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Wurzen „Hope“ – eine afrikanische Geschichte im Wurzener Dom
Region Wurzen „Hope“ – eine afrikanische Geschichte im Wurzener Dom
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00:23 01.05.2018
Helmut Jost und die Band Gospelfire treten am Sonntag im Wurzener Dom auf. Quelle: Foto: privat
Wurzen

Wurzen, das oft zitierte braune Herz des Muldentals? Wohl eher das schwarze. Afrika, bisher so fern, beginnt hier direkt vor der Haustür. Junge farbige Männer, oft in Gruppen, gehören inzwischen zum Straßenbild. Zumeist ist man sich fremd, begegnet sich wortlos, meidet den Blickkontakt. Mitunter schwingt Angst mit – auf beiden Seiten.

Für den örtlichen Kantor ist der Fremde weniger der schwarze Mann. Johannes Dickert wohnt in einer der Altstadtgassen. Er sieht die Schokoladenjungs, beinahe noch halbe Kinder, an seinem Haus vorüber ziehen, wenn sie aus dem Rosental kommen. Der Kantor entschloss sich, die Domkonzerte für das Thema Afrika zu öffnen. „Wir wissen einfach zu wenig voneinander!“ Im Januar gab es neben Bach bereits The Best of Black Gospel. Am Sonntag legt „Johann Sebastian“ Dickert nach, holt Helmut Jost & Gospelfire in den Dom.

Feinster Gospel

Der Großpösnaer Maik Gosdzinski, bekannt als Pop-Kantor, ist begeistert: „Glückwunsch Wurzen, ich schätze Helmut Jost als Menschen und Musiker sehr. Er bringt elf handverlesene Sängerinnen und Sänger mit, die zum Besten zählen, was die deutsche und europäische Gospelszene zu bieten hat.“ Die Besucher erwarte ein Konzert-Highlight, es werde gesungen und kommentiert, zumeist auf Deutsch.

Mobile Bühne und Leinwand

Für das Konzert mit typisch afrikanischem Temperament scheut Dickert keine Mühen. Vorm Westchor des 500 Zuhörer fassenden Domes lässt er eine mobile Bühne aufbauen. Vor der Orgel wird eine Leinwand platziert. Mal rockig und poppig, mal filmisch und fotografisch kommt die Geschichte des kleinen Slumkindes namens Hope (Hoffnung) zur Aufführung. Der Junge wächst in Afrika in elenden Verhältnissen auf. Kinderarbeit, Kriminalität, Extremismus – sein Leben ist von vorn herein zum Scheitern verurteilt. Doch Hoffnung keimt. Hope wird in ein Patenschaftsprogramm aufgenommen. Dank dem Kinderhilfswerk bekommt er Name und Zuneigung, hat zu essen und zu trinken, geht zur Schule und später in die Ausbildung. „Hope“ – die Geschichte eines geretteten Lebens.

Gospel-Urgestein Helmut Jost

Helmut Jost ist ein Gospel-Urgestein. Er stand schon mit Künstlern wie Xavier Naidoo und Phil Collins auf der Bühne. Er liebt die afrikanische Musik, ihre ursprüngliche Kraft, die Körperlichkeit, „die dich umhaut“. Kolonialzeit, Kapitalismus, Korruption – für den ganzen Murks könne man unmöglich allein die Leute vor Ort verantwortlich machen. „Je mehr ich mich mit Afrika beschäftige, desto beschämter bin ich, was gerade wir Europäer dort anrichten.“ In Kenia finanzieren Jost sowie seine Frau und Texterin Ruthild Wilson ein Patenkind. Irgendwann wollen sie es auch besuchen. „Jesus vertraut mir. Er ist auf meiner Seite, auch wenn ich Mist baue. Seine Liebe ist bedingungslos.“ Jost sieht eine Parallele zu sich und seinem Patenkind: „Ich würde ihm sagen: Ja, ich bin immer für dich da. Du kannst dich auf mich verlassen. Das macht mich glücklich.“

Es ist die Hilfe zur Selbsthilfe, die das Bühnenstück so interessant mache, sagt Wurzens Kantor Dickert. Aus Krücken der Gesellschaft würden Stützen. Und zwar vor Ort, in Afrika. Insofern sei „Hope“ auch ein Beitrag zu gelungener Fluchtprävention. Denn alle könnten unmöglich kommen. Das ahnen wohl auch manch andere Wurzener, entsprechend besorgt sind sie und sehen deshalb schwarz.

„Hope – eine afrikanische Geschichte“, Sonntag, 17 Uhr, Dom Wurzen. Karten zu 15/10 Euro ab 16 Uhr an der Konzertkasse. Freier Eintritt für Kinder bis 14 Jahre in Begleitung von Erwachsenen.

Von Haig Latchinian

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