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Wurzen Jäger im Kreis Leipzig wollen Schweine nicht für die Tonne schießen
Region Wurzen Jäger im Kreis Leipzig wollen Schweine nicht für die Tonne schießen
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22:03 07.03.2018
Wildschweine richten große Schäden in der Landwirtschaft an und können die afrikanische Schweinepest verbreiten. Quelle: Olaf Majer
Landkreis Leipzig

„An sich müssten wir 80 Prozent der Wildschweine abschießen.“ Allein wegen der afrikanischen Schweinepest, deren Ausbreitung auch in Deutschland und in Sachsen befürchtet wird, wie Olaf Krokel, stellvertretender Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Muldental, sagt. Dabei gab es schon vor dem Ausbruch der Seuche genügend Gründe für den verstärkten Abschuss von Wildschweine. Die richten auch zwischen Thallwitz, Colditz und Groitzsch genügend Schäden in der Landwirtschaft an. Dennoch macht Jäger Krokel klar, dass es sich um ein schier aussichtsloses Vorhaben handelt.

Schwarzwild vermehrt sich stark

Allein schon deshalb, weil niemand eine verlässliche Datenbasis hat. „Wie viele Wildschweine es gibt, wissen wir nicht.“ Dafür ist klar, wie erfolgreich sich das Schwarzwild vermehrt. Krokel spricht von einer Rate von 150 bis 200 Prozent. Das macht die Tiere zu einem ernsthaften Problem für die Landwirte.

Auch im laufenden Jahr verzeichnen Sachsens Jäger eine hohe Zahl an Abschüssen von Wildschweinen. Quelle: Dpa

Dabei waren Keiler, Bachen und Frischlinge rund um Leipzig nicht immer in Massen zu Hause. „Bis in die 70er-Jahre gab es nur wenige bei uns.“ In den Jahren danach wurden sie zunächst im Planitzwald bei Bennewitz in nennenswerter Zahl heimisch. Sie waren dorthin gelangt, weil Wildschweine ähnlich wie auch Wölfe tendenziell von Osten Richtung Westen wandern. Bis zu dieser zeit, sagt Jäger Krokel, hatten die Jäger hierzulande vor allem Rehwild, Hasen und Fasane im Visier.

Von wegen „dummes Schwein“

Änderte sich, als die Wildschweine für erste Schäden in der Landwirtschaft sorgten. Die Jagd auf die Zuwanderer gestaltete sich für die Waidmänner allerdings schwieriger. Während Rehwild tagaktiv ist, wie die Fachleute sagen und damit leichter abgeschossen werden kann, verhalten sich Wildschweine anders. „Die meiden die Tageszeit, wenn sie Jagddruck haben.“ Denn anders als der Volksmund meint („dummes Schwein“) sind Wildschweine intelligent. „Die lernen dazu.“ Zudem sind sie ausgesprochen wehrhafte Tiere.

Dennoch fielen die Schäden, die die Wildschweine zu DDR-Zeit auf Feldern verursachten, nicht so ins Gewicht. Krokel: „Damals gab es große Landwirtschaftsflächen.“ Mit dem Ende vieler Landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaften (LPG) wurden die Felder kleiner – und die Spuren der Verwüstung größer. Es ist ein Unterschied, ob sich eine Rotte Schweine auf fünf Hektar Mais gütlich tut oder ob die Fläche ein mehrfaches größer ist.

Preise für Wildfleisch im Keller

Weil aber die Tiere oftmals Felder finden, auf denen es für sie einen ganzjährig gedeckten Tisch gibt, hat auch die Jägerschaft eine gewaltigen Druck, der durch die afrikanische Schweinepest noch gestiegen ist. Olaf Krokel betont, „dass wir bloß versuchen können, den Wildschweinestand zu minimieren“. Und er verweist auf ein Problem, das die etwa 300 organisierten Waidmänner im Kreisjagdverband Muldental ebenso haben wie alle anderen Jäger: die Ankaufpreise für Wildfleisch, die mittlerweile im Keller sind. Einfach so auf die Tiere zu halten, um das Fleisch dann wegzuschmeißen, ist nicht die Sache anständiger Jäger. Krokel: „Wir schießen nicht für die Tonne.“

Von Nikos Natsidis

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