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Heimatkunde unter freiem Himmel – 20. Museumstag in Großzschepa

Angebot im Lossatal Heimatkunde unter freiem Himmel – 20. Museumstag in Großzschepa

Eine Sonderausstellung mit Fotos aus LPG-Zeiten wurde für den 20. Museumstag in Großzschepa am Sonntag vorbereitet. Die Motive entführen in eine vergangene Zeit. Besucher sind eingeladen, sich mit alten Fotos auf Zeitreise zu begeben.

Eine Sonderausstellung mit Fotos früherer LPG-Zeiten ist im Heimatmuseum Großzschepa zu sehen. Es lädt am Wochenende zum 20. Museumstag ein.
 

Quelle: Kai-Uwe Brandt

Lossatal/Grosszschepa.  Wie viele Exponate Gerold Aé über die Jahrzehnte gesammelt hat, weiß er nicht zu sagen. „Schätzungsweise 600 bis 700“, vermutet der 83-Jährige. Die bemerkenswertesten Artefakte im Heimatmuseum Großzschepa jedenfalls sind ein original Urnengrab aus der Bronzezeit (2200 – 800 v. Chr.), das 1982/1983 gefunden wurde, eine Flurkarte des Dorfes von 1852 sowie die Kopie der urkundlichen Ersterwähnung Zschepas 1223. „Insofern“, erzählt Aé, „zeigt das Heimatmuseum mit dem Kleinen Museum und der Museumsscheune über 3500 Jahre Geschichte des Ortes.“

Unterm Dach des Speichers in der Karl-Marx-Straße 18 drängen sich landwirtschaftliche Geräte in Reih und Glied wie bei einer Militärparade und jedes für sich erzählt ein Stück Vergangenheit – darunter ein Handkleetreiber von 1910, Windbock, Federzinkengrubber, Rübendüngerstreuer von 1900 oder die Walzenschrotmühle. Um über das Leben auf dem Lande zu berichten, sagt Aé, müssen nicht immer einhundert Jahre vergehen. Deswegen hat er aus seinem reichen Fundus eigens für den 20. Museumstag am 12. Juni in Großzschepa eine Foto-Sonderschau zusammengestellt – mit Motiven aus den Tagen der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) Pflanzenproduktion Böhlitz. Teils stammen die Bilder aus den Brigadetagebüchern der LPG „Thomas Müntzer“, teils hob Aé, der damals Brigadier war, die Schnappschüsse fürs Privatarchiv auf.

Die Dokumente auf dem Zwischenboden der Scheune zeigen Menschen und Maschinen bei der Ernte von Zuckerrüben, bei Bauvorhaben oder neben der Kreisberegnungsanlage „Fregat“ aus der ehemaligen UdSSR. Warum Aé gerade den Fokus auf die jüngere Historie legt, begründet er so: „Die Wahrung von Tradition trägt wesentlich zur Erhaltung und Festigung von gesellschaftlichen Werten bei.“ Dabei sei es stets ratsam, Heimatgeschichte mittels Jubiläen und Jahrestagen lebendig zu halten. „Wir haben 2016 übrigens 793 Jahre urkundliche Erwähnung von Zschepa und 93 Jahre Gründung der Freiwilligen Feuerwehr. Also in sieben Jahren stehen gleich zwei runde Geburtstage an.“ Dennoch, fügt der Rentner an, gebe es am 12. Juni gleich zwei Anlässe zum Feiern – die Unternehmensgruppe Karfil wird 25 und der Museumstag jährt sich zum 20. Mal. „Da beide Einrichtungen lediglich 100 Meter voneinander entfernt sind, können die Besucher sehr gut alles miteinander verbinden.“

Aé erinnert sich noch gut an die Museumstag-Premiere. Sprachforscher Professor Horst Naumann aus Grimma hielt einen Vortrag und Richard Klinkhardt, Unternehmer und Ehrenbürger Wurzens, sprach über den Landmaschinenbau im Wurzener Land. Eine Tradition war geboren. Der nunmehr 20. Museumstag knüpft daran an und beginnt 13 Uhr mit dem Spielmannszug der Feuerwehr Böhlitz. Ab 14.40 Uhr singt der Gemischte Chor Kühren und ab 16.30 Uhr spielen die Blasmusikanten aus Röcknitz auf. Natürlich sind auf dem Hof, seit 1825 im Besitz der Familie Aé, wieder Exponate aus der Sammlung aufgestellt. „Und fürs leibliche Wohl ist gesorgt.“ Zugleich kündigt Aé extra Führungen und Diskussionen zur neuen Fotoausstellung an. „Wir sehen Arbeitsgänge und Technologien, die es nicht mehr gibt und eben auch nicht im Museum gezeigt werden.“

Den Abschluss des 20. Museumstages in Großzschepa bestreitet schließlich das Muldentaler Saxofonquartett zur Serenade ab 19 Uhr bei Wein und Kerzenschein. „Wir laden also alle ganz herzlich zu den Veranstaltungen ein, ins Museum und vor allem zur Mitarbeit auf dem weiten Feld der Heimatgeschichte.“ Aés Wunsch an die hoffentlich zahlreichen Gäste am Wochenende: „Helfen Sie mit beim Sammeln von Sachzeugen, Schriftlichem, Bildern, dem Weitergeben von Geschichten oder erforschen Sie selbst ein bestimmtes Gebiet, das sie interessiert.“

Von Kai-Uwe Brandt

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