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In Borsdorfer Bahnhof kehrt Leben zurück – Apotheke macht den Anfang

Umbau In Borsdorfer Bahnhof kehrt Leben zurück – Apotheke macht den Anfang

Ewig stand er leer. Jetzt kehrt das Leben zurück in den Borsdorfer Bahnhof. Wo Bahnreisenden früher Rouladen mit Rotkraut und Klößen aufgetischt wurden, werden bald Medikamente ausgegeben.

Neues Leben im Bahnhof Borsdorf – Bürgermeister Ludwig Martin vor der historischen Fassade.

Quelle: Andreas Döring

Borsdorf. Als die Absichten der Bahn 2008 bekannt wurden, stand für die Gemeindeväter schnell fest: Dieses Schnäppchen lassen wir uns nicht entgehen. Der Borsdorfer Bahnhof, mitten im Ort gelegen, stand für 100 000 Euro zum Verkauf. Das historische Gemäuer sollte in einem bundesweiten Immobilienpaket an ein internationales Konsortium veräußert werden. „Wir wollten verhindern, dass irgendwelche Heuschrecken zuschlagen und uns dann vor vollendete Tatsachen stellen“, blickt Gemeindechef Ludwig Martin zurück. Außerdem sei das Empfangsgebäude 1894 im Zusammenhang mit dem Bau der ersten deutschen Ferneisenbahn Leipzig-Dresden entstanden, „die große Bedeutung für die Entwicklung unseres Ortes hatte. Der Bahnhof“, so Martin, „ist ein Borsdorfer Kulturgut.

Nach dem Kaufentschluss tat sich lange nichts. Bis Konzepte für die Wiederbelebung des imposanten Klinkerbaus standen und Geld für die Innensanierung floss, vergingen Jahre. Doch mittlerweile drücken sich Neugierige an den Scheiben des Empfangsgebäudes die Nasen platt. „Der Einzug der Apotheke steht unmittelbar bevor“, verkündet der Ortschef stolz und lädt schon mal zum Rundgang ein. „Hier befand sich früher die Bahnhofsgaststätte.“ Der Raum, in dem der letzte Wirt Detlef Ventur den Reisenden dampfende Rouladen mit Rotkohl und Klößen auftischte, ist nicht wiederzuerkennen. Lindgrüne Apothekerschränke sorgen für frische Farbe. Durch große Fenster fällt der Blick auf die modernen Bahnsteige, von denen stündlich bis zu fünf Züge via Dresden oder Leipzig rollen.

Borsdorf gilt als wichtiger Verkehrsknoten zwischen Wurzen und der Messestadt. Täglich Hunderte Pendler verfolgten mit, wie der Bahnhof in den vergangenen Monaten aufgemöbelt wurde. Nach fast 20 Jahren Leerstand gilt die erfolgreiche Gewinnung kommerzieller Mieter als Durchbruch. „Mit der Apotheke ist es uns gelungen, einen großen Teil der Erdgeschossfläche langfristig zu vermieten.“ Apothekerin Madlen Andrae sitzt bereits auf gepackten Koffern und wird ab 16. September ihre Kunden am Gleis bedienen. Weitere Nutzer hat die Gemeinde mit einer örtlichen Physiotherapie und einer Steuerkanzlei an der Angel.

Von der Bahnsteigseite aus erhielt der Bahnhof einen barrierefreien Zugang

Von der Bahnsteigseite aus erhielt der Bahnhof einen barrierefreien Zugang.

Quelle: Andreas Döring

Die frühere Fahrkartenausgabe wird demnächst ebenfalls umgebaut. Auf diesen Teil des Gebäudes hat Meike Heinrich, bis 1995 selbst Bahn-Angestellte, ein Auge geworfen. Für sie ist es eine Rückkehr an ihren alten Arbeitsplatz. Mit 19 fing sie auf dem Borsdorfer Bahnhof an, lernte später hier ihren Mann kennen. Nachdem der Fahrkartenschalter dicht machte, zog sich Meike Heinrich den Ticketverkauf als Vertriebspartner der Bahn an Land. Seitdem verkauft die gebürtige Beuchaerin Fahrscheine in einem kleinen Flachbau nur wenige Meter vom Gleis entfernt. Nach und nach kamen weitere Dienstleistungen dazu: Reinigungsservice, Paketannahme,

Markierung am historischen Klinkerbau

Markierung am historischen Klinkerbau.

Quelle: Andreas Döring

Quelle-Shop. Für die Borsdorfer ist die 59-Jährige die gute Seele vom Borsdorfer Bahnhof geblieben. Jahrzehntelang kannten sie die Reisenden vor allem in auffälliger Funktion – als Rotmütze. Sie hob tausendfach die Kelle, gab Zügen freie Fahrt, sorgte für Ordnung an der Bahnsteigkante. „Inzwischen bin ich regelmäßig mit dem Zollstock unterwegs, um die einstige Fahrkartenausgabe in Gedanken einzurichten.“ Eins dürfte dabei schon klar sein: Wenn Meike Heinrich an ihre alte Wirkungsstätte zurückkehrt, wird ihr das Wohl der Reisenden nicht egal sein. „Wenn Züge ausfallen, steht mein kleiner Laden schon jetzt voll. Oder Muttis wickeln auch mal ihr Baby.“ Meike Heinrich kann nicht anders, als Dienstleister zu sein und im größten Trubel für jeden noch ein Lächeln zu haben. Die umtriebige Agenturchefin lacht: „Einmal Eisenbahner, immer Eisenbahner.“

Von Simone Prenzel

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