahrt zum Markt. Quelle: Thomas Kube
Brandis

Eine Lösung für den einsturzgefährdeten Brandiser Ratskeller ist weiter in der Schwebe. Im Auftrag des Landratsamtes hatte der Leiter der Sächsischen Landesstelle für Bautechnik, Hans-Alexander Biegholdt, den Markt 9 in Augenschein genommen. Der Experte kam zu dem Ergebnis, dass sich durch bauliche – im Umfang nicht erhebliche – Maßnahmen, das denkmalgeschützte Gebäude mittelfristig sichern ließe. „Wir sind der Auffassung, dass durchaus erhebliche Aufwendungen nötig wären, um den Ratskeller zu retten“, unterstreicht Bürgermeister Arno Jesse (SPD). „ Im Ergebnis wäre zwar die Einsturzgefahr vorläufig gebannt.“ Allerdings stellt sich für Jesse die Frage: „Was bleibt dann vom vermeintlichen Denkmal übrig, wenn davor praktisch eine Wand gezogen wird und das Denkmal nicht mehr sichtbar ist?“ Biegholdts Vorschlag münde darin, vor das Gebäude quasi eine zweite Mauer zu setzen, um den Einsturz zu verhindern. „Eine so eingehauste Ruine mitten im Zentrum wäre aus meiner Sicht ein mittleres Desaster für das Stadtleben und den Einzelhandel“, kann sich Jesse mit dieser Aussicht nicht anfreunden.

Die Stadt als Eigentümer veranlasste Anfang August die weiträumige Absperrung des Eckgebäudes, weil Gefahr im Verzug war. Dem Markt ging damit eine ganze Zufahrtsstraße verloren, weil die angrenzende Rathausgasse für den Verkehr komplett gesperrt wurde. Dieter Simon hat das Ärgernis direkt vor der Nase. „Im Laden bekomme ich die Sperrung deutlich zu spüren“, berichtet der Fleischermeister. Sowohl im Geschäft als auch im Imbiss bleiben etliche Kunden weg. Der Umsatz ging seit den Sicherungsmaßnahmen am Ratskeller um rund 30 Prozent zurück, beklagt der Geschäftsmann. „Die Leute sind es einfach gewohnt, mit dem Auto vorzufahren“, meint Simon. Derzeit ist die Rathausgasse als Sackgasse ausgeschildert. „Besonders ältere Leute oder auch Frauen meiden die Einfahrt, wenn sie sehen, dass schon alles zugeparkt ist.“ Weil die Stadt die versprochene Ausschilderung einer Umleitung bisher schuldig blieb, hat Simon jetzt selbst die Initiative ergriffen. „Von der Mathildenstraße her habe ich ein Schild angebracht, dass unsere Fleischerei geöffnet ist und man mit dem Auto auf dem Hof wenden kann.“

Einbußen von rund 20 Prozent beklagt auch Gabriele Köster von Bigfood, die am Markt 13 einen Imbiss betreibt. „Die Laufkundschaft ist komplett weggebrochen. Den Weg zu uns finden nur noch Stammkunden, die die Schleichwege kennen.“ Auch Lieferanten rufen sie entnervt an, weil die Fahrer nicht wissen, wie sie die Anlieferung bewerkstelligen sollen, berichtet die Inhaberin. Auch der Wegfall von Parkplätzen durch die Absperrung des Ratskeller wirke sich negativ aus. „Wir wissen oft nicht, wo wir unser Fahrzeug lassen sollen, um Bestellungen einzuladen. Die kann man schließlich nicht erst einen Kilometer weit schleppen.“

Auf ein anderes Problem macht Sigrid Simon, Inhaberin der Apotheke am Markt, aufmerksam. „Wenn wir Dienstbreitschaft haben, müssen uns Kunden aus dem gesamten Raum Eilenburg und Wurzen finden, die noch nie in Brandis waren und sich hier nicht auskennen.“ Oft klingele bei ihr dann das Handy. „Dann muss ich den Leuten erklären, wie sie die Apotheke finden und sie bis vor die Tür lotsen.“ Für Ortsunkundige sei es auf Grund der vielen Einbahnstraßen schwer, sich bis zum Markt vorzuarbeiten. „Schmiedegasse oder Pappelallee kennen die Brandiser als alternative Zufahrten ins Zentrum, aber kein Auswärtiger! Insofern wäre es überfällig, wenn das Rathaus die versprochene Ausschilderung ins Zentrum endlich umsetzen würde.“

Dazu Jesse: „Wir haben es leider mit einer Kreisstraße zu tun, deshalb musste die verkehrsrechtliche Anordnung erst beim Kreis beantragt werden.“ Nunmehr liege sie vor und die Schilder könnten angefertigt werden.

Von Simone Prenzel

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