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In Borsdorf soll Schulungszentrum des sächsischen Polosports entstehen

Freizeit In Borsdorf soll Schulungszentrum des sächsischen Polosports entstehen

Polo, ein eher elitärer Sport hoch zu Ross, hält Einzug in Sachsen. Allerdings verspricht die Gründerin der ersten Polo-Schule in Sachsen, Laura Quiring, dass er auch für Normalbürger erschwinglich bleibt. Trainiert wird schon jetzt in Grimma, auf dem Grundstück der Familie, in Borsdorf soll das Schulungszentrum entstehen.

Laura Quiring stellt sich der Herausforderung und saniert Gründerzeitvilla in Borsdorf.

Quelle: Haig Latchinian

Borsdorf/Grimma. Polo als Breitensport? Laura Quiring (35) will beweisen, dass es geht – ausgerechnet in Sachsen, wo Polo vor allem mit Autos oder Hemden in Verbindung gebracht wird. Nach entsprechendem Artikel in der LVZ vor knapp einem Jahr sind erste Schritte getan: Der gemeinnützige Verein Polo Liga Sachsen ist gegründet, 15 Mitglieder spielen in drei Mannschaften. Viermal die Woche ist Training in Grimmas Rotem Vorwerk. Und: Der weltweit erste Bürgermeister-Poloworkshop ging in Thallwitz über die Bühne.

Der bisher eher elitäre Sport hoch zu Ross soll zumindest im Muldental für jedermann erschwinglich sein. In einer weihnachtlichen Sonderaktion bietet der Verein für 30 Euro ab sofort Gutscheine zum „Schnuppern“ an. Diese sind schon Anfang nächsten Jahres einlösbar. Das Beste: Man braucht weder Vorkenntnisse im Reiten noch Ausrüstung. „Jeans und festes Schuhwerk reichen. Alles weitere, inklusive Trainerin, stellen wir“, sagt Laura Quiring und verweist auf speziell ausgebildete argentinische Pferde: „Die beherrschen den Sport oft besser als ihr Reiter“, lacht der 47-jährige Lars Quiring.

Genau wie seine Frau ist auch er in der Energiebranche tätig und ganz bewusst nach Borsdorf gezogen. Dort besuchen seine beiden Söhne das Freie Gymnasium, dort erblickte der jüngste Spross der Familie erst kürzlich das Licht der Welt, dort engagiert er sich im örtlichen Lions-Club und im Schulförderverein. Als ob das nicht schon genug wäre – nun auch noch Polo, jener älteste Mannschaftssport der Welt, der in Persien erfunden und über Indien nach England kam. Vier Reiter mit Schläger und Helm stehen sich gegenüber, schießen den mit bis zu 250 Sachen fliegenden Kunststoffball ins gegnerische Tor – zwei gepolsterte drei Meter hohe Stangen.

Quirings sind eine Bereicherung fürs Muldental: Selbst das Umfeld ihrer detailverliebt sanierten Borsdorfer Gründerzeitvilla mit Löwenköpfen bleibt keine polofreie Zone: „Das benachbarte Atelierhaus von 1901 soll zum sächsischen Polo-Begegnungszentrum für Spieler, Trainer und Schiedsrichter werden“, verrät das Paar. Denkbar seien in der einstigen Orangerie mit Schwerkraftheizung auch Buchlesungen, Konzerte und Heimatabende. Bis es so weit ist, muss das in die Jahre gekommene, einsturzgefährdete, beinahe viktorianisch anmutende Gebäude zunächst gesichert werden. Für den Ausbau des Atelierhauses zum Vereinsobjekt könnten EU-Fördergelder aus dem Leader-Budget fließen, bestätigt Regionalmanager Matthias Wagner vom Leipziger Muldenland. Der Koordinierungskreis der Lokalen Aktionsgruppe jedenfalls habe das ehrgeizige Projekt ausgewählt. Bereits die geplante Machbarkeitsstudie zum Installieren einer sächsischen Polo-Liga, strukturell ähnlich einer Fußball-Liga, wurde als förderwürdig erachtet, heißt es.

Wandfries und Kamin treffen Beamer und Internet – im künftigen Schulungszentrum soll das Realität werden. Bei Tagungen, Konferenzen und Empfängen könnten die Besucher dann auch die Terrasse nutzen, die im Garten noch aus dem Boden zu stampfen ist.

Mit der Gründung des Polovereins hat sich die aus Rostock stammende Laura Quiring einen Traum erfüllt: „Als Managerin war ich 2013 an einem Punkt angelangt, meine Lebensplanung zu überdenken“, holt sie aus. „Ich war nach Argentinien gereist. Dort lernte ich den Polosport kennen und lieben.“ Zur Hochzeit schenkte ihr Lars zwei Polo-Pferde, gewissermaßen als Startkapital für Sachsens erste Polo-Schule. Jetzt lässt die positiv Verrückte nicht mehr locker: „Wir suchen Sponsoren“, sagt sie und bietet entsprechende freie Plätze auf Bandenwerbung und Boxentafeln. Patenschaften für Teams seien genauso wünschenswert wie für Pferde. Laura Quiring: „Besuchen Sie uns doch mal im Roten Vorwerk Grimma. Trainiert wird samstags und sonntags jeweils 12 Uhr, dienstags 17 und donnerstags 18 Uhr. Anfangs hat man zwar tüchtigen Muskelkater, die Kondition aber kommt von ganz allein.“

Von Haig Latchinian

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