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In Wurzener Wenceslaikirche wird’s nochmal weihnachtlich

Festival der Krippenspiele In Wurzener Wenceslaikirche wird’s nochmal weihnachtlich

Krippival. Krippi...wie bitte? Was so klingt wie Kripo live oder gar wie ein neues Grippemittel ist die Abkürzung für Krippenspiel-Festival. Aber wer weiß: Vielleicht ist es ja spannend und heilend zugleich! Das wird sich Sonnabend ab 17 Uhr in der Wurzener Wenceslaikirche zeigen. Dann präsentieren Junge Gemeinden aus dem Landkreis Leipzig ihre Krippenspiele noch ein weiteres Mal.

Die Junge Gemeinde Kitzscher führt das Krippenspiel zu Weihnachten im Dittmannsdorfer Stall bei Kitzscher auf.

Quelle: Andreas Döring

Landkreis Leipzig. Krippival. Krippi... wie bitte? Was so klingt wie Kripo live oder gar wie ein neues Grippemittel ist die Abkürzung für Krippenspiel-Festival. Aber wer weiß: Vielleicht ist es ja spannend und heilend zugleich! Das wird sich Sonnabend Abend ab 17 Uhr in der Wurzener Wenceslaikirche zeigen. Dann präsentieren Junge Gemeinden aus dem Landkreis Leipzig ihre Krippenspiele noch ein weiteres Mal.

„Da die Inszenierungen am heiligen Abend meist zeitgleich laufen, ist es den Darstellern oft unmöglich, sich andere Aufführungen anzusehen“, sagt Studentin Katharina Bachmann. „Das ist schade, weil viel Liebe und Leidenschaft in diesen Stücken stecken. Aber auch wenn man selbst kein Mitspieler ist, lässt es der zeitliche Rahmen nicht zu, mehrere Krippenspiele zu besuchen. Das Publikum beschränkt sich auf die Einwohner des jeweiligen Ortes“, so Bachmann. Ihre Junge Gemeinde Machern will das ändern und veranstaltet am Sonnabend bereits zum vierten Mal den langen Abend der Krippenspiele.

Keine Maria. Kein Josef. Nicht mal Jesus? Die Macherner schicken eine Punkerin auf den dargestellten Weihnachtsmarkt. „Motte“ wird gespielt von Jolantha Maier. Wortlos, von Anfang bis Ende. Sie setzt sich, entzündet eine Kerze und scheint irgendwie nicht von dieser Welt. Allerlei Bürger schwärmen in ihrer Nähe vom Fest der Liebe. Derweil ein alter Mann mit Krückstock (Kilian Peisker) im Wettlauf nach dem Last-Minute-Geschenk beinahe überrannt wird. Vergeblich versucht er, die Bühne zu besteigen. Nur die Punkerin hilft ihm, reißt den anderen die Maske herunter und malt deren Gesichter bunt an. Ihre Botschaft: „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt so ist, wie sie ist, es wäre deine Schuld, wenn sie so bleibt.“

Abiturientin Isabelle Reimann, die das Stück geschrieben hat, will aufrütteln. Ihr geht es ganz bewusst nicht um Folklore mit Hirten, Königen und Jesus-Puppe. Vielmehr um tiefgründige, auch humoristische Gesellschaftskritik. Schließlich machten Frieden, Nächstenliebe und der Schutz der Schwächeren die Weihnachtsbotschaft aus. „Der Sinn eines solchen Krippenspiels ist nicht die Darstellung einer schönen Legende, sondern die Mahnung zur Menschlichkeit.“ Im Vorjahr brachten die Macherner in Uniformen gar den Weihnachtsfrieden von 1914 auf die Bühne. Für einen Moment stiegen die verfeindeten Soldaten aus ihren Schützengräben, sangen Lieder, versorgten die Verletzten und spielten Fußball, ehe das Blutvergießen weiterging.

Was wichtig ist

Das Krippival des Kirchenbezirkes Leipzig Land findet am heutigen Sonnabend ab 17 Uhr in der beheizten Wenceslaikirche Wurzen statt. Je nach Länge der Stücke kann sich die Veranstaltung bis gegen 21.30 Uhr hinziehen. Zwischen jeder Aufführung ist eine Pause geplant, in der die Möglichkeit zu Gesprächen und einer kleinen Stärkung besteht. Alle Gruppen bringen Speisen mit, ausdrücklich werden auch die Besucher gebeten, ihren kulinarischen Beitrag zu leisten. Der Eintritt ist frei. Wer spenden möchte, kann dies tun. Die Spendenerlöse kommen unter anderem dem Projekt „Lernhütten aus Plastikflaschen“ in Uganda zugute. Veranstalter des Krippivals ist die Junge Gemeinde Machern, die bereits zum vierten Mal in die Wurzener Stadtkirche einlädt.

Die Junge Gemeinde aus Naunhof mit Kameramann Steffen Hegenbarth verlegt die Flucht von Maria (Johanna Vogelsang) und Josef (Philipp Nöcker) in die Gegenwart. Zwar kommen heilige drei Könige, Hirten, Sterne, Erzählerin (Lara Hagenbeck-Hübert) und der böse Herodes (Maximilian Küchenthal) vor, doch ein klassisches Krippenspiel ist es nicht, findet Darsteller Johannes Hübner. Dafür sorgen schon der gutmütige Polizeibeamte (Florian Barthel) sowie die beiden Damen (Pia Hagenbeck-Hübert und Josephine Meinel) mit ihrem Schild „Refugees welcome“. Licht aus. Eine große Leinwand wird aufgezogen. Aktuelle Porträts verzweifelter Menschen sind zu sehen. Alle Krippenspieler ziehen als Flüchtlinge verkleidet Richtung Altar. Ein Zuschauer (Jonathan Münch) fragt: „Aber wenn alle kommen, schaffen wir das überhaupt?“ Der Engel (Drittklässlerin Mariella Meinel) ruft: „Fürchtet Euch nicht!“

Wurzens Kirchenmusikdirektor Johannes Dickert weiß um die zwei Herzen, die in einer Brust schlagen: „Die einen mögen zu Weihnachten die traditionelle Geschichte. Sie wünschen sich, dass die Not der Welt zumindest am heiligen Abend außen vor bleiben möge. Die anderen halten nicht viel von bloßer Traditionspflege. Ihnen ist die Aktualisierung gerade zu Weihnachten wichtig. Ohne richten zu wollen, gehören Weihnachtsgeschichte und Flüchtlingsproblematik natürlich untrennbar zusammen.“ Ausdrücklich begrüßt Dickert das Krippival, das vom Bornaer Jugendamt und der Evangelischen Jugendarbeit unterstützt wird. Vor allem, da ja immer noch Weihnachtszeit sei: „Ich weiß, die Gelehrten streiten sich da. Für die einen ist Weihnachten nach dem Fest der heiligen drei Könige vorbei (6. Januar), für die nächsten am morgigen Sonntag, andere feiern bis Mariä Lichtmess (2. Februar).“

Die Darsteller der Jungen Gemeinde Naunhof

Die Darsteller der Jungen Gemeinde Naunhof.

Quelle: Andreas Döring

„Wo ist Nero?“, fragt die Junge Gemeinde Kitzscher. Nicht um die Könige dreht sich ihr Stück, sondern um Nero. Nero ist ein Hund. Er reißt ausgerechnet dem kleinsten Hirtenjungen aus, was den alten Hirten zur Weißglut bringt. Er droht dem Knaben (Hannes Schindler) sogleich Prügel an und schickt ihn auf die Suche. Der Junge findet den Stall. Darin: Maria, Josef, Jesus – und Nero. Der alte Hirte, von den Engeln ebenfalls zum Stall geleitet, redet plötzlich nur noch mit Engelszungen. Ein Wunder! Luise und Klara Walther, Christfried Vetter, Laura Schmidt und all die anderen spielten das Stück in zwei Teams – in den Kirchen Eula, Beucha und Lauterbach sowie im Stall der Dittmannsdorfer Familie Westert. Ein absoluter Geheimtipp: Die Gastgeber bauten aus jeder Menge Stroh ein richtiges Amphitheater – für 500 Zuschauer, Schafe und zwei Ponys.

Zwischen den Stücken gibt es Pausen. Ausgiebig Zeit für Darsteller und Publikum, miteinander ins Gespräch zu kommen. Und sich zu stärken. Jede Gruppe bringt selbst gemachte Speisen für das Buffet mit. Die Besucher werden gebeten, ebenfalls ein paar Leckereien beizusteuern. Mitveranstalterin Julia Spalteholz: „Auf Landesebene gibt es ähnliche Konzepte, nur dass das Krippival dort ein Wettbewerb mit Plätzen und Preisen ist. Bei uns geht es um den Spaß am Spiel, um die Botschaft und nicht um möglichst perfekte Inszenierungen.“ Zur Feier des Abends ist die Wenceslaikirche beheizt! „Das trifft sich gut“, sagt die Machernerin Maxi Schindler: „Dann kann ich barfuß spielen, wüsste sowieso nicht, was für Schuhe ein Engel tragen sollte.“

Von Haig Latchinian

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