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Ikonen als Quelle der Inspiration

Neue Grafikedition von Maria und Vlado Ondrej aus Machern Ikonen als Quelle der Inspiration

Mit einer neuen Grafiksammlung machen Maria und Vlado Ondrej auf sich aufmerksam. Das Künstlerpaar aus Machern (Landkreis Leipzig) widmet sich in der neuen Edition dem Thema Ikonen.

Vlado und Maria Ondrej mit Galerist Ulrich Thaler (von links) in der neuen Ausstellung.

Quelle: privat

Machern/Leipzig. Erinnerungen an seine Kindheit, das sind Himmel, Wiesen, nicht enden wollende Ferien und besessenes Zeichnen. Vlado Ondrej, geboren 1962, wuchs in einem ostslowakischen Dorf auf. Dort ist nichts mehr wie es war, doch die Obsession ist ihm treu geblieben. Verschwunden sind auch die kleinen Holzkirchen mit den Ikonenwänden, in die seine Großmutter den Knaben Sonntag für Sonntag schleppte. Doch diese Rückbesinnungen überstrahlen eine Grafikedition, die derzeit in der Galerie Thaler in der Leipziger Spinnereistraße gezeigt wird. Die acht Blätter der Mappe on entwickelten sich in Zusammenarbeit mit Ehefrau Maria Ondrej. Statt der klassisch angestrebten Teilung von jeweils vier Farbradierungen entstanden acht gemeinsame Arbeiten – für die Ondrejs ein erstmals erprobter Beleg produktiver Partnerschaft. Darin sind die unterschiedlichen Wurzeln ihrer Herkunft aus dem slawischen Raum und aus westlich geprägter Sozialisation verankert.

Maria Ondrej, Jahrgang 1965, ist in Machern groß geworden und lebt seit der Einschulung des ältesten Sohnes vor sieben Jahren mit ihrer Familie wieder im Elternhaus. Zwischendrin hat sie, wie ihr Mann, den sie beim Studium in Halle an der Hochschule für Kunst und Design kennenlernte, ihre Runden in der Welt gedreht. Sie erkundete mit Stipendien, auf Reisen Japan, Amerika, Spanien und England, kam, wie auch er, Lehraufträgen nach. Obwohl sie ihr Diplom im Studiengang Plastik erwarb, überschnitten sich bei Maria Ondrej auch Keramik und Fotografie, während sich Vlado Ondrej konsequent Zeichnung, Malerei und Grafik widmete und seine Frau zu Grenzüberschreitungen in seine Richtung ermutigte.

Star Wars, Farbradierung aus der Mappe on

Star Wars, Farbradierung aus der Mappe on.

Quelle: privat

Seltsamerweise hatte Maria Ondrej die Idee zur aktuell erschienen Edition, die von den Ikonen der Ostkirche inspiriert ist. Ihr Ansatz freilich ist keineswegs religiös. Eher geht es um Bedeutungswandel. Die Ikonen der Popkultur sind keine Heiligen mehr. Überblendet wird diese Ebene von der Frage nach Einfluss der Heiligen, die in Aleppo und überall auf der Welt die schlimmsten Gräuel geschehen lassen. Die farbig ungemein reizvollen Blätter haben eines gemeinsam: Von den Hauptdarstellern ist nur noch ihr Umriss mit der Aura ihres Heiligenscheins greifbar, jetzt wie ein Kokon, leer und inhaltslos. Dennoch bewahren die Heiligen ihre Präsenz durch die Zeiten, im Aufscheinen byzantinischer Architektur, infernalischer Bedrängnis, martialischer Dominanz und in einer kristallin verschachtelten Welt, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschmelzen. Feine Zeichnungen kontrastieren mit flächig gesetzten Abdeckungen, einander überlagernde Strukturgespinste gehen in partiellen Schattierungen auf. Im Entstehungsprozess überschneiden sich Zufall und Experiment, die raffinierte Wirkung verschiedener Lichtintensitäten.

Zwei Jahre zog sich die Arbeit an dieser achten Edition des Ateliers für Radierkunst hin, das die Ondrejs 2008 auf dem Gelände der Leipziger Spinnerei gründeten. Inzwischen ist bereits die zehnte Grafiksammlung erschienen. Die Künstler sind Netzwerker. Sie stellen auch als Manager und Kuratoren internationale Projekte auf die Beine, wie im Februar eine Ausstellung in New York. Diese Schau galt der zehnten Grafikedition der Radierwerkstatt, geschaffen von sechs deutschen und sechs amerikanischen Künstlern. 2013 hatte Maria Ondrej mit der siebenten Grafikedition beim Projekt „Cliché verre reloaded – ein Angriff auf die Zeit“ die Wiederentdeckung einer nahezu vergessenen Technik initiiert, die auf Glasplatten mit lichtundurchlässiger Deckschicht basiert.

Ein Angriff auf die Zeit ist auch Entschleunigung. Deren Maß ist für Vlado Ondrej das Tempo seiner Druckerpresse, mit der sich selbst Radierungen von zwei Metern meistern lassen. Vielleicht ein halbes Dutzend glänzender Ungetüme dieses Kalibers gibt es in ganz Europa. Die bestens ausgestattete Radierwerkstatt verstehen die beiden Künstler weder als herkömmliches Atelier noch als Druckerei, sondern eher als Institut, als Labor. Kollegen sind eingeladen, gemeinsam mit ihnen zu arbeiten. „Wir suchen uns Leute aus, die für die Projekte passen, meist junge Künstler, die Power und Energie haben und unsere Unterstützung gern annehmen“, erzählt Vlado Ondrej. Die Radierung führt dabei als gemeinsamer Ansatz Leute mit Medienkompetenz, Installation oder Fotografie als bevorzugtem Ausdrucksmittel zusammen. „Die Welt dreht sich immer schneller, es ist der größte Fehler, wenn man alles selbst machen will. Dann ist man schnell am Ende“, philosophiert der Grafiker. Maria Ondrej ergänzt: „Vom Herangehen unterschiedlicher Künstler profitiert auch die eigene Arbeit, bekommt einen neuen spielerischen Aspekt.“

Auch diese Inspirationen aus einem international verorteten Netzwerk verdichten sich in den neuen Radierungen, die in ihrer Brillanz wie in der Präsenz nicht mehr greifbarer Legenden tief berühren.

@Maria Ondrej & Vlado Ondrej – on, Farbradierungen, bis 19. November, Thaler Originalgrafik, 04179 Leipzig, Spinnereistraße 7, Haus 3, Öffnungszeiten Mittwoch bis Freitag 13 bis 17 Uhr, Samstag 11 bis 15 Uhr

Von Ingrid Leps

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