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In Wurzen gegründet: Kirchliche Initiative für Toleranz gegenüber homosexuellen Pfarrern

„Fair und fromm“ mit Karl-Heinz Maischner In Wurzen gegründet: Kirchliche Initiative für Toleranz gegenüber homosexuellen Pfarrern

Sie sind gegen die wörtliche Auslegung der Bibel in der heutigen Zeit und für Toleranz gegenüber homosexuellen Pfarrerpaaren. Die kirchliche Initiative „Fair und fromm“ wurde 2015 in Wurzen gegründet und lädt am Sonnabend zu Forumstag im die Dresdner Kreuzkirche.

Karl-Heinz Maischner gehört zur innerkirchlichen Initiative „Fair und fromm“.

Quelle: Thomas Kube

Wurzen. Es geht um die Außenwirkung der Kirche und darum, dass sie im Hier und Heute ankommt. Dass dazu gehört, die Bibel nicht immer wortwörtlich auszulegen, ist für Karl-Heinz Maischner klar. Der frühere langjährige evangelische Wurzener Pfarrer weiß, wovon er spricht und sich freut, „wenn Leute von außen zu uns kommen“. Er gehört zu den Mitgliedern der Initiative „Fair und fromm“, in der sich eher liberale sächsische Theologen sowie ein Gemeindepädagoge zusammengeschlossen haben. Die Initiative ist ein Reflex auf die Sächsische Bekenntnisinitiative (SBI), ein eher konservativer Zusammenschluss von Kirchenmännern und -frauen in der Landeskirche.

Ausgangspunkt für die Gründung der SBI war der Beschluss der Landeskirche, auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften in sächsischen Pfarrhäusern zuzulassen. Ein Beschluss, an dem es besonders in den Gemeinden im Erzgebirge heftige Kritik gab. Mit Verweis auf einige Bibelstellen, in denen Beziehungen zwischen Männern als Sünde und zum Teil mit der Todesstrafe bewehrt dargestellt werden, wie Maischner sagt. Eine Sichtweise, die längst nicht mehr zeitgemäß ist für den Mann, der viele Jahre die Evangelische Erwachsenenbildung in Dresden geleitet hat und der nach wie vor in Wurzen zu Hause ist. Die Bibeltexte müssten aus ihrer Zeit heraus verstanden werden. Mit ihrer Kritik an der rigorosen Rhetorik der SBI, die den potenziellen Einzug gleichgeschlechtlicher Paare in Pfarrhäuser als „schrift- und bekenntniswidrig“ ablehnt, vertrete die Initiative „Fair und fromm“ letztlich auch die Menschen, die wegen ihrer sexuellen Neigungen diskriminiert werden.

Der Dissens zwischen der Initiative, die Ende 2015 im Wohnzimmer von Maischner am Domplatz in Wurzen gegründet wurde, und der SBI, lässt sich auch mit den Prägungen durch die jeweilige Region begründen. Es sei kein Zufall, dass die eher konservativen Geistlichen und ihre Gemeinden vor allem im Erzgebirge und in der Oberlausitz zu finden sind. In Gegenden, in den es schon geografisch eine gewisse Enge gibt. Das flache Land hingegen biete die Möglichkeit, den Blick zu weiten. Ganz abgesehen von der Großstadt Leipzig, die aufgrund ihre Internationalität selbst zu DDR-Zeiten immer freier gewesen sei – was ebenso auf Städte wie Wurzen, Grimma und Borna ausgestrahlt habe. Der Kirchenbezirk Leipziger Land, so Maischner, dürfte zumindest in nennenswerten Teilen tendenziell so wie die Initiative „Fair und fromm“ ticken.

„So, wie wir hier leben, ist es normal“, sagt der 66-Jährgige, der seit einem Dreivierteljahr im Ruhestand ist. Und weiter: „Wenn es den Menschen gut geht, dann ist das okay.“ Das Christentum habe die Funktion, „den Menschen zu helfen, ihr Leben zu bewältigen“. Wozu die passenden Worte gehören. Ein Mann mit Bodenhaftung wie Maischner weiß, wovon er spricht. Wahrlich nicht jedes Kanzelwort finde seine Adressaten. Auf gut Deutsch: In den sächsischen Kirchen wird nicht allzu wenig an den Menschen vorbei gepredigt. Auch darum geht es den Aktivisten von „Fair und fromm“, die am Sonnabend zu ihrem zweiten Forumstag in der Dresdner Kreuzkirche zusammenkommt.

Sie wollen die Kirche positiv wahrgenommen wissen. Nicht zuletzt deshalb, „weil die Kirche nicht mehr für jeden relevant ist“, so Maischner weiter. „Wir müssen uns mit den Fragen beschäftigen, die die Menschen haben.“ Und nicht damit, ob es schwule Pfarrerpaare in kirchlichen Wohnungen geben darf.

Von Nikos Natsidis

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