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Wurzen Idylle in Gefahr: Waldgartenverein Lübschützer Teiche fürchtet um Existenz
Region Wurzen Idylle in Gefahr: Waldgartenverein Lübschützer Teiche fürchtet um Existenz
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06:00 22.09.2016
Bewohner in der Waldgartensiedlung Lübschützer Teiche diskutieren über die Zukunft. Quelle: Archiv
Machern

Der Waldgartenverein Lübschützer Teiche ist Kummer gewohnt. Nachdem es immer wieder Befürchtungen gab, dass die Siedler bald Datschensteuer zahlen müssen, droht jetzt noch größeres Ungemach. „Es geht um unsere Existenz“, brachte Vereinsvorsitzender Detlef Groth seine Sorgen zum Ausdruck. „Seit diesem Jahr verwehrt das Landratsamt jegliche Genehmigung, wenn jemand seine Laube erneuern möchte“, so der Vorsitzende. „Unsere Siedlung ist zum Sterben verurteilt, sollten wir keinen Ausweg finden.“

Die traditionsreiche Wochenend-Idylle wurde im Vorjahr 80 Jahre alt. 1933 wurden die ersten Pachtverträge geschlossen, damals noch mit der Rittergutsherrschaft Püchau. Vor allem Leipziger zog es ins Grüne, an den Rand der Lübschützer Teiche. Zahlreiche Nazi-Gegner wie der Leipziger Maler Alfred Frank suchten hier Unterschlupf. Die Idylle des kleinen Mannes kostete anfangs sechs Reichsmark pro Jahr. Die kleine Laubenkolonie wuchs ständig. Die schöne Lage war mehr als begehrt. Zu DDR-Zeiten gab es lange Wartelisten, um überhaupt an eine Parzelle zu kommen. „Seit 1999 gehört uns das Land als Bruchteilseigentümergesellschaft“, berichtet Detlef Groth. Damals versammelten sich die Siedler im größten Hörsaal der Leipziger Universität, weil ein anderer Ort die Massen gar nicht gefasst hätte. „Damals hat praktisch jedes unserer Mitglieder einen Krümel auf der Torte gekauft.“ Exakt 824 Personen waren an dem Grundstücksgeschäft mit der Gemeinde Machern beteiligt, was der Gemeinde damals 2,7 Millionen Mark und der Waldgartensiedlung sogar einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde eintrug. Denn die Zahl der Käufer war rekordverdächtig. Allein sechs Stunden dauerte es an jenem denkwürdigen 19. Dezember 1999, um die Namen aller Beteiligten ordnungsgemäß vorzutragen und den Handel notariell zu beurkunden.

Doch jetzt hängt die Zukunft der 18-Hektar-Idylle am seidenen Faden. Groth schildert die Situation, die vielen Betroffenen zwischen Tresenwald und Lübschützer Teichen die Sorgenfalten auf die Stirn treibt: „Viele der Lauben sind schon sehr alt, haben teilweise 60 Jahre auf dem Buckel. Die faulen einfach weg.“ Bisher sei es immer möglich gewesen, die Holzhäuschen zu erneuern, berichtet Detlef Groth. Doch neuerdings rücke das Landratsamt keine Baugenehmigungen mehr heraus. „Man beruft sich auf ein Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Chemnitz.“ Ein Ausweg könne darin bestehen, eine Planung in Auftrag zu geben. Die Siedler werben nun um die Unterstützung der Kommune. Denn nur die kann einen Bebaungsplan auf den Weg bringen.

Erste positive Signale gibt es. Am Sonntag werden rund 500 Siedler zu einer großen Eigentümerversammlung im Sportpark Tresenwald erwartet. Dort will sich der Vorstand grünes Licht holen, ein Planungsbüro mit den ersten Schritten zu beauftragen.

Die strengere Auslegung der Regularien stützt das Landratsamt auf ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Bautzen vom 14. Mai 2014. „Darin wird genau definiert, was unter Bauen im Zusammenhang bebauter Ortsteile oder im Außenbereich zu verstehen ist“, begründet Behördensprecherin Brigitte Laux. „Damit endet die in der Vergangenheit zum Teil recht unterschiedliche Zuordnung in den Bauaufsichtsämtern und der Landesdirektion.“ Das Urteil, so Laux weiter, werde sich auf viele Vorhaben im gesamten Landkreis Leipzig auswirken. „Dabei ist uns klar, dass wir als Behörde kaum auf des Verständnis der Betroffenen zählen können, ging es ja über 25 Jahre lang seinen eher ungeregelten Gang.“ Nun seien verstärkt die Kommunen gefragt, ob und wie sie die Entwicklung von Gebieten gestalten wollen. Dazu kündigte der Landkreis eine gesonderte Information der Bürgermeister an.

Von Simone Prenzel

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