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Wurzen Helferschar strömt nach Püchau
Region Wurzen Helferschar strömt nach Püchau
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16:51 19.05.2015
Prall gefüllte Helferlisten: Die vom Hochwasser betroffenen Püchauer konnten sich Dank des Bekanntheitsgrades des Macherner Ortsteiles über jede Menge Unterstützung freuen. Quelle: Roger Dietze

Die Kamera zeigt nichts als braune Fluten, den Mann, der sie führt, hört man die Vermutung aussprechen, dass es nach viel Arbeit aussehen würde. Silvio Görlich, der die sich nach Dögnitz ergießenden Muldefluten mit seinem Handy festhielt, sollte recht behalten. Die braune und schlammige Brühe verursachte in seinem Dögnitzer Haus und dem gesamten Grundstück große Schäden und bescherte ihm jede Menge Arbeit. Und den 33-Jährigen traf das Schicksal gleich doppelt hart, ist doch auch das Haus der Eltern von der neuerlichen Jahrhundertkatastrophe in Mitleidenschaft gezogen worden. "Ich bin erschöpft und kaputt, aber uns bleibt nichts anderes übrig, als weiterzumachen", so Silvio Görlich, in dessen Haus die Muldefluten 40 Zentimeter hoch standen. "Vor elf Jahren standen sie zwar deutlich höher, an den Schäden ändert dies allerdings nichts", so der Dögnitzer, der sich trotz des innerhalb weniger Jahre zum zweiten mal erlittenen Hochwassers mit der Suche nach Schuldigen zurückhält. "Ich habe keinen Frust auf irgendjemanden, auch nicht auf Landwirte, die sich weigern, ihre Flächen für den Deichbau zur Verfügung zu stellen", so Görlich, der es vielmehr vorzieht, in der aktuellen Situation Dank zu sagen. Nämlich an seinen Nachbarn Sebastian Nickel. "Der hat sich für uns alle ins Zeug gelegt und eine Firma gefunden, die uns kostenlos Notstromaggregate zur Verfügung stellt", so der Dögnitzer, dessen Eltern das zum Teil vermietete Haus nach dem Mauerfall erwarben. "Ich habe zu viel Energie hineingesteckt, um es aufgeben zu können."

Auch im benachbarten Püchau stehen die Zeichen auf Weitermachen. Was nicht zuletzt an den zahlreichen Helfern lag, die am Wochenende im Macherner Ortsteil anpackten. Unter ihnen Verena Burkhardt aus Leipzig. "Wir Leipziger sind ja noch einmal glimpflich davon gekommen, umso mehr sind wir sensibilisiert", so die 47-Jährige. "Außerdem hätte ich zu Hause keine Ruhe gehabt, die Sonne zu genießen, während um mich herum die Menschen in der Arbeit ersticken." Keine Ruhe gefunden hat ob der dramatischen Nachrichten aus seiner langjährigen Heimat auch Macherns Ex-Bürgermeister Frank Lange, der sich kurzentschlossen in Düsseldorf ins Auto setzte, um ins Katastrophengebiet zu fahren. "Mein erster Gedanke war, ach du große Sch..., mein zweiter galt jenen seit Jahren bereitstehenden Hochwassermitteln, die juristischer Blockaden wegen bis heute nicht abgerufen werden konnten", so der Wahl-Nordrhein-Westfale. "Wenn man alle Projekte wie geplant durchgezogen hätte, wäre sicherlich vielen Menschen viel Leid erspart worden."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.06.2013

Simone Prenzel

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