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Wurzen Interessenkonflikt am Holzberg
Region Wurzen Interessenkonflikt am Holzberg
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13:04 25.02.2019
Klettern am Holzberg bei Böhlitz: Im Hintergrund die sogenannte Sonnenplatte – ein in Mitteldeutschland einzigartige Vertikale. Quelle: Geoquest
Thallwitz/Böhlitz

Wen es von den hiesigen Bergsportlern nicht nur in die Kletter- und Boulderhallen von Leipzig zieht, sondern auch an den natürlichen Fels, der findet vor den Toren der Stadt mit den Steinbrüchen bei Brandis oder in den Hohburger Bergen auch attraktive Nahziele. Besonders der Holzberg bei Böhlitz macht bei trockenem Wetter sogar das Klettern im Winter möglich.

Neuer Eigentümer will Steinbruch wieder verfüllen

Seit dem Verkauf des Steinbruchs Holzberg (2018) durch die Basalt-Actien-Gesellschaft (BAG) an die Kafril Service GmbH (Großzschepa) und dem Bekanntwerden, diesen offenen Berg wieder als Ablagerungsstätte zu nutzen, ist heftiger Streit um die dort entstandenen Biotope entbrannt. Das Kafril-Unternehmen hat öffentlich gemacht, den Holzberg-Grund künftig mit Aushub (unbelasteten Erdstoffen) zu verfüllen, und im benachbarten Böhlitz hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die genau das verhindern will.

Bergsportler schalten sich in Interessenkonflikt ein

In den Interessen-Konflikt um den Holzberg eingeschaltet haben sich indes auch die Bergsportler des Deutschen Alpenvereins (Sektion Leipzig) und der IG Klettern und Naturfreunde Mittelsachsen e. V. Beide Vereine kümmern sich seit den 90er-Jahren um die Pflege und Sicherung der hier eingebohrten Kletterrouten und um das Müllentsorgen rund um das in Mitteldeutschland einzigartige Kletterparadies. Das machte auch ein Pachtvertrag möglich, der zuerst mit den sportlerfreundlichen Sächsischen Quarzporphyr-Werken (SQW), später mit der BAG geschlossen wurde.

In die Auseinandersetzung um die unmittelbare Zukunft des umstrittenen Terrains sind nicht wenige Fakten, leider auch nicht wenige Halbwahrheiten, sogar Falschinformationen auf die öffentlichen und nicht-nichtöffentlichen Wege gebracht worden … Verständlich sind die Emotionen aller Beteiligter. Eine gemeinschaftliche Lösung des aufgeworfenen Problems indes lässt sich sicherlich nur im sachlichen Informations-Austausch und in der Suche nach einem gangbaren Kompromiss finden.

Grundwasser wird weiter abgepumpt

Die Kafril Service GmbH geht als privater Eigentümer freilich unternehmerisch mit dem Objekt der Begierde um, hat aber bewusst, so wurde vom Kafril-Geschäftsführer Jens Karnahl signalisiert, das Verfüllen nicht bis zu den Füßen der Kletterwände geplant. Auch wird weiter Grundwasser abgepumpt, damit der Bruch nicht absäuft – wie beispielsweise im Böhlitzer Spielberg oder im benachbarten Köppelschen Berg zu beobachten.

Rein bergrechtlich wäre das (Weiter-)Verfüllen schon jetzt möglich; ja es besteht sogar eine Pflicht dazu. Rückblick: Zu DDR-Zeiten wurde der Abbau des schönen gelb-schwarzen Holzberger Quarzporphyrs 1975 beendet. Den ausgehöhlten Zahn für eine Deponie zu nutzen – dieser Plan wurde nicht realisiert.

Kletter-Pioniere erschließen den Bruch für den Sport

In der Stille der 90er-Jahre entdeckten solche Kletter-Pioniere wie Holger Kühne und René Riedel aus Wurzen den Bruch und erschlossen ihn für den Sport. Gleichsam begannen die SQW das Verfüllen mit Abbruch-Material der umliegenden Steinbrüche. An den mit dem Oberbergamt Freiberg abgestimmten Sonderbetriebsplan hielt sich auch der Nacheigner, die BAG. Bis 2007 – da wurde das Verfüllen ob mangelnder Abbau-Aufträge in der Region gestoppt.

Gutachten soll über schützenwerte Tiere und Pflanzen aufklären

Dieses Datum gilt auch als Geburtsstunde für den heute so geschätzten Flachwasser-Biotop im Gelände. Mit dessen Kauf hat das Kafril-Unternehmen ein naturschutzfachrechtliches Gutachten in Auftrag gegeben, und erst wenn das von der Unteren Naturschutzbehörde bewertet ist – das soll in den nächsten Tagen geschehen –, wird es grünes Licht für ein weiteres Verkippen (Teilverfüllung) geben. Auch ob besonders schützenswerte Pflanzen und Tiere dauerhaft nachweisbar sind und nun umgesiedelt werden müssen, wird von dieser Bewertung erwartet.

Nicht länger aufs Weiterklettern warten, wollte der DAV-Vorstand der Sektion Leipzig. Und so wurde jüngst am Kafril-Tisch ein (neuer) unbefristeter Nutzungsvertrag ausgehandelt. Auch die IG Klettern ist angefragt, diese Rechtssicherheit nun mit zu unterschreiben. Diese Botschaft tut gut. Denn den Sportkletterern liegt noch schwer im Magen, dass die BAG 2016 mit der beliebten Schwarzen Wand (am Frauenberg) sozusagen das „Matterhorn der Hohburger Schweiz“ sprengte – seit 1925 wurde hier geklettert! – und zudem den klettertechnisch schon erschlossenen Zinkenberg wegen Verfüllung für den Sport sperrte.

Bergfilmfestival steht für Kooperation im Geopark

Ein Beispiel, wie sich Bergsport und Bergkultur im heutigen Geopark Porphyrland gut verankern lassen, zeigt eindrücklich das jährliche DAV-Bergfilm-Festival im Steinbruch Gaudlitzberg. In diesem Jahr findet es übrigens zum 21. Mal statt, und zwar vom 30. August bis zum 1. September. Die Profilierung dieses Open Air zu einem überregional bedeutsamen Ereignis wäre ohne die Einbindung in die hiesige Region nie so gelungen. Dafür stehen anter anderem die prima Zusammenarbeit mit solchen ortsansässigen Firmen wie Gerüstbau Kollewe, Baumaschinengesellschaft Thallwitz, Agrargenossenschaft Böhlitz oder Bio-Müller in Röcknitz.

Auch die jährlichen Frühjahresputze der hiesigen Steinbrüche in Gemeinschaft mit dem Böhlitzer Heimatverein oder das jüngste Projekt, mit dem Heimatverein Großzschepa im Schloßpark eine Übernachtungsmöglichkeit für Bergsportler zu schaffen, indem die halbverfallene Rittergut-Scheune rekonstruiert wird, belegen: Kooperation ist keine Geheimformel! Allein wenn man bedenkt, dass sich der nächste Zeltplatz erst in Eilenburg findet, stimmt diese Initiative frohgemut und wird bei Gelingen die touristische Attraktion der Region weiter erhöhen.

Von Peter-Hugo Scholz

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