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Wurzen Im Dreiseithof Polenz wird Dorfgeschichte lebendig
Region Wurzen Im Dreiseithof Polenz wird Dorfgeschichte lebendig
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00:21 27.02.2018
Fotos, Karten, Dokumente: Die von Adam Jones zusammengetragene Ausstellung in der Scheune lässt Polenzer Geschichte wieder lebendig werden. Quelle: Ines Alekowa
Brandis/Polenz

Tafel an Tafel reiht sich in der Scheune des Dreiseithofes in der Straße der Einigkeit 4 in Polenz. Kaum ein Quadratzentimeter der alten Bruchsteinmauer, der unbedeckt wäre. Sie erzählen in zahlreichen Bildern und anderen Dokumenten die Geschichte des Dorfes. Jetzt hat der Verein Einigkeit 4 von der Stiftung der Sparkasse Muldental 1000 Euro zur Neugestaltung der Ausstellung erhalten.

Wenn der Verein zu Hoffest oder Konzerten einlädt – allein bis Juli sind noch sieben Veranstaltungen geplant –, ist immer auch das restaurierte Scheunentor einladend geöffnet. Und dann wird in Erinnerungen gekramt: „Weißt du noch...?“ Das war auch das Anliegen von Adam Jones und Mariko Mitsuyu, die den Hof 2003 erwarben und seitdem Stück für Stück liebevoll sanieren: Dass die Menschen ins Gespräch kommen, Erlebnisse miteinander teilen – einstige und neue.

Die ersten Dokumente hat Jones, zugleich Vereinsvorsitzender, schon gesammelt und ausgestellt, noch bevor er und seine Frau 2007 von Beucha nach Polenz zogen. Sie hingen zunächst im Kuhstall, in dem Konzerte stattfinden, 2008 mussten sie dort der ersten Kunstschau weichen. Es ist eine Sammlung vor allem in Schwarzweiß, um so bunter das Spektrum an Themen, das sie abbildet. Dorffeste wie das 200-jährige Kirchjubiläum 1925 werden wieder lebendig, Schulklassen blicken ernst in die Kamera. „Es sind Kopien von Fotos, die mir Polenzer, auch ehemalige, gegeben haben“, erzählt Jones. „Manches“, ist er überzeugt, „hat gerade darauf gewartet, entdeckt zu werden.“ Das Rittergut, von dem nur ein Gebäude die DDR-Zeit überstanden hat und das Senioren ein Heim bietet, ersteht so ebenso wieder auf wie Müllers Gut, das der aus Polenz gebürtige Maler Eberhardt Purrucker 1946 mit Farbe und Pinsel festhielt und an dessen Stelle jetzt das Feuerwehrgerätehaus steht. Schmunzeln lässt neben Männerchor, Kegel- und Turnverein, der Dithyrambe-Club,“ in dem in den 1920ern die Bauernsöhne dem griechischen Gott des Weines, Dionysos, huldigten. Nicht weniger interessant ist die mit Hilfe des Brandisers Klaus Schilling aufgestellte Liste, wonach es 1925 in Polenz 14 Höfe samt Acker, Pferden, Schweinen und Rindern gab. Oder die Gewerbeübersicht von 1950 mit zwei Gaststätten, zwei Schneidern, je einem Konsum, Kohlehandel, Fuhrbetrieb, Tischler, Schmied, Bäcker, Friseur und Gärtner. Gegenständliches, wie eine Karre mit Lattenrost, auf der vermutlich einst Särge transportiert wurden, sind erst jüngst hinzugekommen. „Wir waren sechsmal auf dem Flohmarkt, bis wir die passenden Räder gefunden haben“, erzählt Jones.

Natürlich spielt auch die Geschichte des Dreiseithofes selbst eine Rolle. „Er war 200 Jahre in Besitz der Familie Günther, Martin Günther der letzte Besitzer“, erzählt Jones. Eine dendrochronologische Untersuchung für die denkmalgerechte Sanierung des Hofes weist auf das Jahr 1799 als dessen Entstehung. Die Jahreszahl 1795 auf einer von der verstorbenen Pfarrfrau und Volkskundlerin Ursula Böstel in der Wendezeit geretteten Hochzeitstruhe und die Buchstaben JRG für Johanna Rosina Günther untermauern dies. Zum Denkmalstag, an dem sich der Hof regelmäßig beteiligt, ist sie zu sehen.

„Ich möchte ein Bewusstsein schaffen für die Geschichte des Dorfes“, sagt Jones. Er selbst bringt als Wahl-Polenzer dafür viel Neugier mit und als emeritierter Professor für Afrikas Geschichte und Kultur auch „gewisses Gespür für die Aussagekraft historischer Quellen“. „Sicher gibt es noch viel mehr Material“, ist er überzeugt.

Jones freut sich, dass der Förderantrag des Vereins von der Sparkassenstiftung als einer von 15 berücksichtigt wurde. Mit dem Geld kann Vereinsvize Tobias Bauer die Dokumente auf neue Unterlagen aufziehen, Rahmen erneuern. Die Beleuchtung ist verbesserungswürdig. Auch an der 1906 aufgestockten Scheune selbst müsste Hand angelegt werden – zwischen den unverputzten Ziegeln rieselt Sand auf die Tafeln und den Boden –, wenngleich schon viel gemacht wurde. „Als wir einzogen, schwebten die Balken hier frei im Raum“, erinnert sich Jones. Der Finanzbedarf für all das geht über die Stiftungsmittel hinaus. „Wir werden Eigenmittel hinzunehmen“, sagt Jones. Denn der 2012 gegründete und derzeit 36 Mitglieder zählende Verein hat sich nicht nur die Förderung von Veranstaltungen auf die Fahne geschrieben, sondern auch Maßnahmen zur Verschönerung des Hofes. Allerdings steht in diesem Jahr nicht nur die Ausstellung im Fokus. „Wir wollen auch noch die Bühne im Kuhstall vergrößern. Sie soll bis zum musikalischen Hoffest am 1. Juli fertig sein“, kündigt Jones an.

Von Ines Alekowa

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