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Wurzen In Dögnitz rollen endlich die Bagger
Region Wurzen In Dögnitz rollen endlich die Bagger
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14:39 23.02.2018
Projektleiter Thomas Zechendorf. Quelle: Simone Prenzel
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Machern/Püchau/Dögnitz

Das Warten auf den Baubeginn in der Muldenaue hat ein Ende. Zu Wochenbeginn fiel der Startschuss für den Weiterbau des Deiches zwischen Nepperwitz und Püchau, erklärt Thomas Zechendorf, Projektleiter der Landestalsperrenverwaltung, Betrieb Rötha. Nachdem der Damm bereits bis zur Bennewitzer Gemarkungsgrenze verläuft, wird das Bollwerk in den nächsten Jahren bis Püchau vorangetrieben. „Insgesamt entsteht eine Hochwasserschutzanlage auf fünf Kilometern Länge“, berichtet Zechendorf. Künftig sind die Ortschaften damit vor Überschwemmungen geschützt, wie sie statistisch alle hundert Jahre vorkommen. Kostenpunkt des Vorhabens: rund zwölf Millionen Euro.

Aufatmen nach zwei Muldefluten

Das Aufatmen der Anwohner ist groß: Schließlich war der Schutz der Auendörfer nördlich von Wurzen lange Zeit auf erhebliche Hindernisse gestoßen. Groß war 2013 die Wut der Betroffenen, als sie zum zweiten Mal nach 2002 eine Muldeflut traf. Verhandlungen mit Bodeneigentümern hatten sich jahrelang hingezogen. Auch der Naturschutz vertrat seine Interessen in der sensiblen Landschaft mit Nachdruck.

Doch nun – 13 Jahre nach Beginn der Planungen – sind Bauleute statt Bedenkenträger am Werk. Thomas Zechendorf entrollt die Unterlagen. „In diesem Jahr nehmen wir uns den Abschnitt in Höhe Dögnitz vor“, erklärt der 43-Jährige. Dieser, versichert der Bauingenieur, sei technologisch relativ unspektakulär. Die Bauzeit ist von Februar bis Dezember geplant. Den Auftrag für 1,6 Millionen Euro erhielt die Strabag, Niederlassung Zwenkau. Dort, wo der 1,8 Kilometer lange Damm bei Nepperwitz derzeit im Niemandsland endet, führt die Trasse in wenigen Wochen in gerader Richtung gen Dögnitz weiter.

Rot ist der Verlauf des neuen Deiches zwischen Püchau und Grubnitz markiert, grün der vorhandene Muldedeich. Quelle: Patrick Moye

Mehrere Trassen wurden untersucht

Zur Trassierung waren umfangreiche Untersuchungen erfolgt. „Als Vorzugsvariante machte schließlich die westliche Umgehung der Dögnitzer Mulde das Rennen“, erklärt Zechendorf. Dieser Verlauf lasse der Mulde im Ernstfall den größtmöglichen Spielraum – bei gleichzeitig relativ kurzer Deichlänge. Den Gedanken, die Ortschaften Dögnitz, Nepperwitz und Püchau durch einzelne Ringdeiche zu schützen, hatten die Experten frühzeitig verworfen. Das aktuelle Vorhaben ist Teil des Nationalen Hochwasserschutzprogramms. „Es schafft einen wichtigen Retentionsraum für die Mulde zwischen Wurzen und Eilenburg.“

Schöpfwerk bei Püchau verschwindet im Deichkörper

Der Altdeich in unmittelbarer Nähe der Mulde bleibt erhalten. „Um im Ernstfall eine Entwässerung überfluteter Flächen zu gewährleisten, wird er lediglich auf 300 Metern in Höhe Groitzsch geschlitzt“, so Zechendorf. Als besonders aufwendig gilt zudem der Bau eines Schöpfwerkes, der ab 2020 erfolgen soll. Hier kam die LTV den Wünschen des Denkmalschutzes nach, das Bauwerk nicht in die Sichtachse zwischen Püchauer Schloss und Mulde zu setzen. „Das Schöpfwerk soll auch nicht als Stahlbetonwerk in der Landschaft stehen, sondern verschwindet nahe der Olgabrücke elegant im Deichkörper. Oberirdische Ansichten werden aufwändig verkleidet.“

Fällarbeiten in der Püchauer Aue Quelle: sp

Während die Bauleute loslegen, bereitet Zechendorf bereits weitere Schritte vor. So rücken demnächst die Archäologen an, um bei Püchau den Untergrund zu sondieren. Hier sollen 2019 die eigentlichen Deichbauarbeiten starten. „Bäume werden bereits gefällt, um Platz zu schaffen.“ Außerdem stehen die Kommunalen Wasserwerke Leipzig und die Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz in den Startlöchern, um ab April in größerem Stil Leitungen zu verlegen. Die komplette Fertigstellung des Flutschutzes, so Zechendorf abschließend, sei nicht vor 2022 zu erwarten.

Von Simone Prenzel

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