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In Gerichshain herrscht dicke Luft: Anlieger führen Geruchsprotokoll

Klagen über Kopfschmerzen In Gerichshain herrscht dicke Luft: Anlieger führen Geruchsprotokoll

Üble Gerüche fahren immer wieder den Gerichshainern in die Nase. Als Ursache werden Produktionsabläufe in der Firma Frotscher Druck vermutet. Firmen im Gewerbegebiet, die sich belästig fühlen, nahmen sich inzwischen einen Anwalt.

Nase zuhalten heißt es mitunter in Gerichshain, wenn wieder dicke Luft herrscht.

Quelle: dpa-Zentralbild

Machern/Gerichshain. Dicke Luft in Gerichshain: Massive Beschwerden gibt es über Geruchsbelästigungen, die von einer Firma im Gewerbegebiet ausgehen sollen. „Die Situation ist nicht länger zumutbar“, macht Wilfried Pohle seinem Ärger Luft. Als Ursache vermutet der Inhaber einer Heizungs- und Sanitärfirma die Firma Frotscher Druck, die nur wenige Meter von seinem Firmensitz entfernt produziert. Schon vor zwei Jahren kochte das Thema hoch. LVZ berichtete damals ausführlich. Und auch andere Medien zogen nach. „Wenn mal wieder etwas in der Zeitung steht, geht es eine Zeit lang gut. Aber dann haben wir wieder diesen üblen Gestank zu ertragen.“

Das Problem belastet vor allem etliche Unternehmen im Gewerbegebiet. „Mitarbeiter vieler Firmen klagen heftig über Beeinträchtigungen“, schildert Pohle, der bereits in seiner Zeit als Gemeinderat auf das Dilemma aufmerksam machte. „Obwohl draußen eine unsägliche Hitze herrscht, ist es nicht einmal mehr möglich, wenigstens morgens etwas Sauerstoff in die Räume zu lassen, weil der Gestank fürchterlich ist“, heißt es einer der etlichen Mails ans Landratsamt, verfasst von einer Firmenmitarbeitern aus der Zweenfurther Straße. „Viele haben es aber auch schon aufgegeben, etwas zu unternehmen“, berichtet Pohle über eine gewisse Resignation. „Sie sind der Meinung: Das bringt alles ohnehin nichts.“

Anderer Auffassung ist da Bert Näther, Geschäftsführer der Firma Farben Schulze, die ihren Sitz ebenfalls in der Zweenfurther Straße hat. „Mitunter können wir kein Fenster aufmachen, weil unsere Mitarbeiter über Kopfschmerzen und Übelkeit klagen“, schildert der Chef. Die Belästigungen hätten nach zwischenzeitlicher Besserung wieder deutlich zugenommen. „Wir wollen erweitern, wenn sich hier nicht bald etwas zum Besseren wendet, steht das in Frage“, lässt der Unternehmer aufhorchen. Es gebe andere Niederlassungen des Mittelständlers, wo er durchaus auch expandieren könne und wo die Luft deutlich besser sei. Auch einen Anwalt hat Bert Näther mittlerweile mit der Wahrnehmung der Firmeninteressen beauftragt.

Pohles Schriftverkehr mit dem Landratsamt füllt bereits einen ganzen Aktenordner. „Das Thema geht schon über Jahre. Zwischenzeitlich dachten wir, die Sache hat sich erledigt. Aber da hatten wir uns wohl zu früh gefreut.“ Seit vergangenen November gab es fast täglich wieder unangenehme Überraschungen. Kontrollen, die das Landratsamt mehrfach durchgeführt habe, hätten nur bedingt geholfen.

Jetzt soll ein letzter Versuch unternommen werden, um die anrüchigen Vorgänge zu dokumentieren. „In den vergangenen Wochen haben viele Gerichshainer Geruchsprotokolle geführt.“ So wie andere Wetterdaten festhalten, notierten die Anlieger, wann ihnen der Gestank in die Nase fuhr. Die Skala der Empfindungen, die vom Landrasamt vorgegeben wurde, reichte dabei von „0=nichts zu riechen“ bis „6=unerträglich stark zu riechen“. Wilfried Pohle jedenfalls hat seine Wahrnehmungen akribisch protokolliert. Datum, Uhrzeit, Geruchsintensität, Art des Geruchs und Windrichtung wurden von ihm jeweils festgehalten. Die Protokolle wurden inzwischen der Kreisbehörde übergeben.

Die unternimmt seit April fast täglich Geruchsbegehungen – zu unterschiedlichen Tageszeiten und Wetterlagen. „Mitarbeiter des Umweltamtes sind dabei sowohl an verschiedenen Punkten des Gewerbegebietes als auch des angrenzenden Wohngebietes unterwegs“, erklärte Behördensprecherin Brigitte Laux am Mittwoch. „Weiterhin wurde durch das Umweltamt eine staatliche Messeinrichtung beauftragt, kontinuierliche Emissionsmessungen über den Zeitraum von jeweils einer Woche an sämtlichen vorhandenen Quellen durchzuführen. Damit wurde in den letzten beiden Wochen begonnen.“ Die Auswertung sei noch nicht abgeschlossen. Danach, so Laux, werde über weitere Maßnahmen entschieden. Vorsorglich weist die Kreisbehörde darauf hin, dass es in Industrie- und Gewerbegebieten mehr als anderswo duften darf. „Im Jahr sind 15 Prozent Geruchsstunden zulässig. Das heißt, an 1314 Stunden darf es riechen.“

Die Kritiker erwarten, dass sich an der Situation endlich nachhaltig etwas ändert. „Schließlich haben wir das gleiche Recht, saubere Luft zu atmen, wie alle anderen Bürger der Gemeinde auch“, so Pohle. Die Firma Frotscher Druck als vermeintlicher Verursacher ließ eine LVZ-Anfrage bis Mittwoch unbeantwortet.

Von Simone Prenzel

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