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Wurzen Hausschlachter in Dornreichenbach sieht sich von immer neuen Verordnungen bedroht
Region Wurzen Hausschlachter in Dornreichenbach sieht sich von immer neuen Verordnungen bedroht
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05:00 01.09.2010
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. Das Konzept ging auf: Das frische Fleisch stressfrei geschlachteter Tiere ist gefragt. Der 58-Jährige könnte sorgenfrei davon leben. Die Realität aber sieht anders aus.

Fleischer hat Möbius schon mit 16 gelernt. Damals hatte er vor einem Schwein mehr Angst als der Vierbeiner vor ihm. 1976 meldete der Dornreichenbacher ein Gewerbe als Hausschlachter an, machte sich nach seiner täglichen Arbeit in einer Falkenhainer Firma abends oder an den Wochenenden für die Nachbarn nützlich, pökelte Fleisch, legte es ein oder verarbeitete das Ganze an Ort und Stelle zu Sülze, Blut- und Leberwurst.

In der Wendezeit zeichnete sich ein drastischer Preisverfall ab, es lohnte sich für die Unternehmen nicht mehr, die Tiere aus ihren vollen Ställen zu verkaufen. Rentabler war es, die Schweine zu schlachten und die Produkte selbst zu vermarkten. Möbius hatte alle Hände voll zu tun. Auch in seinem Haus in Dornreichenbach richtete er einen Schlacht- und Verarbeitungsraum ein – mit Fliesen, Kühlanlagen und moderner Elektrik – ganz wie es die Vorgaben der Hygiene erforderten. Der Mann profilierte sein Unternehmen: Hausschlachtungen im Winter, Handel und mobiler Verkauf der Erzeugnisse eigener Schweine im Sommer.

Doch 2008 kam die Ernüchterung: Nach einer neuen EU-Verordnung mussten getrennte Räume zum Schlachten und Verarbeiten her. Für den Dornreichenbacher ging das finanziell an die Substanz, zumal auch sein Auto gerade zu diesem Zeitpunkt den Geist aufgegeben hatte. Er konnte von seinem Gewerbe zwar leben, aber an große Rücklagen war nicht zu denken. Und mit dem Veterinäramt war kein Kompromiss auszuhandeln. „Die wollten damals bei den Umstrukturierungen im Landratsamt einfach keine Fehler machen, hatten kein Verständnis für die Betroffenen", vermutet Möbius heute. „Ich habe kein Entgegenkommen gesehen, wusste nicht, was ich zuerst machen sollte". Der Mann war in einem Teufelskreis gefangen: ohne Auto kein Betrieb, ohne Betrieb kein Auto. Die Existenzangst machte Möbius krank und depressiv. Erst nach einer Fristverlängerung sah er schließlich wieder Sinn in seiner Arbeit, konnte abschätzen, dass auch die neuen Forderungen realisierbar waren.

Im Sommer 2010 war das Problem gelöst. Aber schon musste der Hausschlachter den nächsten Schlag einstecken: Seit 1. August hat das Veterinäramt des Landkreises die Preise für die Fleischbeschau erhöht. Die obligatorische Krankheits-Prüfung vor der Schlachtung wird erheblich teurer. 5,50 Euro mehr pro Schwein. Bei drei Zickenlämmern, so macht Möbius die Rechnung auf, sind das 40,50 Euro statt vorher 24,50 Euro. „Das Amt macht mich arbeitslos", klagt der Dornreichenbacher. Das Gebühren-Plus – Ursache sei eine Tariferhöhung für die Angestellten – fördere das Schwarzschlachten. „Wir werden zu Steuereintreibern gemacht und müssen das Geld für die Fleischbeschau vorschießen. Die Kunden geben mir das zwar zurück, aber sie kommen nicht wieder", ist Möbius jede Zuversicht abhanden gekommen. Er vermisst bei der Geldschneiderei, die beispielsweise in Nordsachsen und Altenburg abgeschmettert wurde, jedes Verständnis für die Konsequenzen. Diese mangelnde Vorausschau der Verantwortlichen ist es auch, die ihn sehr pessimistisch stimmt.

Ingrid Leps

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