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Inventur im Stadtpark: Die grüne Lunge von Wurzen wird vermessen und kartiert

Denkmalschutz Inventur im Stadtpark: Die grüne Lunge von Wurzen wird vermessen und kartiert

Derzeit werden im 137 Jahre alten und 16 Hektar großen Wurzener Stadtpark die Bäume gezählt. Damit erfüllt die Stadtverwaltung eine Forderung des Landesamtes für Denkmalschutz in Dresden aus dem Jahre 2009. Das Projekt wurde jedoch immer wieder verschoben, weil Geld hierfür fehlte.

Besonders im Herbst zeigt sich der Wurzener Stadtpark von seiner schönsten Seite.

Quelle: Frank Schmidt

Wurzen. Eigentlich hätte die Stadtverwaltung ihre Hausaufgaben schon längst erledigen müssen. Denn bereits 2009 forderte das Landesamt für Denkmalpflege in Dresden die Kommune zur Bestandsaufnahme des 16 Hektar großen Stadtparks auf. Jedoch verhinderte die Haushaltslage bisher eine detaillierte Inventur. Zudem, so Kathrin Höhme, Sachbearbeiterin für Grünflächen und Gewässer in der Friedrich-Ebert-Straße 2, ließen sich für den finanziellen Aufwand von circa 35 000 Euro keinerlei Fördergelder akquirieren. Daher graste sie nach der Strafandrohung im Herbst 2014 im eigenen Sachgebietsbudget und fand jetzt eine Lösung für die mahnende Auflage aus der Landeshauptstadt.

„Momentan ist das Zschornaer Vermessungsbüro Hubert Mütze gerade dabei, das Areal des Stadtparkes zwischen Geschwister-Scholl-, Alte Nischwitzer, Juel- und Kutusowstraße in Sektoren zu kartieren.“ Jene Vorarbeiten bilden dann die Basis für die Vergabe an ein Landschaftsarchitekturbüro, welches letztlich eine umfangreiche Expertise der historischen Parkanlage erstellt. „Ähnlich wie beim Alten Friedhof, also inklusive denkmalpflegerischer Analyse, Erhaltungsziel, Quellen und Literatur sowie den entsprechenden Zeichnungen und Plänen“, fügt Höhme an. Eben aus diesem Grund würden nicht nur alle Immobilien des Stadtparkes erfasst, wie der Teich, die Grotte, die Parkhütte, Ehrenhain, Tennis- und Spielplatz, sondern ferner sämtliche Bäume mit gleichzeitiger Artbestimmung und natürlich die Wege.

„Falls sich Besucher des Stadtparkes vielleicht über den einen oder anderen roten Punkt an verschiedenen Bäumen wundern – sie dienen der Vermessung.“ Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten begrüßt Höhme den jetzigen Start. „Wir erhalten mit dem künftigen Gutachten schließlich den neuesten Ist-Stand des Stadtparkes, der bis hin zum Grünschnitt wichtig für uns ist.“ Das Erfassen der Bäume erfolge übrigens in zwei Abschnitten, ergänzt die Fachfrau. „Von der Geschwister-Scholl-Straße bis zum Tennisplatz und als Waldfläche vom Tennisplatz zur Juelstraße.“

In den Blickpunkt rückt Höhme darüber hinaus den Rapunzel- oder Mäuseturm, wie das Bauwerk im Volksmund genannt wird. Der Aussichtspunkt entstand 1888, ist aber seit 1988 nicht mehr begehbar – die Tür wurde insbesondere wegen Vandalismus zugemauert. „Mein Wunsch wäre es, ihn wieder öffentlich zu nutzen. Doch dazu müssen wir erst einmal wissen, wie es im Inneren mit der Treppe aussieht und das entsprechende Geld haben.“ In einer ersten Aktion und dank der Tombola zum diesjährigen Parkfest flossen jedenfalls knapp 300 Euro aufs separate Konto. „Ein Anfang“, so Höhme. Allerdings gibt es nicht nur Erfreuliches aus dem Stadtpark zu berichten. So ärgert es die Stadtangestellte, dass das kleine Bassin in Höhe der Alten Nischwitzer Straße des Öfteren von Hundebesitzern als Badeanstalt für ihre Tiere missbraucht wird. Die Folge: Hundehaare verstopfen die Sprinkleranlage. „Allein fünf- bis sechsmal im Jahr wechseln deshalb die Mitarbeiter des Bauhofs die defekte Pumpe aus. Eine Reparatur, die stets über 100 Euro kostet.“

Der erste Baum des Stadtparkes wurde vor 137 Jahren am 12. Oktober 1879 von Wurzens damaligem Bürgermeister Heinrich Alfred Mühle (1839 – 1907) gepflanzt. Angeregt und umgesetzt hatte die Gesamtanlage im Norden der Stadt der Verschönerungsverein unter Vorsitz des Teppichfabrikanten und Ehrenbürgers Petter Andreas Georg Juel (1840 – 1900). Aus Anlass des 800-jährigen Jubiläums des Hauses Wettin 1889 legten Wurzener Industrielle den Grundstein der heutigen Parkgaststätte, die ab 1890 der Stadtgärtner bewohnte. 1896 kamen zwei Teiche hinzu, von denen lediglich der größere noch vorhanden ist.

Von Kai-Uwe Brandt

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