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Heinz Rühlmann beobachtet Bäume und Pflanzen – hohe Auszeichnung fürs Ehrenamt

Macherner Wetterfrosch Heinz Rühlmann beobachtet Bäume und Pflanzen – hohe Auszeichnung fürs Ehrenamt

Mehrmals die Woche muss er raus in die Natur: der Macherner Heinz Rühlmann. Der 78-Jährige wurde am Montag geehrt – für 25 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit im Dienste des Deutschen Wetterdienstes. Er hat einiges erlebt.

Der Macherner Heinz Rühlmann (78) überwacht mehrfach wöchentlich die jahreszeitlichen Entwicklungsphasen der Pflanzen.

Quelle: Haig Latchinian

Machern. „Wenn wir Einkaufen fahren oder zu Verwandten, hält der Heinz mitunter plötzlich an, steigt aus und schaut, ob das Korn reif ist.“ Ehefrau Christa lacht: „Ein Fremder würde denken, der Heinz hat ’nen Klaps. Ich wundere mich schon lange nicht mehr – er ist der geborene Naturfreund.“ Und auch noch mit 78 Jahren im Dienst der Allgemeinheit – als ehrenamtlicher Wetterbeobachter.

Mehrmals wöchentlich schwingt sich Heinz Rühlmann auf sein Fahrrad, um im Drei-Kilometer-Umkreis von Machern seine Feldstudien zu betreiben und die Ergebnisse im Tagebuch festzuhalten. Nicht immer ein Vergnügen: Unlängst stürzte er auf glattem Untergrund, schüttelte sich und stieg wieder auf: „Ich mache da kein Gewese drum.“

Am Montag gab es die verdiente Entschädigung, eine Anerkennung, von höchster Stelle. Für 25 Jahre ehrenamtliche Mitarbeit ließ Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) den nimmermüden phänologischen Beobachter mit der Wetterdienstplakette ehren. Der Minister persönlich verfasste das von ihm unterzeichnete Dankesschreiben. Er lobte das hohe Maß an Bürgerverantwortung, das ihn, Dobrindt, mit Stolz erfülle: „Der Deutsche Wetterdienst schätzt sich glücklich, von einer großen Zahl ehrenamtlich tätiger Bürger unterstützt zu werden. Ohne das Engagement der 1200 phänologischen Beobachter könnte er kein Beobachtungsnetz in dieser Größe vorhalten.“

Phänologischer, bitte was? Heinz Rühlmann misst nicht wie andere Wetterbeobachter die Temperaturen, ermittelt nicht die Windstärke und hält auch nicht die Sichtweite fest – vielmehr registriert er, wann etwa die ersten Schneeglöckchen blühen, wann die Wintergerste die Gelbreife erreicht und wann die Kastanie ihre Blätter verliert. Immer zum Jahresende würden die Ergebnisse auf einen vierseitigen Meldebogen übertragen und in die Zentrale nach Offenbach geschickt.

Der zweifache Ur-Großvater ist noch immer fit wie ein Turnschuh, übernahm vor einigen Jahren zudem eine Spezialaufgabe: „Ich halte fest, wann ich zum Beispiel den ersten Zitronenfalter gesichtet und wann den ersten Kuckuckruf gehört habe. Auch wenn alle Schwalben weg sind, erstatte ich Meldung.“

Falk Böttcher, stellvertretender Niederlassungsleiter vom Deutschen Wetterdienst in Leipzig, überreichte am Montag die Medaille in Machern: „Nichts ist in der Klimatologie wichtiger als eine lange homogene Messreihe – und genau die liefert uns Herr Rühlmann nun schon seit 25 Jahren.“ Nicht nur für die Landwirtschaft seien die Beobachtungen von unschätzbarem Wert, auch für die Allergiker. „Anhand der Angaben können wir unsere Modelle immer weiter aktualisieren“, so Böttcher. Er hofft, dass der Geehrte noch möglichst lange aktiv bleiben kann.

Das wünscht sich auch Heinz Rühlmann selbst. Vor allem, weil sich die Suche nach einem Nachfolger schwierig gestaltet: „Wer ist schon bereit, für lau durch die Botanik zu ziehen? Und wen interessiert es, wann die Knospen der Forsythie sprießen? Wenn ich darüber mit Freunden spreche, ernte ich immer nur ein Achselzucken.“ Für ihn selbst sei es längst ein unverzichtbares Hobby. „Die Natur ist mein Leben. Meine Eltern Oskar und Erna bewirtschafteten einen Bauernhof mit eigenem Feld. Ich selbst war studierter Agraringenieur und arbeitete zuletzt als Brigadier in der LPG.“ 1985 übernahm Heinz Rühlmann die ehrenamtliche Wetterbeobachtung von Annemarie Loth – „Wenn man so will, sind es also schon viel mehr als 25 Jahre.“

Ohne auf seine Zahlenkolonnen schielen zu müssen, weiß der rüstige Rentner: „Mag sein, dass das Frühjahr mal zeitiger als sonst kommt und alles wie verrückt treibt. Meine Beobachtung ist, dass die Natur immer wieder selbst für den Ausgleich sorgt, dann gibt es zwischendrin eben mal eine Kälteperiode. Die Bäume wachsen nicht in den Himmel.“

Von Haig Latchinian

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